laut.de-Kritik

Brachial, roh und anarchisch: ein akustischer Wutklumpen.

Review von

Scheiße, ich fass' es nicht. Ich musste gerade erst mal nachschauen, aber "Ein Kleines Bisschen Horrorshow" liegt tatsächlich 20 Jahre zurück! Ich glaube, ich war als Teenager auf keiner Party, auf der die Hosen-Scheibe nicht mindestens einmal von vorne bis hinten durchlief, und jetzt kommen Sepultura an und machen das Ganze nochmal von vorn? Weia ...

Zunächst: Der Ansatz ist natürlich ein vollkommen anderer. Sowohl musikalisch als auch textlich, denn Sepultura orientieren sich ausschließlich am Buch von Anthony Burgess, nicht am Film von Stanley Kubrick. Somit ist auch "A-lex" in vier Kapitel unterteilt, die passenderweise mit "A-lex I-IV" betitelt sind und kleine, akustische Zwischenspiele darstellen. Im Gegensatz zu den Hosen, die musikalisch nicht unbedingt auf die Story eingegangen sind, machen Sepultura aus der Geschichte einen akustischen Wutklumpen.

Entsprechend gibt es mit "Moloko Molesto" kurz, hart und heftig auf die Fresse. So wütend und hardcorelastig ging es bei dem Quartett zuletzt selten zur Sache. Mit fast dissonanten Chören geht es bei "Filthy Rot" weiter, welche die rohe, anarchische Einstellung bestens widerspiegeln. Der Gitarrensound ist ebenfalls äußerst roh, die Soli schräg, die Atmosphäre brachial. Bevor "What I Do" mit simplen, fast schon punkigen Riffs das erste Kapitel mit einem Schlag beendet, überrascht "We've Lost You" mit akustischen Gitarren. Zwar werden die bald härter, doch das Tempo bleibt schleppend.

Die eigentliche Behandlung, welche mit "A-lex II" eingeläutet wird, zeigt sich was Tempo und Riffs angeht ein wenig abwechslungsreicher. Manche Melodien klingen fast schon relaxt und schwebend, schließlich steht der Protagonist hier auch unter Drogen. Das relativ lange "Sadistic Values" ist aber allein von der gesanglichen Leistung von Derrick Green verdammt stark. Sowohl mit der klaren Stimme als auch mit der eher derben erinnert er dabei deutlich an den ehemaligen Drowning Pool-Fronter Jason 'Gong' Jones.

Mit "Forceful Behavior" geht es wieder wütender zur Sache. Das groovende "Control" markiert das Ende der Therapie. Dadurch wird die Gewalt zwar kurz unterbrochen, ist aber noch lange nicht am Ende. "A-lex III" deutet das bereits an. "The Experiment" und "Strike" führen es deutlich fort.

Klar muss auch die Neunte Sinfonie von Ludwig Van Beethoven herhalten, aber als Fuge geht "Ludwig Van" höchstens bei Sanierungsarbeiten durch. Wer Mekong Delta kennt, wird hier nicht mehr als müde lächeln. Nichts gegen Andreas Kisser als Gitarrist, aber das hier ist nicht sein Gebiet.

Das im Film ausgesparte finale Kapitel greifen Sepultura mit "Paradox" auf, einer richtig geilen Thrash-Nummer, wie man sie von der Band erwartet. Das mag zur Story zunächst vielleicht ein wenig konträr klingen, ist aber durchaus nachvollziehbar. "A-lex" besitzt somit durchaus seinen Reiz, der nicht zuletzt von der nach wie vor guten und aktuellen Geschichte kommt.

Allerdings möchte man von Sepultura endlich einfach mal wieder ein paar sauber ausgearbeitete Thrasher hören, die nicht zwangsläufig in irgendein Konzept passen müssen, sondern nur aufs Maul geben. An der Diskussion, ob man nach dem Abgang von Igor nicht den Bandnamen wechseln sollte, beteilige ich mich hier explizit nicht.

Trackliste

  1. 1. A-lex I
  2. 2. Moloko Mesto
  3. 3. Filthy Rot
  4. 4. We've Lost You!
  5. 5. What I Do!
  6. 6. A-lex II
  7. 7. The Treatment
  8. 8. Metamorphosis
  9. 9. Sadistic Values
  10. 10. Forceful Behavior
  11. 11. Conform
  12. 12. A-lex III
  13. 13. The Experiment
  14. 14. Strike
  15. 15. Enough Said
  16. 16. Ludwig Van
  17. 17. Alex IV
  18. 18. Paradox

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11 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Ziemlich geil, wie ich finde...

    ...einige Tracks muss man aber wirklich öfters hören, bevor sie sich im Ohr richtig entfalten :phones:

  • Vor 11 Jahren

    @hgc (« Der Bandname hängt ja wohl nicht nur an einer Person! Eine Gruppe definiert sich hauptsächlich über den Sound... und der ist mittlerweilen tatsächlich grottenschlecht »):

    Schon wahr, aber gerade die Position der Sänger/innen ist hochgradig sensibel, vor allem was den Sound angeht. Einen Austausch bemerkt man sofort.

    Und der Frontmann prägt ja in gewisser Hinsicht auch das gesamte Bild der Band.

    Gerade die Verbindung der Brüder Cavalera hat dem ganzen einen verlorengegangenen Reiz gegeben, der einfach aus Sepultura Sepultura gemacht hat.

  • Vor 10 Jahren

    sepultura ist das nicht mehr, das stimmt schon, deshalb bitte auch nicht kaufen wenn man alte sepul- sachen erwartet, aber ich find das album keinesfalles schlecht, man merkt wie viel musikalisches können dahintersteckt, und es ist immer noch heavy.
    áusserdem kommen die songs live sehr sehr gut an.

    somit muss ich sagen hätte ich auch nichts gegen eine namensänderung, aber zu behaupten dass das album grottenschlecht ist, ist auch leicht übertrieben..