laut.de-Kritik

Fünfzig Minuten, eineinhalb Songs ...

Review von

"These are the days worth living, these are years we're given, and these are the moments, these are the times, these are the best days of our lives".

Was sich anhört wie der Text zu einem DSDS-Siegersong, schmückt in Wahrheit die lyrische Seite der ersten The Calling-Single "Our Lives". Mainstream-Gitarrenrock muss zwar nicht den Sinn des Lebens erfassen, geht er jedoch mit musikalischem Einerlei Hand in Hand, wird es spätestens nach der dritten Runde schwer erträglich. So auch "Two" des Duos Kamin und Band. Ihr erster Output "Camino Palmero" konnte seinerzeit noch mit jugendlichem Charme und einem Händchen für gelungene Melodien überraschen, was dem Zweitling jedoch über weiteste Teile vollkommen abgeht.

"Our Lives" macht schon fast Hoffnung darauf, dass hier zwei Typen die legitime Nachfolge der immer mehr schwächelnden Bon Jovis antreten könnte, aber was Power und treibende Rhythmik anbelangt, ist der Track eine einsam wehende Fahne im Wind. Lediglich "Anything" schickt sich an, aus dem immer wieder gleich klingenden MOR-Sumpf auszubrechen. Streicher und akustische Klampfen schmiegen sich an so gut wie alles, was ihnen begegnet. Diese honigsüße Instrumentierung überkleistert zusammen mit der übertrieben perfekten Produktion jede Kante. Von einem eigenständigen Klang sind Alex und Aaron damit so weit entfernt wie das Kap Der Guten Hoffnung vom Nordpol.

Den Wettbewerb, den radiotauglichsten Song zu schreiben, haben sie jedoch gewonnen. Nur handelt es sich dabei leider um die Musik, die tagein, tagaus im Formatradio hoch und runter dudelt und bei der sich der Hörer spätestens nach dem folgenden Lied nicht mehr daran erinnern kann, was denn vorher lief. Da hilft auch Alex' starke Stimme nicht weiter. Der Aufbau und die Stimmung der Songs gleichen sich derart, dass nach den knappen 50 Minuten des Albums die Frage erlaubt sei, weshalb es nur eineinhalb Songs auf die Platte geschafft haben.

Wie hieß es dort oben noch gleich? "These are the best days of our lives"? Das kann doch nur heißen, dass keine besseren mehr folgen. Schade.

Trackliste

  1. 1. One By One
  2. 2. Our Lives
  3. 3. Things Will Go My Way
  4. 4. Chasing The Sun
  5. 5. Believing
  6. 6. Anything
  7. 7. If Only
  8. 8. Somebody Out There
  9. 9. Surrender
  10. 10. Dreaming In Red
  11. 11. Your Hope

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