laut.de-Kritik

Ozzy Osbourne meets Patty Smith.

Review von

Eines muss man Starcrawler lassen: Sie ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Blonde Haare und Kunstblut sind keine Neuerfindung, funktionieren aber immer noch. In Kombination mit dem Labelnamen (Rough Trade) und dem Produzenten (Ryan Adams) landet die CD automatisch im Laufwerk.

Musikalisch entpuppt sich die Band rasch als das, was sie ist: eine noch junge Truppe, die 2015 an der High School in Los Angeles zusammen gefunden hat. Und beeindruckend schnell internationale Bühnen bespielt, dank eigenwilliger Auftritte und ein bisschen Hilfe von oben. So befand Elton John ihre erste Single "Ants" für so gut, dass er sie in seiner Radioshow auf Beats 1 spielte. Vielleicht hatten sie ihm die coole Ausgabe aus weißem und rotem Vinyl (= Blutspritzer) zukommen lassen?

"I got ants when I don't, I got ants when I won't, I got ants on my chair, they bite like a bear", berichtet Sängerin Arrow De Wilde darin. Was existentialistisch klingt, beruht auf einer wahren Begebenheit: Die Wohnung von Gitarrist Henri Cash war zu jenem Zeitpunkt von Ameisen übersät. Einer jener topical Songs, die aus einer Laune heraus entstehen.

Das Stück ist auf dem vorliegenden Debüt interessanterweise nicht vertreten, dafür zehn andere, die in nicht mal 30 Minuten die Vorlage für weitere Auftritte bieten. Während Schlagzeug und Bass pumpen, klingt die Sängerin mit tiefer Stimme mit gelegentlichen Überschlägen eher teilnahmslos. In Erinnerung bleibt vielmehr die kreischende Gitarre mit wummernden Riffs, die an die Stooges erinnern.

Visuell ist es natürlich die großgewachsene, schlacksige De Wilde, die im Mittelpunkt steht. Ihr Vorbild, das gibt sie auch gerne zu, ist Ozzy Osbourne zu Beginn seiner Solokarriere in den 1980er Jahren. Die Zeit also, in der der geschasste Frontmann von Black Sabbath mit fieser Fratze literweise Kunstblut auf der Bühne verteilte und einer Fledermaus den Kopf abbiss.

Was Mutter De Wilde wohl von der äußerst knappen, zerrissenen Bekleidung hält, in der Arrow wie eine Zombie-Version von Patti Smith aussieht? Vermutlich findet sie es gut, hat sie sich als Profi-Fotografin doch selbst um Cover und Presse-Fotos gekümmert. So kam auch der Kontakt zu Ryan Adams zustande, der ein Freund der Familie ist. Obwohl er seine Pax Am Studios zur Verfügung stellte, klingt das Album allerdings ziemlich breiig.

Ein Debüt, das musikalisch nicht wirklich aufhorchen lässt, aber eine Band auf den Schirm bringt, bei der so ziemlich alles cool ist, inklusive des auf die Schnelle erfundenen Namens. Die Chancen für einen größeren Erfolg stehen nicht schlecht, zumal Starcrawler 2018 die Welt auch von der großen Bühne aus sehen werden: Am 22. Juni spielen sie im London Stadium im Vorprogramm eines weiteren prominenten Unterstützers - Dave Grohl und seinen Foo Fighters.

Trackliste

  1. 1. Train
  2. 2. Love's Gone Again
  3. 3. I Love LA
  4. 4. Different Angles
  5. 5. Chicken Woman
  6. 6. Pussy Tower
  7. 7. Full Of Pride
  8. 8. Let Her Be
  9. 9. Tears
  10. 10. What I Want

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