Antoine Fuquas Film "Michael" wurde von Paris und Janet Jackson hart kritisiert und spart auch die Missbrauchsvorwürfe aus. Zu diesen hat sich der Regisseur nun geäußert.
New York (joga) - Morgen kommt unter dem Titel "Michael" die Michael Jackson-Filmbiografie von Regisseur Antoine Fuqua in die Kinos. Diese bildet allerdings nicht das ganze Leben des Popstars ab, sondern vor allem Jacksons erfolgreichste Zeit bis zum Jahr 1988. Dass er damit die Missbrauchsvorwürfe ebenso ausblendet wie die Medikamenten-Abhängigkeit, die letztlich zu Jacksons frühem Tod führte, mag legitim sein - dennoch gab es bereits im Vorfeld harte Kritik an dem Film.
So sagte Jacksons Tochter Paris im Vorfeld, der Film erzähle "einfach nur Lügen", ihre Verbesserungs-Vorschläge seien allesamt ignoriert worden. Auch Janet Jackson soll den Film hart kritisiert haben: Obwohl sie eindeutig Michaels berühmteste Verwandte ist, kommt sie im Film weder vor, noch war sie – anders als andere Familienmitglieder – bei der Premiere in Berlin zugegen. Auch wegen Janets Nicht-Existenz wirke der Film wie ein "Riesenslalom durch die illustren einstweiligen Verfügungen", schreibt die Süddeutsche.
Medienberichten zufolge enthielt eine frühere Film-Fassung auch harmlose Szenen mit Jordan Chandler, dessen Vater Evan Michael Jackson 1993 erstmals mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierte. Doch dann stießen die Produzenten auf einen zuvor übersehenen Teil des außergerichtlichen Vergleichs zwischen Jackson und der Familie Chandler, der es dem Nachlass verbot, an Darstellungen der Ereignisse um Chandlers Anschuldigung mitzuwirken. Fuqua wollte das Projekt daraufhin zunächst aufgeben, willigte aber schließlich ein, es neu zu konzipieren.
"Manchmal tun Menschen für Geld wirklich schlimme Dinge"
Kurz vor dem Filmstart hat sich Regisseur Antoine Fuqua nun in einem großen Porträt des US-Magazins New Yorker zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson geäußert: "Wenn ich Dinge über uns höre – insbesondere über Schwarze, vor allem in einer bestimmten Position –, dann halte ich immer inne, sagte Fuqua.
Er hege eine große Skepsis gegenüber einigen Eltern der Ankläger, insbesondere Chandlers Vater, der in einer Tonaufnahme damit gedroht habe, Jackson "unvorstellbar zu demütigen". Fuqua betont, er kenne die Wahrheit nicht. Aber, so sagte er, "manchmal tun Menschen für Geld wirklich schlimme Dinge".

7 Kommentare mit 51 Antworten
Aber, so sagte er, "manchmal tun Menschen für Geld wirklich schlimme Dinge"
Wie für seinen Film Straftaten zu relativieren?
Welche Straftaten? Weisst Du mehr als die US Gerichte, die sich seinerzeit mit den Vorwürfen beschäftigten und deren Verfahren jeweils mit einem Freispruch endeten? Wenn dem so ist, dann lass uns bitte nicht dumm sterben.
Du weißt sich das ein Richterspruch nicht immer mit der Wahrheit einhergeht?
Ich würde hier mehr Differenzierung rein bringen. Einerseits ist es wichtig, Kunst als isoliertes Spektrum menschlichen Schaffens darzustellen, bspw. haben ja auch viele Krieger von früher Menschen umgebracht aber dennoch Zisternen ermöglicht oder Statuen errichtet - von Bildern ganz zu schweigen. Andererseits verstehe ich den Auklärungs- und Wahrheitsanspruch vieler Kritiker, die Michael Jackson als zu sehr gehuldigt sehen, wenn man ihm durch Filme, etc. weiterhin eine postum-Bühne gibt. Ich würde an dieser Stelle einen Kompromiss vorschlagen: Man könnte sowohl am Anfang des Films oder am Ende die derzeitigen Vorwürfe mit entsprechenden Erkenntnissen oder Verfahrensstand per Textbild einfügen und dem Zuschauer damit sein eigenes Bild machen lassen. Somit wäre das "Kunstprojekt" für sich "stimmig", gleichzeitig der moralische Rahmen gesetzt. Wundere mich, dass es keine Komission im Vorfeld beider Partein gab, die das mal vorgeschlagen hat. Nun, die Welt der Kompromisse ist ein einziger, tiefer Ozean der Stille.
Mir hätte der Film besser gefallen, wenn er MJ als Künstler abgefeiert hätte - und das, was die Kunst für die Mensccen bedeutet hat, die mit ihm aufgewachsen sind.
