laut.de-Kritik

Die Hauptstadt zeigt doch noch ehrliche Gefühle.

Review von

So langsam hatte man ja die Schnauze voll von der deutschsprachigen Bandpräsenz. Jeder Depp zwischen Osten und Westen musste plötzlich in seiner Heimatsprache reimen, um einen Platz in den Charts zu erhaschen. Dabei ging einem das gesungene Wort oftmals, auf gut deutsch gesagt, am Arsch vorbei. Denn es ist nach wie vor schwierig, gefühlvolle und authentische Poesie in die eigene Sprache zu bringen.

Bei Sternbuschweg klappt das nach fast sieben Jahren Bandgeschichte immer noch wie aus der Pistole geschossen. Seit ihrer Gründung sind die Berliner ihrer Dichtung treu und verdienen somit ehrliche Aufmerksamkeit. Vor allem für ihr Debüt 2008.

"Mein Herz Schlägt Weiter Jeden Tag", darauf musste Fan genau 5 Jahre, 8 Monate, 7 Tage, 13 Stunden und 47 Minuten warten, oder so ähnlich. Bisher verkauften Sternbuschweg ihre EPs und Singles nur im Eigenvertrieb oder auf kleineren Labels. Jetzt wurde auf Tumbleweed veröffentlicht und alle elf Stücke live eingespielt, was wiederum eine gewisse Eigenart diagnostiziert und noch mehr Huldigung mit sich zieht.

Damals sangen sie zwar noch folgende Textzeilen: "Der übermäßige Konsum von Platten aus Manchester unterdrückt meine Kreativität", aber diese Übersättigung hat ihnen keineswegs geschadet. Und jetzt singen die schon wieder über die Liebe, die Missverständnisse im ewigen Kampf der Geschlechter, die kleinen und großen Katastrophen im Leben. Ja genau, denn das sind schließlich wichtige Auseinandersetzungen im Alltag, die jeder mit sich herum trägt.

Zur meist melancholischen ("Mary Alice's Rettungsplan"), aber vor allem sehr harmonischen Beziehung gesellen sich verspielte Arrangements, Vibraphon und Keyboardklänge, verstärkt durch die Gitarrengewalt von Wolfgang Müller-Molenar und Sebastian Schiller. Hier und da rocken die Gitarren, und der beschwingte Rhythmus ("Die Unmöglichkeit") von Bassist Dennis Kather und Schlagzeuger Benjamin Erbig erfreut zusätzlich das Gemüt.

Nicht zu vergessen die Leichtigkeit des Gesangs von Herrn Müller-Molenar. Den englischen Einfluss der 80er und 90er Jahre fügen sie wunderbar in ihre ausgeschmückten Songs ("Paula, Ich Liebe Dich", "Star").

"Wir haben etwas zu sagen und hören den anderen zu", so heißt es in "Solange Wir Jung Sind". Ich höre weiter gerne zu. Vor allem "Das Höchste Der Gefühle" mit Gastsängerin Susan Pawlak und der äußerst eingängigen Konfliktsituation "Meine Liebe Dauert Länger Als Der Kommunismus" haben einen Platz in der eigenen Playliste sicher.

Trackliste

  1. 1. Mein Herz Schlägt Weiter Jeden Tag
  2. 2. Paula, Ich Liebe Dich
  3. 3. Solange Wir Jung Sind
  4. 4. Das Höchste Der Gefühle
  5. 5. Es Ist Nirgendwo Wie Hier
  6. 6. Die Welt Ist Nicht Gemacht Fuer Uns
  7. 7. Ich Muss Es Beenden Bevor Es Beginnt
  8. 8. Mary Alice's Rettungsplan
  9. 9. Meine Liebe Dauert Länger Als Der Kommunismus
  10. 10. Die Unmöglichkeit
  11. 11. Star

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