Der Rapper stellt, glaubt er, kritische, unabhängige Fragen zum Zeitgeschehen. Wir haben seine Zeilen unter die Lupe genommen.

Konstanz (ynk) - Es war nur eine Frage der Zeit, bis der kritische, konspirativ angehauchte Corona-Song in großen Dimensionen auftaucht. Jetzt hat ihn also Alpa Gun gemacht. "Was Ist Die Wahrheit?" inszeniert den Rapper als Protestredner, der ausspricht, was angeblich das ganze Volk über die Pandemie denkt. Zwar stellt er im Outro klar, dass er eigentlich keine Kompetenz hat, über all das zu sprechen. Das hält ihn leider nicht davon ab, über zwei Pathos-müffelnde Parts hinweg gegen Medien und Wissenschaft zu stänkern. Pardon, dringende Fragen zu stellen.

Er wolle doch nichts als die "Wahrheit" für "das Volk", sprach er, als käue er gerade die ersten fünf Seiten des Populismus für Dummies-Handbuches wieder. Dass es in einem komplexen und neuen Fall wie der Corona-Pandemie keine definitiven Antworten gibt und keine Instanz die endgültige Wahrheit innehat, das kann eben nicht sein. Deswegen klingt der Song, auch wenn er gut gemeint sein mag, irre konspirativ. Er erinnert vor allem an Jadakiss mit seinem ikonisch blöden "Why?" und klingt ein bisschen wie Ken Jebsen. Eine wirkliche Aussage beinhaltet "Was Ist Die Wahrheit?" nicht, dafür ganz viele vage Verweise auf Diktaturen und Lügen und Institutionen, denen man nicht vertrauen kann. Oder kann man? Alpa Gun weiß es nicht. Nun sind wir bei laut.de aber hilfsbereite Mädels und Jungs, deswegen gibt es heute zumindest ein paar Antworten für den Rapper:

Alpas Fragen, beantwortet

Musikalisch hat die Nummer überdies tatsächlich ein bisschen zu bieten. Der Rap von Alpa ist stark und atmosphärisch, auch das "Lose Yourself"-eske Gitarren-Muster gibt dem ganzen Track eine drohende, drängende Stimmung. Die klaustrophobische, angespannte Atmosphäre kommt den Lockdown-Gefühlen erdrückend nahe. Nur die absolut überzogene, vor Kitsch und Phrasen triefende Hook nimmt dem Song etwas Wind aus den Segeln.

Abgesehen davon wirkt Alpa hier aber wie ein richtig kompetenter MC. Ist ein bisschen wie damals mit B.o.B.s "Flatline", der Song über die flache Erde. Der war zwar auch Blödsinn zum Haareraufen, den man sich inhaltlich kaum anhören konnte. Aber, mit diesem Hot Take gehe ich zugrunde: Musikalisch war der ziemlich geil.

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laut.de-Porträt Alpa Gun

"Ein Mic, ein Beat / ein Mann, ein Ziel / eine Gun, ein Krieg / mein Kampf, mein Sieg." (aus "Mein Kampf") Alpa Gun, gebürtiger Berliner türkischer …

134 Kommentare mit 37 Antworten, davon 125 auf Unterseiten

  • Vor einem Jahr

    Jede:r, der oder die Mal in der Wissenschaft gearbeitet hat, weiß, dass da auch nur mit Wasser gekocht wird. Trotzdem gilt wie im restlichen leben: wenn sich jemand beruflich seit Jahren oder Jahrzehnten beruflich zertifiziert mit einem Thema beschäftigt, dann sollte man schon SEHR genau und lange überlegen, bevor man widerspricht oder den Besserwisser macht. Und nicht einfach bullshitten, nur weil man Mal drei YouTube Videos gesehen hat oder in der Shisha Bar zugeraucht stundenlang diskutiert.

