laut.de-Kritik

Paul Simon meldet sich mit einer überragenden Platte zurück.

Review von

Sitzend, bekleidet mit einer alten Jeans, einem weiten weißen Hemd und einer roten Baseballkappe, blickt ein älterer, aber jugendlich aussehender Mann ernst, fast schüchtern ins Objektiv. Er lehnt mit dem Rücken an einer Bretterwand, die sich in einem Keller zu befinden scheint; amerikanisch sieht er aus, wie ein Arbeiter, der sich nach Feierabend ausruht.

Paul Simon präsentiert sich bescheiden auf dem Cover zu seiner neuesten CD: "Ich bin noch am Leben!" möchte er offensichtlich mitteilen, trotz des Flops seines Musicals "The Capeman", das nach einem Bruchteil der geplanten Laufzeit (zwei Jahre) wegen mangelndem Erfolg eingestellt werden musste.

Der New Yorker Musiker ist solche kommerziellen Schicksalsschläge allerdings gewohnt und hat es bis jetzt jedesmal geschafft, sich mit einem überragenden Erfolg zurück zu melden. Dieser Druck hat wohl bei der Entstehung des Werkes eine wichtige Rolle gespielt, und so kann man es als Versuch werten, das Publikum zurück zu erobern ohne die eigenen Erkenntnisse, musikalisch wie textlich, zu verneinen.

Zweifellos ist Paul Simon erneut ein Meisterwerk gelungen. Die Zeit der Experimente ist nun vorbei; musikalisch gründet die Platte auf die drei vorhergehenden Veröffentlichungen, "Graceland" (1986), "The Rhythm Of The Saints" (1990) und "The Capeman" (1997). Schon bekannte Elemente werden vereint und neu arrangiert, diesmal stehen Stimme und Gitarre im Vordergrund, während Trommeln, Bongos und verschiedene exotische Instrumente für einen wohlklingenden, melancholischen Hintergrund sorgen.

Auf dieser Basis können sich die Texte der Lieder richtig entfalten. "Somewhere in a burst of glory/Sounds becomes a song/I'm bound to tell a story/That's where I belong", heißt es am Anfang des ersten Liedes, mit dem Simon seine ZuhörerInnen auf eine Reise einladen will. Auch das ist nichts Neues, schließlich ist das Thema des Reisens zentral in seinem Solowerk. Mit seinen 59 Jahren hat er nun allerdings den Punkt erreicht, in dem man (Zwischen)Bilanzen zieht, und so ist "She's The One" die bisher persönlichste Platte des scheuen Musikers geworden.

Neben "Darling Lorraine," der sensiblen Erzählung eines Ehelebens mit seinen Höhen und Tiefen, finden sich Parabeln ("The Teacher", "Pigs, Sheep And Wolves") und Erkenntnisse über Leben und Gesellschaft ("Old," "Look At That," "Senorita With A Necklace Of Tears"). Lieder, die mal melancholisch, mal sarkastisch, mal fröhlich sind. Der autobiographische Aspekt ist immer präsent, so in "That's Where I Belong" und "You're The One". Den absoluten Höhepunkt bildet "Love," weniger wegen des Textes, sondern wegen der herrlichen und Gänsehaut erzeugenden Dissonanz zwischen der Stimme Simons und der instrumentalen Begleitung.

Das esoterische getragene "Quit" schließt mit "I'm heading for a place of quiet/were the sage is green and sweetgrass grow", die Platte ab. Take me down to the Paradise City, where the grass is green and the girls are pretty, take me home. Nach vierzig Jahren ist die Reise um des Reisens Willen wohl beendet: Auf "You're The One" strahlt Paul Simon eine Ruhe aus, die man bisher von ihm nicht kannte.

Trackliste

  1. 1. That's Where I Belong
  2. 2. Darling Lorraine
  3. 3. Old
  4. 4. You're The One
  5. 5. The Teacher
  6. 6. Look At That
  7. 7. Senorita With A Necklace Of Tears
  8. 8. Love
  9. 9. Pigs, Sheep and Wolves
  10. 10. Hurricane Eye
  11. 11. Quiet

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