1. Dezember 2014

"Zum Friseur? Niemals!"

Interview geführt von

Es gibt viele Musiker, denen das Attribut 'Legende' zugeordnet wird. Doch nur auf wenige trifft es zu wie auf Saul Hudson. Besser bekannt als zylindertragender Gitarrengott Slash. Warum eigentlich? Technisch sind viele besser. Mehr Platten verkaufen heutzutage auch andere. Doch kaum einem merkt man die Leidenschaft für sein Instrument so deutlich an, wie dem lichtscheuen, in England geborenen Amerikaner. Slash ist kein Mann der großen Worte. Er gehört auf die Bühne wie kein Zweiter.

Dementsprechend einsilbig gibt sich Slash, nachdem er gerade von einem gut zweitstündigen Soundcheck im Münchener Zenith zurückkommt. Die Supportband Monster Truck verrät, dass das keineswegs eine Seltenheit ist. Manchmal gibts wohl auch gleich drei Stunden Aufwärmübungen. Zeit für Interviews dagegen: eine Stunde - sechs Medienvertreter à zehn Minuten. Die Prioritäten sind klar.

Und das ist auch gut so. Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Den Drogen hat Slash mittlerweile abgeschworen. Es scheint, als habe er mit seinen frei gewordenen Kapazitäten die beiden anderen Bereiche intensiviert. Schon beim Gespräch merkt man dem 49-jährigen Vollblutrocker an, dass er am liebsten gleich wieder die Gitarre in die Hand nehmen würde. Später bestätigt ein etwa 15-minütiges Solo diesen Eindruck. Er will doch nur spielen.

Umso schöner, dass sich Slash trotzdem ein wenig Zeit für uns erübrigt. In Lederhose und Ballonmütze empfängt er mich freundlich in einem schummrigen, mit schwachem, roten Licht beleuchteten Raum. Die Sonnenbrille sitzt wie immer perfekt.

Du hast gerade "World On Fire" veröffentlicht. Mit 17 Songs ist es ja ganz schön lang geworden. Hast du von Anfang an geplant, so viele Titel raufzupacken oder hat sich das einfach irgendwann ergeben?

Nein, diesmal haben wir einfach keine Songs runtergenommen. Die letzten beiden Alben hatten ursprünglich auch so viele Stücke. Das erste hatte neunzehn! Aber ich dachte: "Ich kann nicht mehr als 13 nehmen. Also haben wir aus den übrigen Bonus-Tracks gemacht und später eine Deluxe-Version releasr. Das hat mir nicht so gefallen. Als diese Platte mich mit derselben Situation konfrontierte, sagte ich deshalb: "Fuck it. Wir hauen sie alle auf das Album!

Auf "Apocalyptic Love" habt ihr keinerlei Overdubs verwendet. Bei "World On Fire" dagegen schon. Trotzdem finde ich, dass letzteres sogar noch liveorientierter klingt.

Es klingt mehr danach, wie ein Album klingen sollte, würde ich sagen. Wenn du alles live machst, ist das super. Besonders für uns, nur um zu sehen, wie gut die Band ist. Dass wir alle Parts spielen können, dass es spontan kommt. Aber damit es wirklich voll klingt, brauchst du Harmonien und Overdubs. Die Basis haben wir allerdings auch diesmal wieder live eingespielt. Also ja, die Live-Energie ist definitiv da.

Die Songs wirken generell ein bisschen 'fröhlicher', strahlen eine positivere Stimmung aus, als das zum Beispiel bei deinem ersten Soloalbum, mit Velvet Revolver oder auch bei Guns N' Roses der Fall war.

Weißt du, nachdem ich die Parts geschrieben hatte, arbeitete ich alles mit Brent und Todd live im Proberaum durch. Vielleicht lag es daran. Es war zwar keine bewusste Entscheidung, doch vielleicht lag es daran. Gut möglich, dass die Energie, die sich daraus ergab, auf andere Art und Weise auf das Album übersprang als zum Beispiel noch beim Vorgänger. Damals waren wir immer noch auf der Suche nach unserem Schreib-, Recordingrhythmus und so weiter.

Kamen auch von den anderen Songideen?

Ja! In einem Song gibt es einen Part, den Todd geschrieben hat. Und generell ist es so, dass ich zwar die Parts schreibe. Aber sie bringen dann ihre eigene Art und Weise zu spielen mit ein. Das funktioniert ziemlich gut.

