laut.de-Kritik

Kurzweiliges Sommerwiesenalbum mit Straßenmusikflair.

Review von

Mike Rosenberg a.k.a. Passenger war für mich bisher immer kitschiger, langweiliger, wenn auch etwas überdurchschnittlicher Singer/Songwriter-Pop. Radiotauglich und ein bisschen kitschig ist die Musik auf "Whispers" immer noch, doch in dezent zurückhaltendem Maße. Mike Rosenberg behält seinen Stil zwar bei, verfeinert ihn jedoch in allen Belangen, punktet mit durchdachten Arrangements und sensibler Dynamik.

Die Gitarre spielt im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen eine eher untergeordnete Rolle auf "Whispers". Sie ist allgegenwärtig, verharrt aber meist im Hintergrund und schafft den Nährboden für melodieführende Streicher. Dafür rücken die Percussions stärker in den Fokus. Schon den ersten Song "Coins In A Fountain" dominieren die Rhythmuspattern der leichtes Tribalfeeling versprühenden Handtrommeln.

Nach entspanntem Einstieg geht es in "27" etwas flotter voran. Handclaps schleichen sich in das Lied ein, ganz ohne zu nerven. Inmitten des fröhlichen Folktanzes bricht der Musiker abrupt ab und überlässt das Feld einer zarten Auenlandfidel, bevor er mit einem Sologesangspart den Song wiederaufnimmt. Schon jetzt merkt man: Passenger geht den Weg vom Vorgänger "All The Little Lights" konsequent weiter, ist jedoch nicht mehr so vorhersehbar, arbeitet geschickter mit Lautstärken und Betonungen, setzt Instrumente überlegter ein und ist, wenn man so will, "progressiver" geworden.

"Whispers" bietet eine gute Mischung zwischen unbeschwerten Up-Tempo-Stücken und sanften Balladen, die sich häufig durch reduzierte Instrumentierung auszeichnen und in ihrem Verlauf gerne arrangementtechnisch aufbauen und steigern: Die Gitarre stellt die Basis, Rosenbergs markante Stimme schmiegt sich an den Track mit einem untrüglichen Gespür für Gesangsmelodien. Nach und nach setzen Drums, Streicher, Bläser ein, bauschen sich zum Höhepunkt auf und ziehen sich langsam wieder zurück. Häufig dient der Gesang dabei als Brückenglied zwischen den einzelnen Songteilen.

Dabei singt Passenger über sich selbst und seine Musik, Gefühle und gesellschaftliche Themen und verknüpft diese Bereiche in einem eigenen Textstil. Sowohl die Lyrics wie auch die Musik selbst atmen trotz der gestiegenen Popularität ihres Schöpfers noch immer ein gewisses Straßenmusikerflair.

Dieses verkörpert auch das abschließende "Scare Away The Dark". Ein kleines, feines aber auch irgendwie großes Stück, das problemlos zum Sommerhit des Jahres avancieren könnte. Zuvor erkundet Rosenberg noch Countrygefilde ("Bullets") und mixt in "Golden Leaves" "Stairway To Heaven" mit Reinhard Mey.

Mit "Whispers" findet Passenger genau die richtige Balance zwischen Melancholie und Optimismus und dürfte sowohl alte Anhänger als auch eher radiophobe Hörer anziehen. Anders als bei "All The Little Lights" wünscht man sich nicht bereits ab der Hälfte der Platte den längst überfälligen Schlussakkord herbei, weil nichts aufregend Neues mehr passiert. "Whispers" bleibt kurzweilig, spannend und hörenswert bis zum Ende.

Trackliste

  1. 1. Coins In A Fountain
  2. 2. 27
  3. 3. Heart's On Fire
  4. 4. Bullets
  5. 5. Golden Leaves
  6. 6. Thunder
  7. 7. Rolling Stone
  8. 8. Start A Fire
  9. 9. Whispers
  10. 10. Riding To New York
  11. 11. Scare Away The Dark

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