laut.de-Kritik

Das Neue steht dem Alten nur im Wege.

Review von

Ein eher mageres Comeback-Album ("Roses"), eingebettet in zwei flauschige Greatest Hits-Decken ("Stars - The Best Of The Cranberries 1992-2002", "Dreams – The Collection"): Für Cranberries-Fans schien in den vergangen 15 Jahren nur selten die Sonne. Um so größer war die Vorfreude, als es vor einigen Monaten hieß: Dolores O'Riordan und Co befänden sich mal wieder im Studio. Die Euphorie hielt jedoch nicht lange an, denn schon bald sickerte durch, dass es sich bei dem neuen Album "Something Else" erneut um eine Compilation handeln werde.

Der Frust hält sich dieser Tage beim Lauschen der Tracks von "Something Else" aber dann doch in Grenzen. Statt der Gefolgschaft nämlich eine weitere Standard-Aneinanderreihung ihrer vergangenen Hits zu präsentieren, servieren uns die Cranberries einen Großteil ihrer Perlen in neuem musikalischem Gewand. Evergreens wie "Zombie", "Linger" und "Ode To My Family" gehen komplett akustisch arrangiert an den Start.

Das macht vor allem bei den bereits erwähnten Hits durchaus Sinn. Zwischen den Klängen von zarten Akustikgitarren und pointierten Streichern steht das eindringliche Organ von Sängerin Dolores O'Riordan mehr denn je im Fokus. Aus schepperndem Indie-Rock wird zarter Folk-Pop ("Zombie"). Das Hymnenhafte bleibt jedoch erhalten.

Bisweilen nimmt die orchestrale Note zwar etwas Überhand und taucht vor allem die eh schon geschmeidigeren Stücke wie "When You're Gone" und "You & Me" in ein überzuckertes Kitsch-Bad. Aber alles in allem lassen die Hits der Band im Unplugged-Korsett durchaus aufhorchen.

Nicht ganz so prickelnd hingegen präsentieren sich die drei neuen Tracks auf dem Album. Ähnlich leblos wie vor fünf Jahren hecheln die Cranberries ihren Glanzzeiten in den Neunzigern hinterher. Abermals will nichts hängenbleiben. Weder das melancholisch triefende Depressions-Drama "Rupture" noch O'Riordans letzter Gruß an ihren verstorbenen Vater ("Why?") hinterlassen große Spuren. Auch das folkige Lagerfeuer-Ständchen "The Glory" verkriecht sich in der Schublade mit der Aufschrift: Filler.

Mit ihrem reichhaltigen Back-Katalog wissen die Iren immer noch gut umzugehen. Sei es live auf der Bühne, oder eingehüllt in differenzierte Sounds. Mit neuem Material tun sich die Crannberries jedoch schwer.

Trackliste

  1. 1. Linger
  2. 2. The Glory
  3. 3. Dreams
  4. 4. When You're Gone
  5. 5. Zombie
  6. 6. Ridiculous Thoughts
  7. 7. Rupture
  8. 8. Ode To My Family
  9. 9. Free To Decide
  10. 10. Just My Imagination
  11. 11. Animal Instinct
  12. 12. You & Me
  13. 13. Why?

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2 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Linger ist immer noch mein Lieblingslied von den Cranberrie. Die Akkustik Version vom "neuen" Album führte wochenlange meine persönliche Playlist an. Wirklich sehr gelungen. Schade dass die neuen Sachen bei denen nicht so hinhauen.

  • Vor einem Jahr

    Bezüglich der drei neuen Songs muss ich Herrn Butterweck leider wiedersprechen: Für mich sind diese Song die Highlights des Albums - man muss sie allerdings schon 3-4 mal hören bis sie Ihren Zauber entfalten. Bezüglich der Hits: Hier würde ich sogar einige Songs wie. z.B. "When You´re Gone", den Originalversionen bevorzugen. Der Song wird hier von Dolors´ einzigartiger Stimme sogar noch eindrucksvoller vorgetragen als im Jahr 1996.

    R.I.P. Dolores