laut.de-Kritik

Er rappt noch? Ja, verdammt.

Review von

Wie jetzt? Redman rappt noch? Ja, verdammt. Und auch wenn es zwischenzeitlich gespenstisch ruhig um den Dopeman wurde und die Veröffentlichung um "Muddy Waters 2" beinahe zynische "Detox"-Züge annahm, kommt jetzt eben "Mudface". Dass der 45-Jährige nach 20 Jahren Def Jam nun Independent-Luft schnuppert und sich damit erst zurechtfinden muss, Telefongespräche selbst zu führen und den Fahrer aus eigener Tasche zu bezahlen, sei ihm verziehen.

"Redman in the building, everything smokey". Reggie Noble zieht seine Kreise auf bekanntem Terrain: Den ein oder anderen Blunt drehen, ein wenig vom weiblichen Geschlecht oder grünen Scheinen prahlen und ansonsten mal mehr und mal weniger gelungene Vergleiche ziehen: "Call me Mr. Pusherman, it's dope in your ears." Doch obwohl die Beats den Geist von vor zwei Dekaden wiederbeleben, wirken sie keineswegs angestaubt oder gar veraltet. So kann man sich Boom Bap 2015 durchaus anhören.

Etwas enttäuscht lässt mich der vielversprechende Titel "Beastin' (MCA)" zurück: Außer dem Sample von "Hold It Know Hit It" gibt es keinen Beastie-Bezug, sondern lediglich ein paar flowende Zweckreime. Das kann er besser. Dafür kann man direkt im Anschluss das Autofenster ganz weit herunterkurbeln und den Laid-Back-Kopfnickerbeat von "Gettin' Inside" durch die Hood pumpen - arg viel mehr macht Red selbst auch nicht.

Das "Muddy Island Skit" lässt den Hörer durch einen schmalen Türschlitz blinzeln: Sollte der Album-Nachfolger von "Muddy Waters" tatsächlich ein so groß und schwer stampfendes Ungeheuer werden, wie es diese Godzilla-Sounds suggerieren, hätte es das Zeug zum Klassiker. Noch aber sind wir beim bisweilen recht unterhaltsamen Vorspann.

Beispiel gefällig? "Dopeman"! Der Beat pumpt fast schon brachial um die Ecke, da macht auch der Klavierloop keinen Schulbankdrücker mehr draus. MC und Beat liefern sich ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen, beide auf demselben Level. So macht Hip Hop Laune.

Den guten Gesamteindruck trübt lediglich die Tatsache, dass Redman nicht sehr viel zu erzählen hat. Das schmälert den Hörgenuss zwar nicht dramatisch, fällt aber nach einigen Durchläufen auf. Wirklich übelnehmen kann man ihm das nicht, handelt es sich bei "Mudface" doch mehr um eine spaßige Angelegenheit, die uns das Warten bis "Muddy Waters 2" verkürzen soll. Denn schließlich hat er "flows more looser than your spare change / Look dummy, we ain't never in the same lane / Either go hard or go home!".

Trackliste

  1. 1. Dr. Trevis (Intro) f. Josh Gannet
  2. 2. Wus Really Hood
  3. 3. Beastin' (MCA)
  4. 4. Gettin' Inside
  5. 5. Muddy Island (Skit)
  6. 6. Nigga Like Me
  7. 7. Dopeman f. StressMatic
  8. 8. Let It Got
  9. 9. Bars
  10. 10. High 2 Come Down
  11. 11. Won't Be Fiendin' (The Dez Remix)
  12. 12. Undeniable f. Runt Dog & Ready Roc
  13. 13. Go Hard

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1 Kommentar

  • Vor 2 Jahren

    album krankt am gleichen kram wie auch die releases des method man...gute mcs, die aber null feeling für den soundteppich haben...sorry, aber für so ein album gebe ich kein geld aus. konzert hingegen geht immer