laut.de-Kritik

Retrospektive der Songwriterin aus San Francisco.

Review von

Bekannt ist sie vor allem in Deutschland, der Mittelpunkt ihres Schaffens liegt aber in San Francisco. Nicht nur in dieser Hinsicht teilt sich Penelope Houston zwischen verschiedenen Orten auf: Auch musikalisch pendelt die Singer/Songwriterin mühelos zwischen verschiedenen Genres.

"Eighteen Stories Down" ist eine chronologisch aufgereihte Retrospektive ihrer nunmehr 25-jährigen Karriere. Wer ihre letzten Alben kennt, wird sich beim Opener "Corpus Christi" erstaunt die Ohren reiben, denn das Stück stammt aus den Zeiten ihrer Punkband The Avengers Ende der 70er Jahre. Auch wenn es sich hier um eine Neuaufnahme von 1999 handelt, klingt das Lied verzerrt und wütend - mit Green Day-Frontmann Billy Joe Armstrong an der Gitarre.

Schon bei "Voices" geht es jedoch wesentlich ruhiger zu. "Kinder kommen und gehen. Erwachsene werden alt und sterben", erklärte sie 1988 das funktionieren der Welt mit ruhiger Stimme und Arrangements, die an 10.000 Maniacs erinnern. Die kreativste Phase ihrer Karriere hatte sie aber in den 90er Jahren, weshalb die Lieder drei bis vierzehn aus dem Zeitraum 93-98 stammen. Begleitet von akustischer Instrumentierung, bewegen sich ihre Texte zwischen poetischen Bestandsaufnahmen ("On Borrowed Time", "Qualities Of Mercy", "White Out") und sarkastischen Kommentaren. "Wenn das eine Männerwelt ist, bin ich froh, eine Frau zu sein, "erklärt sie in "Glad I'm A Girl" und könnte sich somit als Texterin bei der Zeitschrift Emma bewerben.

Von einem anderen Winkel gibt sich Houston auf ihrem 98er und vorerst letzten Studioalbum "Tongue". Beunruhigend die von Streichern begleitete "Ballad Of Happy Friday And Tiger Woods", das Kopfgespinst eines Mädchen, das von der großen Liebe mit dem Golfer "mit dem perfekten Körper" fantasiert und dabei sich selbst und ihren eigenen Körper aufgibt. Wütend das elektronisch klingende "Scum", eine Abrechnung mit der Musikindustrie. Erotisch anmutend dagegen "Tongue", das sich in einem Nachtklub abspielt. "I'm smiling, thinking of your tongue. I'd really like to suck it" singt Houston 40jährig bei nahezu tanzbarer Begleitung.

Es ist jedoch nicht nur schon bekanntes Material, das den Erwerb dieses Albums nahelegt. Nachdem sie mehrere Jahre mehr oder weniger verschwunden war, nahm Houston vier neue Lieder auf. Nach den Experimenten auf ihrem letzten Album präsentiert sie sich wieder vorwiegend akustisch. Überzeugend vor allem das countyeske, von Sucht handelnde "Hole" und das John Cale-Cover "Buffalo Ballet".

"Jetzt fliege ich weg von dir, meine Rakete nimmt Kurs auf den Mond", heißt es in "Flight 609". Hoffentlich handelt es sich nur um eine Textpassage und nicht um eine Drohung. Denn trotz ihrer 25-jähriger Karriere scheint Penelope Houston noch Einiges auf Lager zu haben.

Trackliste

  1. 1. Corpus Christi
  2. 2. Voices
  3. 3. On Borrowed Time
  4. 4. Qualities Of Mercy
  5. 5. Water Wheel
  6. 6. Ride
  7. 7. Glad I'm A Girl
  8. 8. Sweetheart
  9. 9. White Out
  10. 10. Blackeyed Peas
  11. 11. The Ballad Of Happy Friday & Tiger Woods
  12. 12. Scum
  13. 13. Tongue
  14. 14. Worm
  15. 15. Flight 609
  16. 16. Hole
  17. 17. Soul Redeemer
  18. 18. Buffalo Ballet

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