Die ganzen anderen negativen Themen, die sich um seine Person drehen, kann man in anderen Filmen, Dokus etc. vermurksen. Ich finde es spricht nichts dagegen, zumal der Künstler nicht mehr lebt, sich in einem Film rein auf seine Kunst zu beziehen - und diese abzufeiern!
Dieser Kommentar wurde vor 9 Tagen durch den Autor entfernt.
Dass er tot ist, unvergewaltigt seine Opfer leider nicht.
Angebracht gewesen wäre, wenn überhaupt, nicht die seichte Propagandashow für die du plädierst, sondern ein umfassendes, ehrliches Portrait seiner Person (und seiner Musik).
Aber natürlich reden wir von Hollywood. Da revidiert man halt aus Profitgier schamlos die Realität. Der Film ist und bleibt natürlich Ungeschaut 1/5.
Mir persönlich fehlt der Fokus auf den Song "Beat It", der einzige Song, der wirklich richtung sowas Ähnliches wie Metal geht. Klar, selbst dieser Song wäre für Metal zu poppig gewesen, aber immerhin hätte man das ja mal würdigen können. Mich nervt vor allem, dass die ganzen Kids den Song immer abfeiern und null checken dass Metal-Gitarrist van Halen das Solo beigesteuert hat.
Auf rottentomatoes kommt der Film bislang nicht gut an. Besonders gut ghefällt mir folgende synopsis eines gewissen Bob Chipman:
"[The movie's] ultimately guilty of the very sin it (correctly) makes patriarch Joe Jackson its central villain for: Stripping Michael of his full humanity - good, bad or otherwise - in order to preserve him as an empty, arrested and exploitable commodity."
"eines gewissen Bob Chipman"
Nachzuschauen hier
https://www.youtube.com/watch?v=4BbkCLEjtgo
Nein, von einer Propagandashow rede ich nicht. Der Film soll die Wahrheit nicht verdrehen und positiver darstellen, als sie tatsächlich ist. Wenn es denn unbedingt ein Biopic sein muss, okay, dann muss das alles auch verarbeitet werden. Aber es hätte ja kein Biopic sein müssen. Es hätte auch ein rein künstlerischer Film sein können, der sich in erster Linien auf die Kunst von MJ ansich bezieht. Und dabei muss dann nichts verdreht werden. Aber ein Film der rein die Kunst von MJ abfeiert, ist es eben auch anspruchvoller in der Umsetzung, als wieder mal ein Biopic ins Leben zu rufen. Denn dann muss sich der Film mit der Kunst von MJ messen - und kann dabei nur verlieren!
Im Metal Kontext würde ich persönlich am ehesten "Give in to me" nennen
Feines Solo von Slash, aber Metal ist das auf gar keinen Fall.
"Dirty Diana" ist ein bisschen Dirtmetal.
@Conflex
❤️
Beat it ist auch kein Metal! Es ging mir eher darum, dass Give in to me ein Song ist, der puren Metal Fans, am ehesten noch gefallen dürfte
"Es hätte auch ein rein künstlerischer Film sein können, der sich in erster Linien auf die Kunst von MJ ansich bezieht. Und dabei muss dann nichts verdreht werden."
Indem du in diesem Szenario gewisse, sehr schwerwiegende Aspekte weglässt, wäre dies bereits eine Verdrehung. Denn auch seine Musik existiert ja nicht losgelöst von seiner Person, im Gegenteil. Plaktatives Beispiel: Black or White.
Das Konzept dass du vorschlägst, mag für Fans erstmal reizvoll sein. Mich würde nur wundern, wie man daraus einen dramaturgisch einigermaßen funktionierenden Spielfilm machen könnte. Da braucht's eben Konflikte und Krisen.
Ich finde man kann die Geschichte des Künstlers erzählen und sich dabei durchaus rein auf den künstlerischen Austieg konzentrieren! Wenn es von vornherein klar ist, dass es dabei nur um die Kunst selbst geht, dann sollte man auch keine falsche Erwartungshaltung daran haben. Es wäre auch möglich sich an den ganzen MJ Videos zu orientieren und eine fiktive Geschichte zu erzählen. Moonwalker ist als Film ja auch fiktiv z.B.
Vielleicht wäre es besser gewesen, über den Creep gar keinen Film zu drehen. Immer wieder die selben Vorwürfe über Jahrzehnte, dazu seine Aussage, er sähe kein Problem darin, mit kleinen Jungs in einem Bett zu schlafen. Welcher erwachsene Mann schläft mit kleinen Jungs in einem Bett, die nicht seine eigenen sind? Wieso heißt es im Fall Jackson nie, dass man den Opfern Glauben schenkt? Und alle Fans so: Neiiiiiiin, Michael ist unschuldig. Wird wahrscheinlich nie aufgeklärt werden können, aber nen glattgebügeltes Biopic zwecks Gewinnmaximierung über einen Menschen, dessen Biographie von schwersten Vorwürfen durchzogen ist, muss man nicht unterstützen.
