Die US-Pop-Ikone komponiert nicht selbst? Ein Interviewzitat fliegt dem Sänger um die Ohren. Albarn schiebt die Schuld auf die L.A. Times.

Konstanz (mis) - Damon Albarn ist als umtriebiger Musiker bekannt, dessen Vielseitigkeit ihm nach seiner Blur-Karriere in den letzten 20 Jahren viel Respekt eingebracht hat. Umso erstaunlicher, dass ihm nun ein Zitat aus einem Gespräch mit der L.A. Times um die Ohren fliegt, in dem er Taylor Swift ihre Songwriting-Autorenschaft abspricht. Nachdem die Zeitung diesen Satz tweetet, erntet er einen Shitstorm, den er wiederum unberechtigt findet. Er sei falsch zitiert worden, ao Albarn. Aber der Reihe nach.

Der 53-Jährige vertrat in dem Interview die Auffassung, dass viele zeitgenössische Popstars vor allem aufgrund eines bestimmten "Sounds und einer Attitüde" beliebt seien. Als Gegenbeispiel nennt der L.A.-Times-Journalist die "Red"-Sängerin, woraufhin Albarn antwortet: "Sie schreibt ihre Songs nicht selbst." Auf den Einwand, die 32-Jährige würde ihre Songs sowohl selbst komponieren als auch im Team als Co-Writerin, entgegnete Albarn: "Das zählt nicht. Ich weiß, was Co-Writing ist. Es unterscheidet sich sehr vom Songwriting an sich. Damit möchte ich niemanden beleidigen, ich weise lediglich darauf hin, dass zwischen einem Songwriter und einem Co-Writer große Unterschiede bestehen. Das Ergebnis kann trotzdem fantastisch sein." Genug, um Swift auf die Palme zu bringen. Sie teilte einen Tweet der US-Zeitung mit Albarns Vorwurf und verlinkte den Künstler mit den Worten: "Ich war ein so großer Fan von dir, bis ich das gelesen habe. Ich schreibe ALLE meine Songs. Dein Vorwurf ist komplett falsch und SO zerstörerisch. Du musst meine Musik nicht mögen, aber es ist einfach nur erbärmlich, mein Songwriting zu diskreditieren."

Doch auch von anderen Seiten stießen Albarns Aussagen auf Unverständnis. Aaron Dessner von The National, der bekanntlich Swifts Folk-inspirierte Alben "Folklore" und "Evermore" mitproduzierte, sprang seiner Kollegin bei: "Verstehe nicht, warum du, Damon Albarn, Taylors brillantes Songwriting heruntermachst. Als jemand, der schon mal für sie im Studio den Aufnahmeknopf gedrückt hat, kann ich sagen, dass deine Aussagen nicht unpassender sein könnten. Du hast offensichtlich keinen Schimmer von ihrer Art des Schreibens und ihren Arbeitsmethoden." Produzentenkollege Jack Antonoff, der seit "1989" an Swifts Seite ist, wählte in seinem Tweet Sarkasmus: "Ich habe Damon Albarn noch nie getroffen und er war noch nie in meinem Studio, aber er scheint offenbar mehr als wir alle zusammen über all die Songs von Taylor Bescheid zu wissen. Schwach."

Albarn bekam das natürlich mit, reagierte umgehend und schob die Schuld auf die L.A. Times, die seine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen habe. An Swift gerichtet schrieb er: "Ich bin komplett deiner Meinung. Es war ein Gespräch über Songwriting, das leider auf Clickbait reduziert wurde. Ich entschuldige mich vorbehaltlos und aufrichtig. Dein Songwriting zu diskreditieren war das letzte, was ich im Sinn hatte. Ich hoffe, du verstehst das." Tatsächlich wurde seine Aussage, Swift würde ihre Songs nicht selbst schreiben, aus dem Zusammenhang gerissen - als auf wenige Zeichen gekürzter Tweet, wie man es von Social-Media-Postings eben kennt. Nur: Das macht seinen falschen Satz über Swifts Kompositionsweise nicht korrekter.

"Billie Eilish ist außergewöhnlich"

Man darf es auch sonderbar finden, dass der Brite einerseits eine Lanze für das Songwriting bricht, das nicht in einer Gruppe von Menschen entsteht, und Swift daher keinen Platz auf den hohen Sockeln ehrbarer Pop-Songwriterinnen zugesteht. Gleichzeitig rühmt er im Gespräch die Verdienste von Dark-Pop-Queen Billie Eilish, die bekanntermaßen gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas komponiert. Deren Songwriting bezeichnete er dagegen als "außergewöhnlich", das ihm persönlich einfach mehr zusage als Musik, die auf "endlosen Upbeats" fuße. Eine Spitze gegen Swift, die man angesichts ihrer letzten Alben kaum ernst nehmen kann und die auch in Swifts Reaktion zum Tragen kommt.

