Eine neue Single, ein neues Album und Arnoldine Schlageregger schielt auf den Thron.

Berlin (ynk) - Auf dem letzten amtlichen Release der deutschen Schlager-Königin Helene Fischer hat unser Rezensent sie als die Mensch-Maschine bezeichnet: Mit übermenschlicher Präzision und Zielgruppengewandheit liefert sie den Post-Musikantenstadl-Pop den Deutschland womöglich nicht braucht, aber verdient. Wie so oft stellt sich dabei die Frage: Ist das wirklich beschissen oder setze ich da Erwartungen an ein Genre, die es von vornherein nicht erfüllen will? Der Satz "irgendwas muss es ja mal richtig machen" ist ja inzwischen zurecht auch eine Phrase von und für Ed Sheeran-Apologeten geworden. Aber ein bisschen ist ja was dran. Deswegen habe ich mich vor dem Release dieser neuen Helene Fischer-Single ernsthaft gefragt: Was erwarte ich von Helene Fischer? Gibt es ein Best-Case-Szenario, das es erfüllen könnte? Wie sähe in meiner Vorstellung ein guter Helene Fischer-Song aus?

Schlussendlich ist "Volle Kraft Voraus" der erwartbare Tiefenritt durch den Weißbrot-Limbo. Das Negative zuerst: Der Text plätschert vor sich hin und bewegt sich in der emotionalen Tiefe von Oster-Grußkarten der religiösen Onkelschaft und Kaffeetassen mit nachdenklichen Bildern. "Denn jede Reise hat ein Ende / Bis die nächste dann beginnt" singt sie vor dem melodramatischen Refrain - und die Wurst hat zwei. So weit, so belanglos.

Aber trotzdem sind da ein paar Sachen, die man respektieren muss: Gerade im Direktvergleich mit einer Schlager-Branche, in der selbst die mikroskopischsten Brotkrumen an Showmanship schon zum Szene-Hype reichen, hat Fischer doch eine unbestreitbare natürliche Ausstrahlung. Und sie gibt sich Mühe. Dieses Video, der Song, der sich ein bisschen vielseitiger aufbaut, das Belting im letzten Refrain, hier steckt definitiv Ambition drin, die eigenen Fans zu unterhalten. Der Beat fächert in der zweiten Strophe immer weiter auf. Da ist ein Gefühl von Bewegung in der Produktion. Auch das Video mit der ungenutzten ESC-Bühne passt eigentlich ganz gut ins Konzept. Ja, "Volle Kraft Voraus" ist keine tiefschürfende Single, aber sie ist auch lange nicht so zynisch, wie es der Frau oft unterstellt wird. Den Willen, wirklich eine Show zu machen hat sie vielen ihrer Kollegen um Längen voraus - und auch in Sachen Stimmfarbe und Kraft gehört sie definitiv zu den Besseren.

Was macht man also insgesamt damit? Man bewahrt es isoliert auf, einigt sich darauf, nicht in der Zielgruppe zu sein und lässt den Leuten ihren Spaß damit. Ob ich mir ein ganzes Album davon geben müsste - wahrscheinlich nicht. Aber glaubt mir, wenn ich sage, dass diese Sparte zu so viel Schlechterem fähig ist.

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8 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 25 Tagen

    Yannik, biiitte eine 5/5 Rezension zum neuen Helene Fischer Albung, damit würdest du dir hier ein Denkmal setzen!

  • Vor 25 Tagen

    Die Lippen sehen mittlerweile aber ziiiiiiemlich dick aus XD

  • Vor 25 Tagen

    "Man bewahrt es isoliert auf, einigt sich darauf, nicht in der Zielgruppe zu sein und lässt den Leuten ihren Spaß damit."

    Hier nagt aber jemand sehr hart an den unausgeprochenen Gesetzen der laut.de-Kommentarspaltenkultur.

    • Vor 24 Tagen

      Finde ich auch SEHR grenzwertig. Nur weil Yannik jetzt PREISTRÄGER ist, sollte er nicht denken, dass er hier dem elitären Stiso von Ragism und den Gitarrenheinis eine Absage erteilen könnte.

    • Vor 24 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 24 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 24 Tagen

      Absolut nicht. Wobei mir auch kein User einfällt, dem irgendetwas an den Nachrichten und Rezensionen zu Yanniks Lieblingsgenre liegt. Daß er trotzdem Anderes als Hip-Hop (woran man sich naturgemäß eh schon die Finger verbrannt hat, bevor man auch nur daran denkt, einen Künstler gut zu finden) veröffentlicht, ist reinster Masochismus. Und bei solchen Ferkeleien bin ich doch gern behilflich.