laut.de-Kritik

Malen nach Zahlen im EDM-Pop.

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Wer "Hypnotized" nicht kennt, hatte im Sommer 2020 wohl keinen Zugang zu den Quellen von tanzbarer Popmusik oder hat einen Schönheitsschlaf gehalten. Der Song ging rasend schnell durch die Decke und war wohl der Soundtrack des Sommers vieler Tik Tok-begeisterter Teenies.

Nun erscheint der Hit auf dem zweiten Studioalbum des Dresdener DJs Purple Disco Machine. Mit "Exotica" veröffentlicht er eine Hommage an die Discomusik und einige ihrer bekanntesten Vertreter*innen der 70er und 80er Jahre.

Treffender als mit "Can't Get Enough" könnte das Album nicht eröffnet werden. Der sich langsam aufbauende, robotisch-sphärische Sound klingt wie eine Ankündigung für das, was die Hörer*innen im Laufe der 14 Tracks erwartet: Eine Kombination aus bekannten Sounds der Vergangenheit und einer ordentlichen Portion der Gewürzmischung für Stanni-Tanzbarkeit. Die Vocals der Sängerin Sahara Beck verleihen dem Opener einen souligen Touch.

"At The Disko" macht seinem Namen alle Ehre und funktioniert mit Lorenz Rhodes' Gesang als typisch poppiger Club-Hit mit French-House-Einflüssen, der auch auf einer Fitness-VCR die Tanzkünste einer Girlgroup in spaciger Gymnastikkleidung untermalen könnte. Der Einsatz des Vocoders und der Kazoo-artige Synthie in der Bridge erinnern zusammen mit dem treibenden Beat stark an Daft Punk.

"Fireworks" versetzt die Hörer*innen in ein Szenario zwischen Yoshi-Nintendo-Mini-Game-Modus und KIKA-Tanzalarm. Piontek zu glauben, dass er daran wohl sechs Jahre lang gearbeitet habe, fällt schwer. Nicht nur die radiotaugliche Singleauskopplung strotzt vor Eingängigkeit. Auch "Don't Stop" als grooviger, klassischer Disco-Hit mit reichlich Percussion, monotonem Beat und "Don't Cha"-Geflüster (Pussycat Dolls) und "Dopamine" mit leicht deplatziert wirkendem "Whoop-Whoop"-Chor reihen sich ein.

Highlight des Albums ist das Feature mit dem DJ und Produzenten Elderbrook, dessen Vocals sich geschmeidig einfügen. Der knapp siebenminütige Song "I Remember" erinnert an Claptones' "No Eyes" in noch mehr Lo-Fi. Melancholisch drückende Akkorde und gespannte Synthie-Arpeggios erzeugen eine sphärisch-schwebende Atmosphäre, die organische Drumfills (gespielt von Derrick McKenzie, Drummer von Jamiroquai) und Vocoder-Einsätze im Chorus gekonnt aufbrechen. Der Titel ist auch das Motto: "I Remember" fühlt sich an wie eine nächtliche Autofahrt im Winter, bei der man die Gedanken kreisen lassen und in Erinnerungen schwelgen kann.

Der Name des titelgebenden Italo-Disco-Tracks ist weise gewählt. Er klingt wie die Rückkehr einer Gruppe von Aliens, die zu Besuch auf der Erde waren und nun gut gelaunt und um einige Erfahrungen reicher auf ihren Heimatplaneten "Exotica" zurückkehren. Der flächige Orgelsound und der wechselhafte Rhythmus sorgen für Nostalgie- und Rückblick-Momente und bereiten irgendwie auf das Ende vor, das repräsentativ der vor Afterhour-Vibes sprudelnde Babymaker "Wanna Feel Like A Lover" bildet.

Wäre Piontek Koch und Claps wären Salz, dann wäre der DJ unsterblich verliebt. "Exotica enthält einige Tracks mit Hit-Potential, aber auch viele altbekannte Elemente, die zeitweise langweilig oder wie gewollt aber nicht gekonnt wirken ("Money, Money oder "Hands To The Sky"). Oder aber abgeschaut, wie zum Beispiel "Don't Stop", das zwischendurch wie der Remix eines Tom Misch-Songs klingt. Trotz groovigen Basslines und Drums könnten die Songs mehr slappen.

Purple Disco Machine betreibt mit "Exotica" eine Art Malen nach Zahlen im EDM-Pop. Ein bisschen Prince, ein bisschen Hot Chocolate, ein bisschen Daft Punk und ein bisschen eigener Hirnschmalz, der das alles innovativ klingen lassen soll - und schnips: Fertig ist ein absolut Abiball-taugliches Album. Gute Laune und Party-Vibes sind garantiert, mehr aber auch nicht.

Trackliste

  1. 1. Can't Get Enough (feat. Sahara Beck)
  2. 2. At The Disko (feat. Lorenz Rhode)
  3. 3. Fireworks (feat. Moss Kena & The Knocks)
  4. 4. Don't Stop
  5. 5. Dopamine (feat. Eyelar)
  6. 6. I Remember (feat. Elderbrook)
  7. 7. Opposite Of Crazy (feat. Bloom Twins)
  8. 8. Hypnotized (feat. Sophie And The Giants)
  9. 9. Loneliness (feat. Francesca Lombardo)
  10. 10. Hands To The Sky (feat. Fiorious & House Gospel Choir)
  11. 11. Money Money (feat. Pink Flamingo Rhythm Revue)
  12. 12. Playbox
  13. 13. Exotica (feat. Mind Enterprises)
  14. 14. Wanna Feel Like A Lover (feat. Ed Max)

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