laut.de-Kritik

Der Go-Betweens-Sänger wagt die Solo-Rückkehr.

Review von

"The Evangelist" ist Robert Forsters fünftes Soloalbum und doch ist diesmal alles anders. Vor zwei Jahren verstarb mit Grant McLennan urplötzlich Forsters Songwriting-Partner einer 28 Jahre währenden Karriere (brutto).

"Oceans Apart", das dritte Album nach der Wiedervereinigung der gemeinsamen Gruppe Go-Betweens im Jahr 1999, war zu diesem Zeitpunkt gerade ein Jahr alt, bescherte dem Duo eine australische Grammy-Auszeichnung und machte den Kommunikationsriesen Mobilkom auf den Song "Finding You" für einen Handy-Werbespot aufmerksam.

"Ich war nicht sicher, ob ich jemals wieder eine Platte aufnehmen würde", erklärt Go Betweens-Sänger Forster nun die Zeit nach dem Schockerlebnis. "Aber letzten Sommer lief dann alles zusammen. Es ist eine direkte Platte geworden."

Falls Forster mit diesem Adjektiv eine ungewohnt rasche Umsetzung oder Fertigstellung der Songs zu beschreiben versucht, so hört man dies dem Ergebnis nicht an. "The Evangelist" siedelt in bekanntem Melancholie-Wohlklang und schlägt sowohl die Brücke zu seinen Soloalben der 90er Jahre als auch zu den Go-Betweens.

Mit fast jedem (Moll-) Ton wird dabei Forsters erlittener Verlust greifbar. Das mit Cello und Geigen ausgestattete "Demon Days" ist an sich schon ein wehmütiger Brocken. Erfährt man dann aber, dass Grant McLennan an diesen Melodien noch mitgearbeitet hat, beginnt das Herz förmlich zu bluten.

Auch "Let Your Light In, Babe", musikalisch ein Sequel zu "Too Much Of One Thing", ist eine späte Kooperation des Go Betweens-Duos, genau wie der klassische McLennan-Upbeat "It Ain't Easy", bei dem man nach jeder Zeile dessen warmen Bariton herbei sehnt.

Doch der kommt natürlich nicht. Und irgendwie lässt diese traurige Tatsache auch den Genuss von "The Evangelist" nicht ganz unberührt. Denn obwohl Forster ein durchaus homogenes Werk geschaffen hat, verharren manche Songs doch im luftleeren Raum, vermisst man etwa bei "If It Rains" oder "A Place To Hide Away" den entscheidenden Kniff.

Gleichwohl: Alleine für "From Ghost Town", den Abschiedsgruß an den langjährigen Freund und Partner, will man Robert Forster umarmen oder wahlweise weinen. Und danach am besten gleich wieder "Oceans Apart" auflegen.

Trackliste

  1. 1. If It Rains
  2. 2. Demon Days
  3. 3. Pandanus
  4. 4. Did She Overtake You?
  5. 5. The Evangelist
  6. 6. Let Your Light In Babe
  7. 7. A Place To Hide Away
  8. 8. Don't Touch Anything
  9. 9. It Ain't Easy
  10. 10. From Ghost Town

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LAUT.DE-PORTRÄT Robert Forster

Der Name ist untrennbar verbunden mit seiner langjährigen Band The Go-Betweens. Ähnlich dem Landsmann Nick Cave siedeln auch Robert Forster und seine …

8 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    heute gekauft.

    macht beim ersten durchlauf einen guten eindruck. erinnert mich musikalishc ein wenig an destroyer, my morning jacket und noch jemanden, der mir grad nicht einfällt....

    hörprobe:

    http://stereogum.com/mp3/Robert%20Forster%…

  • Vor 11 Jahren

    wächst, wächst, wächst.......

    ignorantes pack :mad:

  • Vor 11 Jahren

    was für ein unaufdringliches (fast schon zu unaufdringliches) kleines meisterwerk.