Die Vocals erledigt Myles Kennedy komplett alleine oder?

Ja, genau.

"Slash feat. Myles Kennedy And The Conspirators" ist ziemlich lang. Denkst du darüber nach, zukünftig einen 'richtigen' Bandnamen zu suchen?

Nein. Natürlich könnte ich, aber es ist irgendwie zu spät, das noch zu machen. (lacht)

Seit einiger Zeit hast du deine eigene Filmproduktionsfirma Slasher Films. Ich hörte, ihr arbeitet gerade an einem Remake des Westerns "Cut Throats Nine" mit Mads Mikkelsen und Harvey Keitel.

Ja, genau. Wir fangen nächstes Jahr mit der Produktion an. Dann sollte es auch fertig werden. Bis der Film tatsächlich gedreht ist, kann man schlecht genaue Vorhersagen darüber treffen, was passieren wird. Aber momentan läuft es gut.

Demnächst soll ja auch ein Guns N' Roses-Spielfilm kommen. Basierend auf Mark Canters Biographie "Reckless Road – Guns N' Roses And The Making Of Appetite For Destruction".

Ja, das hab ich auch gehört.

Mit Marc Canter bist du ja befreundet. Bist du irgendwie in das Projekt involviert?

Nein, überhaupt nicht. Marc auch nicht wirklich. Er schrieb zwar die Vorlage, aber den Film macht jemand anderes.

"Ich spiele einfach verdammt viel"

Du bist fast 30 Jahre im Musikgeschäft dabei. Schon seit dem ersten Guns N' Roses-Album stimmst du deine Gitarren tiefer. Inzwischen ist dieses Phänomen in der Rockmusik generell ja sehr verbreitet. Welchen Stellenwert hat deiner Meinung nach Standard-Tuning heutzutage?

Naja, erst mal gibt es ja verschiedene Arten des Downtunings. Wir machen nur einen Halbtonschritt. Und auch nur wegen der Vocals. Kiss, Aerosmith, Van Halen – sie alle machten das auch. Nur wegen den Vocals. Das ist ja im Grunde auch Standard. Klar, einige Bands stimmen in Cis oder Drop D, gehen tiefer, um heavier zu klingen. Wir machen das ausschließlich wegen der Vocals.

Okay. Übst du eigentlich noch? Seien es Techniken oder was auch immer ...

Technik war noch nie meins. Ich spiele einfach nur verdammt viel.

Vor kurzem erwähntest du in einem Interview, dass du dir manchmal etwas von Myles abschaust.

Da hab' ich Spaß gemacht. (lacht) Myles weiß vieles, wovon ich keine Ahnung habe. Hin und wieder höre ich ihn etwas spielen und frage: "Was ist das?" Dann zeigt er es mir.

Also tauscht ihr zum Beispiel hin und ab und zu Licks aus?

Nein, nicht wirklich. Ich frage ihn nur gelegentlich, wenn ich ihn gerade üben höre oder so. Dann zeigt ers mir eben. Aber sonst ...

Es kursiert gerade ein Foto von dir, auf dem du das Mastodon-Halloween-Shirt trägst. Was hältst du denn von dem Video zu "The Motherload" mit all den twerkenden Mädels?

(lacht) Ich hab das verdammte Video noch nicht mal gesehen! Es soll großartig sein, jeder erzählt mir davon. Aber ich habs nicht gesehen.

Das T-Shirt richtet sich ja direkt an die Hater.

Ja, das stimmt schon. Ich mag einfach Mastodon. Ich hab einige Shirts von ihnen, deshalb trug ich dieses nur zufällig. Das Video hab ich leider nicht gesehen.

In unseren letzten beiden Interviews mit dir kam die Sprache irgendwann immer auf Stevie Wonder. Du sagtest, dass du gerne mal mit ihm einen gemeinsamen Song machen würdest. Hat sich inzwischen mehr ergeben?

Momentan ist nichts geplant. Es wäre wirklich cool, mal mit ihm zu spielen. Er ist einer dieser Künstler, mit denen ich noch nie zusammengespielt habe. Ich hab mit ihm vor langer Zeit schon einmal darüber gesprochen, aber bisher ist noch nichts passiert.

Aber du hast immer noch vor, etwas mit ihm zu machen?

Wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt, wäre ich definitv dabei!

Apropos: Gibts in Zukunft vielleicht wieder etwas in Form des "Slash"-Albums?

Nein ... Naja, doch, kann schon sein, dass ich das irgendwann noch mal mache. Aber auch da ist noch nichts geplant.

"Ich mag Spotify"

Gerade ist Spotify ja wieder ein großes Thema, nachdem Taylor Swift ihre Musik dort runter genommen hat. Wie stehst du denn dazu?

Ich mag Spotify! Meiner Meinung nach ist es eine großartige Streamingplattform für eine Menge neuer Musik. Aber ich verstehe die Kontroverse wegen der Freigabepolitik und den damit zusammenhängenden Geldern. Das ist alles ein ziemliches Durcheinander momentan. Aber Spotify an sich mag ich. Deshalb habe ich auch nicht vor, es zu verlassen.

Das Format 'Album' ist dir trotzdem noch sehr wichtig, habe ich den Eindruck, oder?

Ja, sehr sogar. Deshalb veröffentliche ich ja noch Vinyl. Es klingt einfach besser. Außerdem haben wir auf Tape aufgenommen. Das macht wenig Sinn, wenn es dann nicht auf Vinyl erscheint. (lacht) Bei uns läuft immer noch alles analog.

Irgendwie fragen ja doch alle Journalisten immer dasselbe. Dich betrifft das wahrscheinlich noch mehr als andere Künstler. Was würdest du dich denn selbst fragen?

Ich würde mich gar nichts fragen, haha.

Warum nicht?

Warum nicht? Ich mache die Interviews nur, weil ihr Fragen habt. Mir würde gar nichts einfallen. (lacht)

Dann gleich noch eine Standardfrage hinterher: Gibt es zurzeit schon Pläne für die Zukunft? Abgesehen von der gerade laufenden Tour?

Wir haben ja gerade erst damit angefangen. Das ist unsere erste Tour zum neuen Album. Wir sind auch das ganze nächste Jahr noch unterwegs, bis in den Herbst hinein. Das ist das Wichtigste. Und natürlich das Filmzeug. Das wars im Grunde schon.

Zum Abschluss noch etwas, was mich schon immer mal interessiert hat: Wie oft gehst du eigentlich zum Friseur?

Zum Friseur? Ich hasse es, zum Friseur zu gehen. Niemals! (lacht)

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Slash

Mit einer langen schwarzen Zottelmähne überm Gesicht, einer Zweiliterflasche Jack Daniel's zwischen den Beinen und einem absolut fertigen Gesichtsausdruck …

4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 5 Jahren

    irgendwie ist er ganz schön dick geworden, der versteckt das ja nur hinter seinen Haaren (seinen dicken Hals) und unter der Lederjacke den Bauch..... sollte sich mal ein Beispiel an Dero nehmen, der hat noch immer eine super Figur!

  • Vor 5 Jahren

    Das is künstlerisch auf jeden Fall das aller wichtigste: Sein Körpergewicht. Da gibt einer der bedeutendsten Gitarristen des 20. Jahrhunderts ein tolles langes Interview, und die Hippster sind mit der Betrachtung seines Körpergewichts schon an ihren intellektuellen Grenzen angekommen. Man könnte darüber herzlich weinen, aber hinter diesen Grenzen beginnt die Welt in der ich lebe. Und es ist schöner, je weniger Hippster meine Luft atmen.

    Wenn Dir Slash zu dick ist, geh doch wieder zu Miley Cyrus! Für Dich gibt's solche "Künstler", da kriegst Du alles was Dir gefällt :)

  • Vor 5 Jahren

    Slash darf dick sein! Er war in seinem Leben länger Sexsymbol als alle seine Hater zusammen. Außerdem ist er mit zuviel Essen besser dran als mit zuviel Drogen...

  • Vor 4 Jahren

    Dick?? Wo ?? Der ist nicht dick !! Solltet mal richtig hinschauen . Das er mit fast 50 nicht mehr so ein Hungerhaken ist wie früher ist doch klar !! Aber als ich ihn vor ca. 4 Wochen in Köln sah war er nicht dick !! Während der Show war ich ca. 4 Meter von ihm entfernt und danach gab es noch Fotos ect. Muskulös ja aber Fett ? Kein bißchen !!