  • Vor einem Jahr

    Ohne großartig viel gelesen zu haben von dem Sermon finde ich es doch auch etwas bedenklich, dass laut.de einen circa 21 jährigen Medien-irgendwas Studenten auf so ein Thema los lässt. Alpa Gun ist sicherlich ein Idiot, aber wieso die Meinung von Yannik in irgendeiner Weise besser, klüger, oder vor allem Näher an der Wahrheit liegt, ist mir unklar. Abseits dessen sind es Mal wieder von ihm viel zu viele Worte über etwas viel zu egales.

  • Vor einem Jahr

    also ich war überrascht, wie schnell es dann ging im endwinter 2020. ruckzug kam der lockdown, ausgangssperre, maskenpflicht, social distancing, der zaunpfahlwink die app zu installieren usw... Denunziation erlebte eine Renaissance... und wer es (vorsichtig) in frage gestellt hat war ein covidiot oder ein "gemeinwohlgefährder" ("volksgesundheitsschädling" wäre schön gewesen) und (fast) alle haben mitgezogen. als wäre es völlig selbstverständlich. falls ihr euch fragt, wie zB ermächtigungsgesetze durchgesetzt werden können... :whiz:
    und bevor jetzt wieder irgendwer kommt. ich saß minimum in 4 verschiedenen seminaren über wissenschaftstheorie und wissenschaftliches arbeiten. ich mag zwar 90% nicht verstanden haben. wahrscheinlich sogar mehr. aber was hängen geblieben ist, dass in jedem Seminar mantramäßig gebetet wurde: Bleiben Sie kritisch!!1, hinterfragen Sie alles!!1 insbesonder/auch Experten!!1, Suchen Sie nach alternativen Erklärungsmöglichkeiten!!1, Versuchen Sie eventuelle Ergebisse zu falsifizieren!!1"
    Almae matres: JMU, LMU, Fernuni Hagen, HS Wismar

    • Vor einem Jahr

      es geht mir weniger darum, ob die Maßnahmen jetzt richtig oder falsch waren. es geht mir darum wie sehr vorauseilend der Gehorsam im Volk war und wie sehr man Kritikter mundtot gemacht hat bzw wie wenig hinerfragt wurde. Generell sollte man ALLES kritisch beäugen und hinterfragen...wissenschaft ist NYCHT sklavisch-devot 2 Experten blind zu vertrauen

    • Vor einem Jahr

      Alma mater darf man glaub ich nur mit Abschluss sagen :-P

      Ich verstehe was du sagst, und du liegst gar nicht unbedingt so falsch mit dem, was du sagst, auch wenn du dich im OP ziemlich polemisch gibst.

      "Bleiben Sie kritisch!!1, hinterfragen Sie alles!!1 insbesonder/auch Experten!!1, Suchen Sie nach alternativen Erklärungsmöglichkeiten!!1, Versuchen Sie eventuelle Ergebisse zu falsifizieren!!1"

      "Generell sollte man ALLES kritisch beäugen und hinterfragen...wissenschaft ist NYCHT sklavisch-devot 2 Experten blind zu vertrauen"

      Wie du schon sagtest kommt das aus der Wissenschaftstheorie, und zusätzlich zu diesem Wissen lernt man, wenn man eine wissenschaftliche Karriere einschlägt viel über sein Fachgebiet und darüber, wie man wissenschaftlich arbeitet, also praktisch. Und das sind sehr wichtige Skills, wenn man alles kritisch hinterfragen und beäugen soll. Natürlich kann (und sollte) das jeder machen, aber das schließt dann auch die eigenen ideologischen Positionen hinterfragt und nicht diese für unangreifbar hält und alles andere hinterfragt UND seine eigenen Fähigkeiten zur Beurteilung von Aussagen richtig einschätzen. Wenn ein Mediziner mir etwas erzählt habe ich keine so große Kompentenz auf dem Gebiet, das endgültig anzuzweifeln. Sicherlich sollte ich es nicht als unwiderlegbar ansehen, aber so lange die meisten (im Sinne von fast alle) Mediziner das gleiche oder etwas sehr ähnliches sagen, sollte ich es als sehr wahrscheinlich richtig ansehen und eine mögliche Widerlegung den Experten des Fachbereichs überlassen.

