laut.de-Kritik

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint ...

Review von

Irgendwie sind Phillie MC und sein Label Def Jam Germany die Sache falsch angegangen. Ich meine, ein antifaschistischer Track wie "Unkraut" ist ja schön und gut, doch hätte man nicht besser einen repräsentativeren Song als erste Single auskoppeln können? Wie kann er bei einem so spezifischen Thema seine Skills vernünftig präsentieren? Immerhin kannte den guten Phillie vorher so gut wie keine Sau, d.h. in der Hip Hop-Szene war er ein unbeschriebenes Blatt. Da braucht sich der Bär (CEO Def Jam Germany) auch nicht wundern, wenn es sogar Kritik aus den eigenen Reihen hagelt (z.B. von den Spezialistz, auch auf Def Jam). Und wenn man dann den Phillie MC gerade damit promotet, dass er nicht aus der Szene komme, ist das Eigentor bereits geschossen. Denn eins ist nach seinem Debut "Schöne neue Welt" klar, Phillie MC braucht und benutzt Hip Hop wie jeder andere auch. Eine etwaige Ausnahmestellung kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Dafür sind die Zutaten einfach nicht originell genug.

Wie forderte der Rza auf der zweiten Disc der Wutang-Forever noch, "Don’t Bite My Shit. Couple Your Own Heart with This Shit." Es muss zwar nicht der Rza herhalten, aber ein gewisser DJ Premier wird hier kopiert bis zum Geht-Nicht-Mehr. Die Tracks sind immer gleich konzipiert, Streicher-Klavierloops und Cuts im Refrain. Bei den Bass-und Snaredrums nimmt die Abguckerei erst recht dreiste Formen an. Ich habe auch schon an Beats gearbeitet und kann verstehen, wenn man von seinen Lieblingen beeinflusst ist, aber Primo-Biten ohne Gnade kann es nicht sein. Vielleicht bin ich auch etwas zu streng, denn Phillies kehliger Flow ist mir oft zu anstrengend und die Lyriks zu plakativ. Zudem nerven die vielen Rapklischees einfach.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Beats der beiden Instrumentals "Vierundzwanzigsieben" und "Heaven Is A Blunt" weisen genau den nötigen Kick Eigenständigkeit auf, dass man sie frei von lästigen Assoziationen genießen kann. Und auch Phillie kann überzeugen. Auf "1. Blick" versucht er mal nicht wie eine gequälte Mischung aus Xzibit, DMX und Ferris MC zu klingen. Prima!

Trackliste

  1. 1. Die Pforte
  2. 2. 1. Blick
  3. 3. Non Serviam
  4. 4. Vierundzwanzigsieben
  5. 5. Schlechter Geschmack
  6. 6. Der Mob
  7. 7. Verrecke
  8. 8. Fernsehphantasie
  9. 9. Mindfuck
  10. 10. Heaven Is A Blunt
  11. 11. Treibstoff
  12. 12. Unkraut
  13. 13. Musik zählt
  14. 14. Im Fadenkreuz
  15. 15. Weltschmerz
  16. 16. Kriegsrat

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