Die Soul- und Gospellegende Mavis Staples berichtet in einem Interview über den bestehenden Rassismus in den Vereinigten Staaten und über junge schwarze Rapper, die sich für die alten Werte stark machen.

Hamburg (al) - In einem Spiegel-Interview berichtet die 66-jährige Soul- und Gospellegende Mavis Staples von der immer noch vorherrschenden Ungleichheit der Schwarzen in den USA. In den 1950er und 60er Jahren hatte sich Mavis gemeinsam mit ihrer Familiencombo, den Staples Singers, der Bürgerrechtsikone Martin Luther King angeschlossen und den charismatischen Politiker musikalisch bei seinem Kampf gegen den Rassismus unterstützt.

Für ihr neues Album "We'll Never Turn Back" nahm die Sängerin unter Ry Cooders Obhut alte Bürgerrechtssongs neu auf, in der Überzeugung, dass "Martin Luther Kings Traum sich immer noch nicht bewahrheitet hat". Nach ihren Worten herrsche immer noch Rassismus in den Köpfen der Menschen und damals wie heute würden Schwarze noch als "Bodensatz der Gesellschaft" abgestempelt.

Die Frage, ob die alten Texte noch auf die heutigen sozialen Verhältnisse zugeschnitten sind, bejaht Mavis und wählt für ihre Erklärung die Verwüstungen von New Orleans durch den Hurrikan Katrina 2005 als Beispiel. Farbige Flüchtlinge, die sich in weiße Vorstädte retten wollten, seien damals von den Sheriffs zurück ins Krisengebiet gedrängt worden. Diese Geschehnisse erinnerten sie an die Tage der Bürgerrechtsbewegung, als weiße State Trooper in Alabama mit Wasserwerfen auf sie zielten, Hunde auf Schwarze hetzten und sie zusammenschlugen, während diese beteten.

Dass es in der heutigen schwarzen Popmusik keine Stimme des Widerstands gebe, will Staples nicht behaupten, nur warten ihrer Meinung nach viele junge Menschen auf einen Rapper, der Musik "über die Freiheit" aufnimmt. Erst im Nachhinein sei sie auf die Idee gekommen, einige musikalische Kooperationen mit Rappern wie Kayne West, LL Cool J oder Ice Cube einzugehen. Doch werde sie diesen Gedanken für ihre nächste Platte im Hinterkopf behalten.

Dass die heutigen Rapper weniger über den aktiven Widerstand und die Freiheit schreiben und lieber die schnelle Kohle abzocken möchten, bezieht Mavis Staples auf sich und ihre Generation: "Wir Älteren müssen uns selbst dafür die Schuld geben, weil wir seit Jahrzehnten keine Vorbilder vom Format eines Dr. King oder Malcom X hervorgebracht haben." Dennoch freue sie sich immer, wenn sie sozialkritische Texte von The Roots und Common zu hören bekommt.

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laut.de-Porträt Mavis Staples

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5 Kommentare

  • Vor 15 Jahren

    Die Kollabos könnten verdammt spannend werden. Hoffen wir also darauf, dass es die Lady noch lange und gesund machen wird. So eine Stimme dürfte im Grunde genommen auch gar nicht sterben...
    Common ist okay. Allerdings wäre es vielleicht auch mal von der weissen Rapgemeinde ganz spannend, sich aktiver einzumischen und für ein friedliches Miteinander zu plädieren. Es braucht ja nicht immer nur eine Seite auf die andere zugehen...

  • Vor 15 Jahren

    bei allem Respekt vor Mavis Staples,
    ist es nicht interessant, dass sie kein Wort über Verbrechen & Rassismus INNERHALB der Black Community verliert?

    jaja, Malcom X war solch ein Vorbild für die Schwarzen, dass er von seinen eigenen Leuten ermordet wurde

    sie musste auf eine Naturkatastrophe vor 2 Jahren(!) zurückgreifen, um den Rassismus der amerikanischen Gesellschaft aufzuzeigen?

    ist es nicht interessant, dass ihr gerade mal 2 afro-amerikanische Interpreten mit sozialkritischen Texten einfallen? und kein Wort über Misogynie, Homophobie, Gewaltverherrlichung, Rassismus, Drogenverharmlosung in Rap-Texten...
    wo sind denn die Rapper, die sich für AFRIKA engagieren, so wie es Bono von U2 macht?
    aber Gott bewahre, sie verliert ein gutes Wort über einen weissen Rocker!

  • Vor 15 Jahren

    Genau! Die immer mit ihrer Meinungsmache, dass die Schwatten gut wären! Sprecht aus, dass bis auf zwei alle Schwarzen Gewalt verherrlichen!!
    Was? Die weiße Unterdrückung? Jaa, aber die ne? Schaut mal was DIE alles gemacht haben!

    Sehen wir es doch mal ein: Meinungen sind doof und überholt und verbreiten nur Gram!!

    :D

  • Vor 15 Jahren

    @nelson month (« " Also laber nich, spasti!(bin übrigens rein deutsch) »):

    Was DAS jetzt aussagen soll, blieb für mich leider im Dunkeln.

    Kann es sein, dass ihr, die ihr so fleissig Kommentare schreibt, etwas vom Thema abkommt, wenn ihr euch nur auf die Schwarze Community stürzt und dort intern nach Problemen sucht?