      Ich habe persönlich Kontakt zu Medizinern, auch in der Forschung, und da gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen zur Sinnhaftigkeit mancher Massnahmen, aber generell wird der Umgang mit der Pandemie schon als richtig betrachtet.

      "es geht mir darum wie sehr vorauseilend der Gehorsam im Volk war"

      Lag denke ich an der Situation, Pandemie, Virus, über den man nicht viel weiß. Die Bilder aus Italien. Da sind Menschen halt sehr emotional.

      "und wie sehr man Kritikter mundtot gemacht hat bzw wie wenig hinerfragt wurde."

      Davon habe ich nichts mitbekommen.

      "der zaunpfahlwink die app zu installieren usw..."

      Ist freiwillig und hielt umfassenden unabhängigen code reviews hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz stand.

      "Denunziation erlebte eine Renaissance..."

      Hab ich bis auf Einzelfälle auch nicht mitbekommen, und deine Ausdrucksweise rückt das unangenehm in die Nähe von Stasi und NS.

      "und wer es (vorsichtig) in frage gestellt hat war ein covidiot oder ein "gemeinwohlgefährder" "

      Gibt es einen Fall, wo etwas wissenschaftlich in Frage gestellt wurde und von dir genanntes geschah?

    • Vor einem Jahr

      "Suchen Sie nach alternativen Erklärungsmöglichkeiten!!1, Versuchen Sie eventuelle Ergebisse zu falsifizieren!!1" "

      Das ist aber kein Weltbild, sondern ein methodischer Ansatz, von dem du hier redest. Ein Wissenschaftler, der eine Theorie aufstellt, ist meist gut damit beraten, alle anderen Erklärungsmethoden in Betracht zu ziehen ein Experiment aufzustellen, das versucht, seine Theorie zu falsifizieren. Es ist einfach eine konstruktivere Weise, valide wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen.

      Wenn du jetzt meinst, da eine allgemeine Lebensphilosophie draus zu stricken, hast du entweder nicht besonders gut aufgepasst oder deine Dozenten haben von irgendetwas gelabert, was mit Wissenschaftstheorie nicht mehr viel zu tun hat.

    • Vor einem Jahr

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    • Vor einem Jahr

      Noch in Hinblick auf das, was Caps da noch geschrieben hat:

      Natürlich kann es/ist es trotzdem sinnvoll, generell Sachen auch immer erst einmal zu hinterfragen. Nur gibt es dann halt schon Bereiche, wo die Sachlage mehr oder weniger klar ist und in manchen Fällen ist das Anzweifeln dann auch nur noch affig. Außerdem ist (Rest-)Zweifel nicht das Gleiche wie Verweigerung ist. Man kann ja den Lockdown oder einzelne Maßnahmen durchaus für zweifelhaft halten, aber trotzdem erst einmal zur Schlussfolgerung kommen, dass es angesichts der Lage die sinnvollste Handlungsoption zu sein scheint und mitziehen. Wenn Zweifel so weit gehen, dass sie einen komplett handlungsunfähig machen, dann ist das halt auch nicht mehr zweckmäßig.

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

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    • Vor einem Jahr

      irgendwie funktioniert meine Kommentarblase nicht :D

      @CAPSLOCKFTW:

      "Wenn ein Mediziner mir etwas erzählt habe ich keine so große Kompentenz auf dem Gebiet, das endgültig anzuzweifeln. Sicherlich sollte ich es nicht als unwiderlegbar ansehen, aber so lange die meisten (im Sinne von fast alle) Mediziner das gleiche oder etwas sehr ähnliches sagen, sollte ich es als sehr wahrscheinlich richtig ansehen und eine mögliche Widerlegung den Experten des Fachbereichs überlassen."