    auch ohne grant mclennan schafft es robert forster, den warmen emotionalen charakter der go betweens alben zu bewahren.
    abgesehen von den durch herrn schuh so trefflich dargestellten momenten der verarbeitung des verlustes und vermissens seines toten freundes, hat das album jedoch weit mehr zu bieten als diese eine facette.
    "let your light in" hat diesen erfrischend optimistischen austro-country touch, der null abgeschmackt daherfiddelt und als selbstreferenzielles zitat zu "don't call me gone" (go betweens, tallullah 1987) entzückt.

    das titelstück "the evangelist" ist für mich persönlich der höhepunkt des albums, weil es ein beispiel für selten gewordene e c h t e romantik innerhalb des gegenwärtigen songwritings bedeutet.
    http://www.justsomelyrics.com/2195785/Robe…
    wie liebevoll er den hörern hier die beziehung zu seiner deutschen frau karen transportiert, ist herzerwärmend.
    seinen damaligen umzug nach bayern sowie nunmehr ihr folgen in seine australische wüste kleidet forster in lakonische und dennoch bildhafte sprache, welche zart - gleichwohl kraftvoll - von piano, akustikgitarre und violine getragen und zum ende mit weichen backing vocals als i-tüpfel garniert wird.
    "a place to hideaway" hätte auch unter den liedern auf "liberty belle" (go betweens 1986) hervorragend platz gefunden.
    "don't touch anything" geht als ode an die gefundene reife im leben durch und zitiert als gefundene antwort musikalisch augenzwinkert bowies hymne an die jugendlichkeit "all the young dudes".

    ein zeitloses album, welches auf jegliches überflüssige anbiedern an modernistische musiktendenzen verzichtet und stattdessen down to the bone große songwriterkunst zelebriert.
    robert forster ohne grant mclennan wird wohl nie mehr dasselbe sein, wie die go betweens. er läßt uns aber die berechtigte hoffnung, daß der solopfad nicht minder interessant werden wird.
    musik für eine bessere welt

  • Vor 11 Jahren

    jetzt bin ich wirklich mal gespannt, was denn wohl der androide nach mehrmaligem hören von dem album hält

  • Vor 11 Jahren

    wächst weiter.
    für mich weiterhin vergleichbar mit destroyer's "rubies".
    auch so ein album, was sich beim oberflächlichen hören dezent im hintergrund hält. ist der zugang erst geschafft, präsentiert sich ein ruhiges album voller trauer, melancholie aber auch unbeschreiblicher schönheit.
    mir fällt es immer schwer, musik in worte zu fassen. ich glaube aber, hier ein album vor mir zu haben, das mir noch über einen langen zeitraum freude macht.

    9/10

  • Vor 11 Jahren

    Ich habe es ungeduldig, nervös und zu rasch, fast überstürzt gehört und dachte: ein weiteres Robert Forster Album, aber immerhin eines von einem der Besten, von denen es keine handvoll gibt.

    Ich habe es in Ruhe gehört - und es wurde eines seiner besten. Das vielleicht beste Album eines der Besten macht nicht das beste Album der Welt, aber doch ein wunderschönes, wundervolles Album, das gefällt und rührt und mit Forsters Augenzwinkern bewegt.

    Ich habe Damon Albarn (keiner der Besten) über den Verlust der Freundin singen hören (Blurs "13") und dachte: recht traurig.
    Ich höre Forster über den Verlust des Freundes singen und könnte weinen, vor Trauer und Glück. Fast glaube ich auf einmal McLennan zu lieben, den ich gar nicht kannte und dessen Musik nur kaum.
    Aber Forsters Trauer ist auch Romantik und auch Liebe und seine Liebe ist auch Romantik und auch Trauer und "The Evangelist" ist ein zartes Meisterwerk, textlich, handwerklich, emotional. Forsters Stimme wackelt noch immer wie keine zweite und ist Beweis seiner Ironie und seiner Stärke, seiner Liebe und seines Könnens und all seiner Efahrung.