Zu Albarns Ehrenrettung: Es ist davon auszugehen, dass er über die ganze Geschichte auch deshalb erbost ist, weil er die Urheberschaft einer Komposition in Bezug auf ein musikalisches Ergebnis später noch relativierte: "Einige der größten Sänger*innen ... ich meine, Ella Fitzgerald hat in ihrem ganzen Leben keinen Song geschrieben." Natürlich ist es auch sein gutes Recht, öffentlich zu bekunden, dass ihm Eilishs Musik besser gefällt als Swifts. Argumentative Fehler sollte er sich dann aber besser nicht erlauben und diese hinter allgemeiner Medienschelte verstecken.

Fotos

Damon Albarn und The National

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12 Kommentare mit 25 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Kein Fan mehr von jemanden zu sein, nur weil er eine Aussage trifft (macht das die Musik jetzt schlechter?) ist genauso dumm wie einen Streaminganbieter zu kündigen nur weil dort auch Sachen laufen die ich nicht gut finde. Aber hier auf der Seite haben ja schon viele Musiker fallen gelassen, weil sie nicht zwischen Werk und Künstler unterscheiden können. Oder es wurde nach einem Zitat eines Künstlers selbstherrlich gesagt "also ich fand der hat schon immer scheiß Musik gemacht". JA da habt ihr es demjenigen so richtig gegeben und überzeugt, dass seine Meinung doof ist.

    • Vor 3 Monaten

      Also ich fand deine Kommentare ja schon immer scheiße. :rolleyes:

    • Vor 3 Monaten

      @jandau:
      Genau, nur weil Gary Glitter Bilder mit minderjährigem Schweinkram in seinem Besitz auffiel und Kinder mißbraucht hat, braucht man sich nicht schämen, mit einem Fanshirt durch die Stadt zu laufen. Wegen solcher Lappalien braucht sich niemand von einem Künstler zu distanzieren oder sein Fan-Dasein einzustellen. Die Musik ist ja nicht schlechter geworden.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 3 Monaten

      Yo, pumpe das Debut der Lost Prophets auch bis heute mehrmals jährlich und zwar aus vollster Überzeugung...

      Finde, dass der Sänger später in der Karriere weiblichen Single Mum-Fan*innen offen Geld dafür anbot, sich sexuell an ihren Kleinkindern und Babys vergehen und das Ganze für paar Pfund Sterling mehr vielleicht sogar filmen zu dürfen verleiht dessen selbst verfassten "Ich bemitleidenswerter, verlassen gewordener Heularsch"-Lyrics auf besagtem Album aus heutiger Sicht überhaupt erst die richtige antisoziale Würze. :)

    • Vor 3 Monaten

      ...denn es erwartet doch ernsthaft kein bewusstseinsbeschenkter Zellhaufen auf diesem Planeten wirklich noch, dass da keine der Befragten drauf einging bis es aufflog, hm? Danke. ;)

    • Vor 3 Monaten

      Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.

    • Vor 3 Monaten

      Da staunt der Sarkast und Der_Zyniker wundert sich.

    • Vor 3 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Monaten

      Ich glaube User jandau wollte eher auf Musiker wie Morrissey oder Roger Waters hinaus, v.a. weil er Aussagen und nicht nicht Taten geschrieben hat, deswegen gleich mit Kinderschändern anzukommen spricht aber für ein gesundes Mindset.

      Was ich halt nicht verstehe: warum ist es dumm bei einem Streaming Anbieter zu kündigen, wenn einem das Angebot nicht gefällt?

    • Vor 3 Monaten

      "Gesund" i.S.v. überlebensfähig gegenüber einer Spezies, die sich selbst noch immer nicht im Angesicht ihres finalen Besiedelungskapitels auf diesem Planeten wiedeerkennt?

      Verlass dich drauf. :)

  • Vor 3 Monaten

    Achso mal kurz nebenbei, hat er auch alle Songs der Gorillaz selbst geschrieben?

  • Vor 3 Monaten

    Laut aller Informationen, die ich von hohen Tierchen im Geschäft bekommen hab, wird in aller Regel nur dann ein Co-Autor erwähnt, wenn er wesentlichen Anteil am Song hatte. Um zwei-drei Songzeilen geht es dabei nicht, sondern um 25%-100% der Komposition und/oder des Textes. Kann ja sein, daß es bei der Swift etwas anders ist (was ich bezweifle), aber grundsätzlich hat Albarn mit seinen Aussagen vollkommen Recht.