      Da wäre ich vorsichtig. Die Sache mit dem Gehorsam würde ich nicht unterschätzen, auch was Mediziner angeht, die den Inhalten an der Uni vertrauen (müssen) + Patienten. Wenn es um meinen Körper geht, überlasse ich das letzte Urteil NIEMANDEM, der damit potentielle Interessen verbinden kann. Das lehrt die Geschichte.

      Was kollektie Maßnahmen angeht, ist es etwas anders. Hier geht es im Wesentlichen ja um Verzicht, und (noch nicht?) um die Einnahme von Medikamenten.
      Den Punkt mit der "Lebensphilosophie" (Gleep Glorp) sehe ich daher nicht so. Das kann man schon so sehen. Ist halt ein Vorsichtsprinzip, warum nicht? Hätte vielen Menschen im letzten Jahrhundert geholfen.

    • Vor einem Jahr

      "die den Inhalten an der Uni vertrauen (müssen)"

      Ist halt riesiger Schwachsinn und zeugt mal wieder von deiner mangelnden Auseinandersetzung mit der Materie. Niemand muss in der Wissenschaft irgendetwas vertrauen, was sie einfach nur von oben eingetrichtert bekommen haben.

      "Wenn es um meinen Körper geht, überlasse ich das letzte Urteil NIEMANDEM, der damit potentielle Interessen verbinden kann."

      Also niemandem. Das hilft ja auch nicht wirklich weiter.

      "Den Punkt mit der "Lebensphilosophie" (Gleep Glorp) sehe ich daher nicht so."

      Würde mich mal interessieren, was du damit meinst. Mein Hauptpunkt war erst einmal, dass wenn man das zur Lebensphilosphie macht, das nicht mit Wissenschaftstheorie zu tun hat oder daraus folgt.

    • Vor einem Jahr

      "Ist halt riesiger Schwachsinn und zeugt mal wieder von deiner mangelnden Auseinandersetzung mit der Materie. Niemand muss in der Wissenschaft irgendetwas vertrauen, was sie einfach nur von oben eingetrichtert bekommen haben."

      :) kommt auf die Verpflichtungen gegenüber eigenen Kindern, Frau, Haus etc. an und wie ausgeprägt das Widersacher-Gen ist. Es ist total normal, dass Vorgesetzten oder "Gurus", die über Jahre ein Feld gepärgt haben, ungern widersprochen wird. So eine Zahl muss man erst mal umstoßen ;).

      "Also niemandem. Das hilft ja auch nicht wirklich weiter."

      Es ist halt Abwägungssache. Das Recht kannst du keinem Individuum absprechen. Sagen 10 Ärzte, eine bestimmte Behandlung/Medikament ist wissenschaftlich erprobt und unbedenklich, kann ich dennoch durchaus zweifeln und überlegen, ob ich die Kortison-Salbe nicht doch wieder in den Schrank stelle, wenn die Nebenwirkungen langfristig den "Erfolg" übersteigen ;).
      Da hilft mir "Transparenz" nicht weiter, wenn durch das Aushändigen/Ausstellen der Arzt "autorisiert" wird.

      "mal wieder von deiner mangelden Auseinandersetzung der Materie"

      Beispiele bitte?

    • Vor einem Jahr

      "Da wäre ich vorsichtig. Die Sache mit dem Gehorsam würde ich nicht unterschätzen, auch was Mediziner angeht, die den Inhalten an der Uni vertrauen (müssen) + Patienten. Wenn es um meinen Körper geht, überlasse ich das letzte Urteil NIEMANDEM, der damit potentielle Interessen verbinden kann. Das lehrt die Geschichte."

      Unsere Gesellschaft ist arbeitsteilig aufgebaut. Menschen spezialisieren sich auf Aufgaben. Nur so sind wir da hin gekommen, wo wir heute sind. Das geht nicht ohne die Bereitschaft zu den Wissenschaften vertrauen, interdisziplinär und von außen. Es gibt Kontrollmechanismen, die sinnvoll und wichtig sind. Es gibt auch schwarze Schafe, und Menschen machen manchmal Fehler, aber wenn mir ein Mediziner etwas erzählt ist für mich sehr viel wahrscheinlicher, dass er Recht hat. Bei schwerwiegenden Sachen kann man da durchaus andere Meinungen betrachten, schauen, wie die Forschung dazu steht, evaluieren, was der beste Weg ist falls es mehrere gibt, auf die die Wissenschaft sich geeinigt hat.

