laut.de-Kritik

Die 13 Songs hangeln sich delaylastig von Genre zu Genre.

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Von den Straßen Melbournes ist Tash Sultanas Stimme schon seit Jahren kaum wegzudenken. Seit dem Frühjahr 2016 kennt man Tash plötzlich auf der ganzen Welt. Grund dafür ist ein Repost des von Tash im eigenen Schlafzimmer aufgenommenen "Jungle", der sich innerhalb weniger Tage wie ein Virus durch sämtliche soziale Netzwerke verbreitet.

Kein Wunder, Tash Sultanas Songs sind einnehmend, komplex, nahezu unbestimmbar in ihrem Genre und jenseits des üblichen Formats. Es folgen Festivalauftritte bei Lollapalooza, Coachella, in Montreux und viele ausverkaufte Shows auf der ganzen Welt. Noch ohne Album verkauft Tash gleich dreimal die Brixton Academy in London aus.

Tashs Musik haben wir seitdem weder auskuriert, noch totgehört. Auf ihrem Debüt "Flow State" sind nun endlich 13 Songs zu hören, alle von Tash selbst produziert, geschrieben, mit zahlreichen Instrumenten eingespielt und arrangiert.

Wer jetzt immer noch an das nächste kurzweilige Singer-Songwriter-Phänomen mit Gitarre und Loopstation denkt, irrt. Keineswegs nur eine Gitarristin mit Loopstation. Mit einer Stimme, die an Tracy Chapman und sogar Asaf Avidan erinnert, hangeln sich die Songs delaylastig von Genre zu Genre und hinterlassen eine wohlige Wärme. "Mellow Marmalade" gehört dabei noch zu den schlichten Exemplaren, in dem vor allem Tashs Stimme in ihrer kratzigen Klarheit im Vordergrund steht. "Harvest Love" hingegen kann man als eine Fortsetzung von "Jungle" oder "Mystik" sehen, mit dem sich Tash den Einstieg in die digitale Berühmtheit gesichert hat.

Die Songs auf "Flow State" sind eher überdurchschnittlich lang, teils schlicht, teils opulent arrangiert. Typische Dreieinhalb-Minüter sind eine große Herausforderung, weil in ihnen oft nicht alles gesagt werden kann, was gesagt werden muss, sagte Tash Sultana mal in einem Interview. Und etwa "Cigarettes" ist tatsächlich ein vielschichtiges, temporeiches Fünf-Minuten Stück, das lässig mit Offbeat-Essenzen beginnt und in kantige Gitarrensoli mündet.

"Seven" spielt mit verträumten Elementen, die ein wenig asiatisch anmuten sowie elektrisierenden Piano-Beats und jazzigen Schwüngen auf den Drums. Dass es sich dabei um ein reines Instrumentalstück handelt, fällt dabei gar nicht auf.

Direkt aus der Tonlage von "Seven" heraus entsteht "Salvation". Bereits veröffentlicht, schwirrt der Song seit geraumer Zeit durch diverse Radio-Feuilleton-Rotationen. "Salvation" erinnert im Timbre und der soften Rhythmik ein wenig an Morcheeba und ist nicht nur textlich gesehen der perfekte Break-Up Song, wenn er mit schönen Worten eine traurige Wahrheit beschreibt: "Why don't you come inside and pull up a chair? Turn the music up loud and sit over there [...] Why don't you invite the devil inside, To dance around my living room? Only got a table for two, I put my face inside my hands, 'Cause I fucking hate the things you do."

"Pink Moon" hingegen ist bluesig-ergreifend und lässt uns weit hinaustreiben, bevor es uns nach gut fünf Minuten packt und mitreißt. Einen Hauch jazziger und poppiger wird es in "Free Mind": "When will my mind be free from all the chains that hold me down," singt Tash Sultana mit gedämpfer Stimme. Ihre detaillierte Beschreibungen von Düften macht "Free Mind" beinahe sensorisch erlebbar: "The smell of vanilla, oh it lingers like honey coated marmalade on the tips of your fingers."

Das große Finale vor dem Outro erwartet uns mit "Blackbird". Mit einer erneut irren Mischung - diesmal aus Hardrock und Fado - denken wir kurz an die Opulenz von "Nothing Else Matters" und fragen uns noch bis an das Verhallen des letztens Tons auf "Flow State", was da eben passiert ist.

Trackliste

  1. 1. Seed
  2. 2. Big Smoke
  3. 3. Cigarettes
  4. 4. Murder To The Mind
  5. 5. Seven
  6. 6. Salvation
  7. 7. Pink Moon
  8. 8. Mellow Marmalade
  9. 9. Harvest Love
  10. 10. Mystik
  11. 11. Free Mind
  12. 12. Blackbird
  13. 13. Outro

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2 Kommentare

  • Vor 5 Monaten

    Wer eine halbwegs validierbare Beste-Songs-des-Jahres-Liste vorhat, zu erstellen, sollte sich zumindest mal "Blackbird" anhören.
    Will nicht sagen, dass er ein steingemeißelter Song des Jahres ist, dafür macht er mir zu wenig aus seinen Gesangsmomenten und wirkt etwas zu unstrukturiert auf mich. Aber was da aufgefahren wird, ist dennoch beachtlich.

    Übrigens habe ich Respekt vor der Dame, dass sie sich dagegenentschieden hat, auf ihr Debütalbum nochmal ihre bekannten Hits "Jungle" und "Notion" draufzupacken, wie es wohl jeder andere Künstler zwecks kommerziellen Kalküls getan hätte.

  • Vor 5 Monaten

    "Jungle" war ziemlich überraschend und gut dafür, dass sie einer dieser Youtube-Star-Musiker ist. Album wird zumindest mal gesampled... auf Youtube...