Yorke covert sich selbst: 29 Jahre danach nimmt er sich den verhassten Welt-Hit "Creep" noch mal vor - in einer Neun-Minuten-Version.

Oxford (mis) - Es ist ein offenes Geheimnis, dass Radiohead zu ihrem frühen Hit "Creep" ein so inniges Verhältnis pflegen wie Robert Plant zu "Stairway To Heaven" oder die Beastie Boys einst zu "Fight For Your Right To Party": Es war mal für etwas gut, ist jetzt aber nur noch lästig. Legendär sind die Ausfälle von Thom Yorke gegenüber Fans, die im Konzert den Song verlangen oder auch Live-Versionen des Stücks, in denen der Sänger das Wort Dekonstruktion im Dylan'schen Sinne neu definierte.

Doch Zeit heilt, nun ja, zumindest einige Wunden: Anfang des Jahres nahm Yorke für ein Showcase von Designer Jun Takahashi auf der Tokio Fashion Week den alten Hit in einer Neun-Minuten-Fassung auf, der ab heute als "Creep (Very 2021 RMX)" digital überall erhältlich ist. Yorke dazu: "Hier ist mein neu gedachter Remix von 'Creep', 30 Jahre später. Eingespielt für meinen Freund Jun Takahashi und für eine Welt, die gerade aus den Fugen gerät."

Yorke lässt zu Beginn keinerlei Aversion gegenüber dem Track spüren, sieht man davon ab, dass er ihn in Super-Slo-Mo präsentiert, was ihm aber durchaus reizvoll gelingt. In der zweiten Strophe stört die Ruhe ein empfindlich schriller Synthsound, der auf alles Kommende vorbereitet. 08/15-"Creep"-Covers findet man auf Youtube schließlich schon millionenfach, also legt Yorke noch eine Schippe drauf: Seine sich von simplem Wimmern in schmerzhaftes Kreischen steigende Verzweiflung ab Minute 6 ist jedenfalls nicht der Sound für die nächste Beach-Party. Apropos Beach-Party:

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Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Radiohead,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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6 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Bessere Dinge, die man mit neun Minuten Lebenszeit anfangen kann:

    - Malen nach Zahlen.
    - An der Hornhaut rumpulen.
    - Den neusten YouTube-Clip von Florenz Kittel schauen.
    - Das neue Culcha Candela-Album hö... nein, so öde ist die Nummer dann doch nicht.

  • Vor einem Jahr

    Oh Gott, ne Danke.

    Das Original aber nach wie vor ein genialer Track, zum Glück nie überhört.

  • Vor einem Jahr

    Der soll mal besser ne neue Radiohead-Platte machen.

    • Vor einem Jahr

      Nicht nur der.

    • Vor einem Jahr

      Das "nur" fett unterstreichen, plz.

      Das distinktive Organ des Fronters ist für mich wie die Praline auf der Eistorte: Solo maximal was für'n hohlen Zahn. Und auch wenn ich schätze, wie sie diesen der klassischen Musik entlehnten Idealismus, nur im Kollektiv seien außergewöhnliche Interpretationen zu erreichen, in ihre Band transportieren - diese Band wäre ohne den jüngeren der Greenwood-Brüder wohl niemals über den musikalischen Range von Britpop-Startern ihrer Generation hinaus gekommen.
      Wie wichtig dieser anscheinend sehr verschroben-schratige sowie im Vergleich zum Fronter wahrhaftig introvertiert erscheinende Gitarrist, Tüftler und Soundpionier für jede bandinterne (Weiter)Entwicklung des Sounds gewesen ist, lässt sich an den vergleichsweise eher leise, dafür umso immersiver auftretenden Solo-Ambitionen im Soundtrack- und Movie Score-Bereich erahnen, mit denen Jonny Greenwood u.a. "There will be blood", "Inheritent Vice" oder "You were never really here" auf jeweils sehr unterschiedliche und doch sehr unverkennbar eigene Weise veredelt hat.

    • Vor einem Jahr

      Ich bin der totale Greenwood-Fanboi, und halte ihn auch für das Musikgenie der Band. Daß Yorke seeeehr viel mehr als "nur" ein Sänger ist, dürfte aber auch klar sein. "The Eraser" war exquisit, und auch auf der letzten Soloplatte waren ein paar gute Tracks. Ist aber alles kein Vergleich zur Hauptband, wo man Ausfälle wirklich mit der Lupe suchen muß.

    • Vor einem Jahr

      Hier bin ich bei Ragi. Greenwoods Johnny ist eines der größten Musikgenies seiner Zeit aber Yorke hat oft genug bewiesen, was er auch alleine kann, das Debut ist Wahnsinn, "Anima" auch toll.
      Ed O'Briens Beitrag zum Bandsound wird sowieso sehr unterschätzt, das Solodebut letztes Jahr hätte imo auch viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, gleiches gilt für die Soloplatten von Phil Selway.

      Also natürlich ist Greenwood essenziell für Radiohead aber gerade die Zusammenarbeit von Yorke und ihm ist der treibende Motor der Gruppe, wo man nicht einen der beiden besonders hervorheben kann. Und auch die anderen drei haben ihren unverzichtbaren Teil beigetragen und sind immens wichtig dafür, dass bei der Band alle Zahnräder ineinander greifen. Wäre nur einer von ihnen nicht dabei gewesen, dann hätten wir diese Ausnahmeband in dieser vollendeten Form meiner Meinung nach nie gehabt.

    • Vor einem Jahr

      Habe das Gefühl, dass Jonny einen Kontext braucht um zu funktionieren. Also er ist schon ein extrem kompetenter und experimentierfreudiger Musiker, aber er braucht was zu vertonen, da er von sich heraus irgendwie nichts auszudrücken vermag - das mag an seinem introvertierten Charakter liegen. Deswegen glänzt er in der Vertonung von Filmen und Antworten auf Penderecki, und natürlich in der Vertonung von Yorkes Songs, dessen Melodien und Texte er mit Feingefühl aufnimmt und versteht und ihnen zu neuer Größe verhilft. Idioteque ist eines der wenigen Beispiele, wo es umgekehrt war.

      Wer gute und interessante Basslinien schätzt, wird sich aber in Punkto neues Radiohead-Album vor allem auf die Beiträge seines Bruder freuen, der in 30 Jahren Radiohead auch immer alles richtig gemacht hat.

      Und irgendwie trifft das auch auf Ed O'Brian und Selway zu. Ich habe das Gefühl, mit jedem Beteiligten werden Radiohead-Songs eine Spur interessanter. Durch Jonny vielleicht 2-3 Spuren. Thom Yorke wäre ein guter, aber viel weniger interessanter Singer-Songwriter ohne die Band.

  • Vor einem Jahr

    Klingt wie ne Mina Caputo Version. Kann ich mir als Duett gut vorstellen.

  • Vor einem Jahr

    die synths kommen schon geil

  • Vor einem Jahr

    Nein, nein, nein! Ich will nicht. ich will kein "fucking".........ich will kein "fucking one hit wonder" sein! LMAA, ich bastel ihn unhörbar um. Super Idee! Gratz!