      Wenn man keine Ahnung hat, sollte man halt einfach die Klappe halten. Spricht nichts dagegen, sich Ahnung oder sogar Wissen anzueignen, aber solange das nicht geschehen ist kommt dann sowas raus wie "Der HI-Virus existiert nicht", "Globuli helfen geben Krebs" oder "Trinkt Flächendesinfektion zur covid-Prävention".

    • Vor einem Jahr

      "Wenn man keine Ahnung hat, sollte man halt einfach die Klappe halten."

      Das ist undemokratisch - mal so am Rande :)
      Aber geht Hand in Hand mit deiner "Gesellschaftsanalyse" oben.

      Ich versuche es mal anders herum. Ich habe ja generell nicht den Eindruck, dass wir entgegengesetzten Lagern angehören.

      Was genau ist denn eure Überzeugung?

      Dass Wissenschaft oder wissenschaftliches Arbeiten IMMER unumstößlich ist bzw. man zu einem Zeitpunkt immer vom aktuellen Stand überzeugt sein MUSS in ALLEN Bereichen, bis das Gegenteil bewiesen ist? Ja, das ist die Methodik für die Publikation. Das ist auch gut so und würde anders keinen Sinn ergeben, weil dann jeder Bauer über jedes seiner Felder Wasserstandsmeldungen abgeben würde.

      Nur, du kannst doch nicht verlagen, dass jedes Individuum blind so lange auf alle aktuellen Erkenntnisse vertraut, wenn es denn andere Erfahrungen gemacht hat oder Umstände einfach anders bewertet? Es ist ein Unterschied, ob ich allgemeingültige Aussagen treffe, die einen kollektiven (Schutz-)Charakter haben, oder ob ich konkrete Schlüsse als Individuum unter Berücksichtigung aller meiner Lebensumstände daraus ziehe.

      Wie soll das deiner Meinung nach aussehen? Dass alle alles glauben, was ein Experkte erzählt? Eine Aussage "Experkte A, sagt zu dem Gebiet A Aussage A. Dem kann ich zu 95 % folgen. Dennoch habe ich andere Erfahrungen gemacht, die ich gerne mit einfließen lasse - oder ich bin einfach kritisch, denn ich kann nicht warten, bis ein etwaiges Gegenteil oder eine Modifikation publiziert wurde." Was ist das Problem mit diesem Ansatz? Dass man nicht zu 100% allem folgt, wohinter eine Zahl steht, die ein Mensch gefunden hat? Vielleicht ist der systematische Missbrauch jetzt noch nicht so hoch - das mag sein. Heißt aber nicht, dass wenn diese Verhaltensweisen in der breiten Masse angekommen sind, für die Zukunft eine "Expertenautorität" herrschen wird. Nur weil es zur Zeit moderat ist, muss es ja nicht so bleiben. Systemkritik ist immer auf präventiv.

      Es tut mir leid, aber das ist Autoritätsglaube par excellence - genau so wie der Irrglaube, dass jeder stets nur jemandem auf einem Spezialgebiet vertrauen muss.

    • Vor einem Jahr

      Beispiele lieferst du hier zuhauf:

      "Es ist total normal, dass Vorgesetzten oder "Gurus", die über Jahre ein Feld gepärgt haben, ungern widersprochen wird."