Naja, Mubasi. Das liegt womöglich daran, dass MJ selbst einige Auffälligkeiten aufweist, die in die Richtung "Peter-Pan-Syndrom" deuten. Eine bestimmte Art von Unzurechnungsfähigkeit, Zwangsneurose etc. lässt durchaus den Spielraum offen, dass er gar nicht wirklich weiß, wie beknackt das gewesen ist und dass er das von sich selbst gar nicht trennt bzw. sich selbst als Jungen sieht, völlig ohne sexuelle Motive. Genau das ist der schmale Grat.
Naja, Lost7. Vielleicht wusste er auch ganz genau, was er tat und hat sich Jungs im Kindesalter herausgesucht, um seine sexuelle "Orientierung" auszuleben. Wir werden es nie erfahren, aber in jedem Fall konnte er sich sehr gute Anwälte leisten. Wie OJ. Der war natürlich auch unschuldig. Das Perfide daran ist, dass der Jackson-Clan mit dem Film genug Geld einnehmen wird, um die nächsten Zivilklagen vorzubereiten. Mit noch besseren Anwälten.
Es wird hier nicht die Kunst gefeiert, sondern der Künstler, und das ist leider mehr als fragwürdig. Auch wenn die schlimme Kindheit einige Kontroversen um Michael Jackson erklären könnte, entschuldigen kann sie sie auf keinen Fall.
Interessant wie sehr hier der Mensch Jackson verteidigt wird, um den Musiker Jackson noch hören zu können.
Dokumentationen erheben zwar Wahrheitsanspruch, können dem aber strukturell nie gerecht werden, einzig Objektivität kann eine Wahrheitsnähe herstellen, das ist aber von den Machern abhängig.
Das amerikanische Justizsystem ist alles andere als geeignet, eine objektive Wahrheit in einem Sachverhalt zu finden. Gerade Urteilsabsprachen, Abschlagszahlungen und ähnliches beschränken die Justiz rein auf einen strafrechtlichen Rahmen und keine Aufarbeitung eines Sachverhalts.
Alles für sich kein Beweis einer Schuld. Zusammengenommen wird hier leider dann doch ein anderes Bild präsentiert.
Wurde hier irgendwo "der Mensch" verteidigt? Hört hier irgendjemand seine Musik? Und: Worauf wollteste mit diesem Kommentar eigentlich hinaus? Dass Jackson in dutzenden Fällen pädophil war wegen... Vibes? Und bis heute arbeiten für ihn die mächtigsten Anwälte und Politiker, welche ALLE glaubwürdigen Zeugen erfolgreich mundtot machen?
Oder wollteste gar nicht nicht auf irgendwas hinaus?
Ungesehen 0/5
Ich glaube ihn als Mensch verteidigt keiner. Entweder hört man seine Musik, mit dem Wissen was er für ein Mensch war, oder man lässt es. Wenn man seine Musik hört, ist das nicht gleichzsetzen, dass man ihn verteidigt.
Ich höre auch einige Sachen von Burzum (auch wenn es kein normales Hörvergnügen ist), weil niemand an das rankommt, was er erschaffen hat. Aber ihn als Mensch verachte ich !
@Puschel: Sehe ich genauso.
@gummi_fan: Ja, es wird (leider) die Person statt deren Kunst gefeiert. Aber so ist das eben in einem BIOpic.
Denn - mal ganz abgesehen davon, dass ein großer Teil seines Lebens bzw. seiner Kunst ab 1989 fehlt, und der Film zumindest im Trailer mit ziemlich plump-plakativen Aussagen von ihm daherkommt, welche SO garantiert nicht von ihm stammen - wäre für mich ein Film über sein WERK viel erhebender gewesen, zum Beispiel wie der eine oder andere Track so entstanden ist. Bekannte Vorwürfe im Privatleben wurden (2005) geklärt. Und dann ist auch mal gut.
Wahnsinn, dass der Film bei aller Kritik so viel einspielt hat bisher. Die Persönlichkeit "Michael Jackson" scheint die Menschen nach wie vor in ihren Bann zu ziehen. Irgendwie auch verständlich, haben doch viele ihre prägensten Zeiten mit seiner Musik untermalt bekommen. Da kann man die ganzen Emotionen durchaus nachempfinden. Ich finde, man sollte immer mit zwei Ohren hinhören: das eine Ohr für die Musik, das andere Ohr durchaus und gerne für die moralisch-menschliche Seite. Welches Ohr mehr empfängt, entscheidet im Zweifel das Herz des Hörers, und das ist auch völlig legitim!