laut.de-Kritik

Die Erwartungen an ein Werk mit diesem Namen sind astronomisch.

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Wieso legt sich eine Band bewusst die Bürde auf, sich mit ihrem definitiv stärksten Album selbst messen zu müssen? Das ging bei Helloween schon in die Hose und auch Queensryche tun sich sicherlich keinen Gefallen, ihr neues Album "Operation: Mindcrime II" zu taufen.

Die Erwartungen an ein Werk mit diesem Namen sind astronomisch, ob jetzt zu Recht, oder zu Unrecht, sei dahin gestellt. Geoff Tate hat im Interview schon ausgesagt, dass die Geschichte um Nikki, Sister Mary und Dr. X für ihn schon immer auf einen zweiten Teil angelegt war, und dass die politische Situation diesen inzwischen rechtfertigt. Das gilt mit Sicherheit auch für die finanzielle Situation, aber wir wollen nicht nur Kalkül unterstellen.

Immerhin handelt es sich bei "O:M II" um ein durchaus gutes Album. Umso tragischer, dass schon bei der Einleitung "Freiheit Ouvertüre" auffällt, wie dünn der Sound ist. Was könnte "I'm American" für ein Knallersong sein, wenn die Bässe richtig drücken würden, wenn die Gitarren ein paar Mitten bekommen hätten? Mit Sicherheit ist das einer der härtesten Songs, den die Band in den letzten paar Jahren geschrieben hat, der aber wegen des Sounds leider etwas schwach auf der Brust wirkt.

Dafür geizen sie wenigstens nicht mit tollen Melodien, wovon "One Foot In Hell" und das folgende, relativ ruhige "Hostage" zeugen. Auch wenn die Gesangsmelodien von Geoff Tate wirklich außergewöhnlich sind und die Melodieführung der Gitarren mitunter fast schon einschmeichelnd wirken, der fehlende Input von Chris DeGarmo lässt sich nicht leugnen. So fehlt Nummern wie der zweiten Single "The Hands" oder "Speed Of Light" trotz aller guten Ansätze der letzte Schuss der die Songs großartig macht.

Verlange ich da nicht ein wenig viel? Vielleicht, aber niemand hat die Jungs aus Seattle gezwungen, das Album "Operation: Mindcrime II" zu nennen. Alles unter genial oder großartig ist da nur halbherzig. "Signs Say Go" ist wieder eine richtig gute Gitarrennummer, während "Re-Arrange You" zunächst mehr Wert auf Streicher legt. Die orchestralen Elemente arbeiten auf den dramaturgischen Höhepunkt hin, wenn Nikki in "The Chase" auf Dr. X trifft.

Es dürfte sich inzwischen herum gesprochen haben, dass Ronnie James Dio die Rolle des Dr. X übernommen hat. Da der Mann wohl nicht anders kann, als gute Arbeit abzuliefern, steht der Song auch außerhalb jeglicher Kritik. Allerdings ist das folgende "Murderer?" verdammt sperrig und versinnbildlicht Nikkis Verwirrung wirklich gut. "Circles" setzt das in Form von Lautmalerei noch fort, ehe mit dem grandiosen "If I Could Change It All" die Melancholie einsetzt und der Protagonist alles und vor allem sich selbst in Frage stellt.

Chöre leiten in "An Intentional Confrontation" über, das hauptsächlich von Pamela Moore gesungen wird und den Hauptcharakter kurz vor dem Selbstmord zeigt. "A Junkie's Blues" weist einige Reminiszenzen an den ersten Teil der Saga auf, ist musikalisch gleichzeitig aber auch ein wenig belanglos. Dafür ziehen sie mit "Fear City Slide" die Zügel nochmals an, um auf das ruhige "All The Promises" vorzubereiten, dass den Abschluss der Geschichte markiert.

Queensryche machen es einem verdammt schwer. "Operation: Mindcrime II" ist mit Sicherheit das beste Album, das die Band in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Das absolute Gänsehaut-Feeling, das der erste Teil bis zur letzten Sekunde erzeugen konnte, kommt hier leider zu selten zum Tragen. Wenn man den direkten Vergleich mit dem Vorgänger aber außer acht lassen kann, ist das durchaus eine gute Scheibe.

Trackliste

  1. 1. Freiheit Ouvertüre
  2. 2. Convict
  3. 3. I'm American
  4. 4. One Foot In Hell
  5. 5. Hostage
  6. 6. The Hands
  7. 7. Speed Of Light
  8. 8. Signs Say Go
  9. 9. Re-Arrange You
  10. 10. The Chase
  11. 11. Murderer?
  12. 12. Circles
  13. 13. If I Could Change It All
  14. 14. An Intentional Confrontation
  15. 15. A Junkie's Blues
  16. 16. Fear City Slide
  17. 17. All The Promises

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