laut.de-Kritik

Im Spagat zwischen gutem Songwriting und Gefälligkeit.

Review von

Es gibt Künstler, die personifizieren das Wort Everybody's Darling. Norah Jones gehört zu dieser Spezies. Das war auch bei ihrem jüngsten Auftritt in Baden Baden offensichtlich, als eine allzu devote Berichterstattung seitens mancher Medien die Materialisierung keiner Geringeren als der fleischgewordenen Musikgöttin schlechthin verkündete. Was letztendlich zu einer Überhöhung führt, der ihre Musik kaum gerecht werden kann.

Mit "Not Too Late" legt sie ihren dritten Streich vor. Jetzt könnten wir die Rezension tatsächlich an dieser Stelle beenden, denn viel hat sich im Jones-Universum nicht getan. Absolut jeden einzelnen der hier versammelten Tracks könnte man problemlos auf ihre beiden Vorgänger-Alben schmuggeln. Auffallen würden sie nicht, auch wenn Norah ihren Songs in homöopathischen Dosen zu einer Frischzellenkur verhilft. Nachdem sie auf dem Vorgänger "The Long Way Home" von Tom Waits coverte, geht sie heuer einen Schritt weiter und adaptiert dessen Rumpel-Rhythmen und dissonante Querverweise für sich. Das Ergebnis "Sinkin' Soon" spielt charmant mit einer entschärften Version des großen Nonkonformisten und steigert sich zu einem der Höhepunkte des Albums.

Dennoch bleibt Jones ihrem eigenen Kosmos zu eng verhaftet, um aus den Grenzen, die sie sich setzt, ausbrechen zu können oder zu wollen. Das klingt angenehm, unaufdringlich, aber zuweilen eben auch etwas unspannend. Man muss ihr jedoch zugute halten, dass sie nach wie schlüssiges Songmaterial vertont, das man ohne wenn und aber mit der entsprechenden Kurzweil genießen kann. Auf letzterem liegt indes der Fokus. Bei allem Wohlwollen, das man der Künstlerin entgegenbringt und das sie auch verdient, schlaucht der Schmuseklang Jones' auf die Dauer. Dies war auch bei erwähntem Baden Baden-Gig der Fall, als sich der eine oder andere schon fast in Morpheus' Armen wähnte, obwohl andererseits nicht wenige Fans von der kurzen Dauer des Konzertes von nur einer Stunde (Zugaben eingeschlossen) enttäuscht waren.

Nichtsdestotrotz schreibt Jones auch Anno 2007 schöne Songs. "Not My Friend" - live mit etwas deutlicherer Betonung auf schrägen Klangeffekten - brilliert dank einer ausgewogenen Mischung von reduzierter Instrumentierung und hübscher melodischer Farbgebung. Eine Rückwärtsbesinnung auf frühere Tage zelebriert sie mit dem - man muss es leider sagen - altbackenen, vor sich plätschernden Song "Thinking About You". An dieser Stelle tröpfelt wieder der von ihr mittlerweile mehr und mehr vernachlässigte jazzige Einschlag durch.

Denn: Die songschreiberischen Einflüsse von Folk und Country dominieren zunehmend das akustische Erscheinungsbild von Norah Jones. Was der Massenkompatibilität ihrer Lieder aber überhaupt keinen Abbruch tut. Da sind wir dann wieder beim Eingangs erwähnten Massenphänomen: Norah Jones fügt ein weiteren Baustein ein auf dem Weg zum allseits bejubelten Superstar: Den Spagat zwischen gutem Songwriting und Gefälligkeit bewältigt sie mittlerweile scheinbar mit links. Etwas zu routiniert für meinen Geschmack.

Trackliste

  1. 1. Wish I Could
  2. 2. Sinkin' Soon
  3. 3. The Sun Doesn't Like You
  4. 4. Until The End
  5. 5. Not My Friend
  6. 6. Thinking About You
  7. 7. Broken
  8. 8. My Dear Country
  9. 9. Wake Me Up
  10. 10. Be My Somebody
  11. 11. Little Room
  12. 12. Rosie's Lullaby
  13. 13. Not Too Late

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