      Das hat einfach null oder nahe null damit zu tun, wie wissenschaftlicher Betrieb funktioniert. Auch als führende Figur deines Feldes musst du Experimente ausführen und deine Aussagen mit Referenzen belegen. Ein Drosten zum Beispiel ist auch ein renommierter Experte in seinem Feld. Das hindert aber niemanden daran, z.B. die statistischen Methoden oder etwaige Fehler zu korrigieren, wenn er ein Paper fürs Peer-Review bereitstellt. Das ist dann auch kein Streit der Wissenschaftler oder Revolte gegen Drosten, wie die Bild das gerne titelt, sondern normales wissenschaftliches Prozedere.
      Dass unter Leuten, die eine wissenschaftliche Ausbildung genossen haben, irgendeine allgemeine stumpfe Autoritätshörigkeit existiert ist einfach dummer Schwachsinn, weil der ganze wissenschaftliche Betrieb auf vollkommen anderen Prinzipien fußt. Einzelfälle oder kleinere Biases gibt es da bestimmt auch, aber das ändert an der Sache ja nichts. Das kannst du vllt.für einige wissenschaftliche "Randbereiche" wie Teile der Psychologie, Anthropologie und vllt noch die Ökonomie geltend machen, weil die teilweise keine besonders gute Methodik haben/hatten, aber in den meisten Fällen ist es halt eher Unfug.

      "Sagen 10 Ärzte, eine bestimmte Behandlung/Medikament ist wissenschaftlich erprobt und unbedenklich, kann ich dennoch durchaus zweifeln"

      Du kannst es auch einfach nachgucken und dir selbst einen Überblick über die Studienlage verschaffen. Das hatten wir jetzt aber auch alles schon einmal. Einerseits sich nicht mit der Materie auseinandersetzen und das dann als Grundlage dafür nehmen, dass man einfach alles und jeden anzweifeln kann, ist einfach unglaublich billig.

      "und überlegen, ob ich die Kortison-Salbe nicht doch wieder in den Schrank stelle, wenn die Nebenwirkungen langfristig den "Erfolg" übersteigen ;). "

      Wenn du irgendwelche bedeutenden Nebenwirkungen hast, würde die das aber auch kaum ein Arzt weiterempfehlen, von daher ist das als Argument für deine Position auch relativ albern.

    • Vor einem Jahr

      "Was genau ist denn eure Überzeugung?

      Dass Wissenschaft oder wissenschaftliches Arbeiten IMMER unumstößlich ist bzw. man zu einem Zeitpunkt immer vom aktuellen Stand überzeugt sein MUSS in ALLEN Bereichen, bis das Gegenteil bewiesen ist? "

      Ich, weiter oben:
      "Sicherlich sollte ich es nicht als unwiderlegbar ansehen, aber so lange die meisten (im Sinne von fast alle) Mediziner das gleiche oder etwas sehr ähnliches sagen, sollte ich es als sehr wahrscheinlich richtig ansehen und eine mögliche Widerlegung den Experten des Fachbereichs überlassen."

      "Nur, du kannst doch nicht verlagen, dass jedes Individuum blind so lange auf alle aktuellen Erkenntnisse vertraut, wenn es denn andere Erfahrungen gemacht hat oder Umstände einfach anders bewertet? "

      Ich verlange ja ausdrücklich kein blindes Vertrauen, sondern vorsichtiges Vertrauen. Zweifeln ist okay, aber wenn man an etwas zweifelt, das bis auf Randmeinungen unumstritten ist, sollten sich die Zweifel zerstreuen.

      Das mit den Erfahrungen ist so eine Sache: In vielen Situationen und vor allem in unserer biologischen Geschichte sind und waren Erfahrungen wichtige Werkzeuge zur Beurteilung von Situationen. Oft bis meistens funktionieren die auch gut, aber mittlerweile haben wir etwas, dass besser funktioniert, und zwar wissenschaftliche Erkenntnisse. Und denen sollte man mehr vertrauen als den eigenen Erfahrungen und Schlüssen. Sicher, wenn sich etwas widerspricht, dann kann man gerne überprüfen warum, sich in das Thema einarbeiten, und dann eventuell die wissenschaftlichen Erkenntnisse falsifizieren oder akzeptieren, dass die eigenen Erfahrungen nicht zu allgemeingültigen Aussagen erweiterbar sind, wie sie es meistens nicht sind, da Induktivschlüsse.