laut.de-Kritik

Vielseitiges Retro Rock-Revival.

Review von

Pristine halten die Flagge des Retro-Rock in den Vintage Wind und positionieren sich zwischen Riff-zugewandten Vertreterinnen wie Gaupa und Melodie-verliebten Gruppen wie Blues Pills, man höre nur knackig-kantige Stücke wie "Ghost With A Gun" und "The Devil You Know". Der Titelsong mit seinem stoischen Drumbeat und den Akkord-Progressionen über ostinatem Bass erinnert deutlich an die Reise eines Bleizeppelins nach "Kashmir".

Das zweigeteilte "Loniest Fortune" ist neben "Carneval" das zweite Exponat des episch ausschweifenden Tracks. Hier dominieren in der ersten Hälfte die psychedelischen Elemente, die Doors in die frühen Siebziger stehen sperrangelweit offen. Zur zweiten Songhälfte dreht das Quartett an der Härteschraube und legt in Form eines Jams seine Live-Qualitäten offen.

Durch den Einsatz der Flöte schimmern alte Helden wie Jethro Tull und neue Fackelträger wie die Dresdener Wucan durch. Tief in die Sixties geht es mit "Stepping In To The Breach", das wie ein rotziger Stiefbruder des The Mamas & The Papas-Klassikers "California Dreamin'" klingt.

"Carneval" ist ein wundervoll eigenständiges Stück, das als Ballade getragen von Synths, Soundscapes und Streichern beginnt und einem emphatischen Ende zusteuert. Um es schmackhaft zu machen, könnte man es auch als "Hey Jude" in Multi Kulti-Machart bezeichnen. Gerade im großen Finale kommen die 24 Musiker der Arktisk Filharmoni besonders zur Geltung.

Die zehn Songs sind mit je eigener Klang-Charakteristik gestaltet, was sie von den Vorgängern "Road Back To Ruin" und "Ninja" abhebt. Das liegt am neuen Produzenten. Ariel Joshua Sivertsen produzierte jeden Song für sich, während Pristine ihn im Studio spielten – fast wie der Mann am Mischpult bei den Konzerten.

Die Nummern kommen dadurch nicht nur deutlich intensiver rüber, sondern haben auch alle ihre eigene Identität. Jedes Stück verfügt über einen leicht anderen Sound sowie einen anderen Vibe. Das gibt dem Longplayer einen Anstrich von Unberechenbarkeit.

Wie um diese These zu stützen, platzieren die Norweger neben das ausufernde und bewusst organisch gehaltene "Carneval" die von minimalistischen Beats angetriebene und mit elektronischen Einsprengseln versehene humoristische Episode "Sad Sack In A Cadillac". 

Für die Einheit sorgt die Band selbst, allen voran Frontfrau Heidi Solheim mit ihrem ausdrucksstarken Gesang. Sie sammelt ihre Ideen in einer Waldhütte, in der sie fern ab jeglichen Gewimmels in freiwilliger Selbstisolation den Grundstock für die Stücke legt.

"The Lines We Cross" ist ein schöner Titel mit Bezug zur Kraft menschlicher Exploration wie auch der Hybris, die diese Spezies entwickelt hat. Jüngst wurde die Weltuntergangsuhr auf 90 Sekunden vor 12 umgestellt und überholte somit Iron Maidens Ankündigung es sei "2 Minutes To Midnight". Pristine bitten zum Tanz und versüßen mit ihrem vielseitigen Retro Rock-Revival das Heute in der Hoffnung auf ein schönes Morgen.

Trackliste

  1. 1. Action, Deeds & Suffering
  2. 2. Ghost With A Gun
  3. 3. Loniest Fortune
  4. 4. Stepping In To The Breach
  5. 5. Valencia
  6. 6. Carneval
  7. 7. Sad Sack In A Cadillac
  8. 8. The Devil We Know
  9. 9. The Lines We Cross
  10. 10. Instant Conclusion Decade

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