Sarah Kuttner lud zur eigenen Revue in die Columbiahalle und die Leute kamen zuhauf. Zu hören gabs großen Rock und eine Viva-Moderatorin, die sich den ganzen Abend über freute wie ein kleines Kind.

Berlin (mmö) - Am Ende hatte Sarah Kuttner allen Grund zur Freude. Hatte sie doch nicht nur eine formidable Rockshow auf die Beine gestellt, sondern auch noch einen Punktsieg in Berlins jüngstem Battle gelandet. Die Viva-Moderatorin war in der Wochenendausgabe der taz von einer Redakteurin über eine ganze Seite lang übel gedisst worden. Den Artikel, in dem die Schreiberin in einer der linken tageszeitung unwürdigen Art und Weise ihren persönlichen Antipathien gegenüber der kleinen Berlinerin freien Lauf gelassen hatte, nahm diese zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass sie kein "Indienazi" sei, und dass es sie riesig freuen würde, wenn alle Welt den Moneybrother gut fände.

Die Tatsache, dass sie sich zur Stellungnahme genötigt sah, zeigt, dass ihr die Kritik nahe ging. Ob es besser gewesen wäre, über eine solche Niveaulosigkeit wie diesen Artikel einfach zu schweigen, darüber lässt sich sicher streiten. Der Erfolg gibt ihr dennoch Recht. Als die Kuttner um kurz nach 20 Uhr etwas verloren auf der großen Bühne der Columbiahalle steht, brandet ihr Applaus entgegen, als wäre sie bereits der erste Act. Sie genießt und besinnt sich dann wieder darauf, dass sie ganz schrecklich nervös ist. Die sympathische Schnauze bleibt heute ganz kleinlaut, fast schon unterwürfig gegenüber allen, die gekommen sind.

Ihr ironiefreier Dank löst sogar fast eine peinliche Berührtheit in der Halle aus, die The (International) Noise Conspiracy mit ihrem Revolution-Rock dann aber schleunigst aus dem Weg fegen. Leider sparen die Schweden das erste Album etwas aus, aber Dennis Lyxzén fährt mit Tanzeinlagen und flammenden Aufrufen zum Widerstand gegen das System das volle Programm.

Moneybrother vollzieht dann den bewussten Bruch und die mittlerweile pickepackevolle Columbiahalle versinkt in der souligen Schwermut des Wuschelkopfs. Er scheut die langsamen Nummern wie "It's Been Hurting All The Way With You Johanna" nicht, was ihm überhaupt nicht schadet. Leider ist der Sound etwas zu leise geregelt, doch beim Schwedenhappen Nummer Drei ändert sich das schlagartig.

Obwohl die Maulhelden von Mando Diao, wohl die Rockband der Stunde, Berlin bereits zum dritten Mal in knapp acht Wochen besuchen, gilt ihnen noch immer das ganz große Interesse. Zu Recht, denn die Spielfreudigen legen erneut eine Performance hin, die sich gewaschen hat. Obendrein kommen noch die bei den letzten beiden Gigs etwas vernachlässigten Stücke von "Bring 'Em In" zu neuen Ehren.

Als letzter Künstler des Abends betritt Kuttners besonderer Liebling Adam Green die Bühne und bringt die Columbiahalle allein mit seinen Tanzeinlagen zum Überkochen. Green, der vor kurzem ebenfalls zwei gefeierte Auftritte in der Stadt absolvierte, lässt kaum einen seiner Hits aus, überzieht mächtig und tritt sogar zu zwei Zugaben an. Wohl der Höhepunkt seines Gigs: Moldy Peaches-Kollegin Kimya Dawson, die zufälligerweise am selben Abend in Berlin aufgetreten ist, spielt zusammen mit Green den alten Moldy Peaches-Song "Who's Got The Crack".

Die ohnehin recht zügig über die Bühne gehenden Umbaupausen verkürzen unter anderem MTV-VJ Markus Kavka und Torsten von den Beatsteaks, die sich als DJs betätigten. Das Bild des Abends allerdings haben die meisten Leute gar nicht mitbekommen: im so genannten VIP-Bereich sitzt Sarah nach Ende der "Revue" zusammen gesunken und mal ein paar Minuten ganz allein für sich. Man kann zu dieser Frau stehen, wie man will, aber eines hat sie an diesem Abend geschafft: eine abwegige, ja fast schon bekloppte Idee verwirklicht, ihr Ding durchgezogen und (mit Hilfe ihrer Mitarbeiter) allen Anwesenden einen tollen Abend beschert.

Fotos

The (International) Noise Conspiracy, Adam Green und Co

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