Die Düsseldorfer Tonhalle stieß sich an Heinos Tourmotto. Dann griff der Bürgermeister ein.

Düsseldorf (ebi) - Heino will ab dem 27. September bis in den Dezember hinein auf große Hallentournee gehen - Pandemie hin oder her. Das Motto "Heino Goes Klassik - Ein deutscher Liederabend" stieß nun den Verantwortlichen in der Düsseldorfer Tonhalle, wo Heino am 8. Oktober auftreten soll, sauer auf.

Vorwurf der Deutschtümelei

"Wir stören uns an dem etwas tümelnden Untertitel", so eine Sprecherin gestern. Man wolle den Auftritt nicht bewerben und habe Heinos Management im Vorfeld mitgeteilt, dass "städtische Räume kein Ort für Hetze" seien, auch wenn das Konzert stattfinden könne.

"Es geht hier um die Bezeichnung eines Liederabends als 'deutsch'. Das bezieht sich dann auf die Form des Konzerts und nicht auf den Inhalt. Das ist fachlich wie politisch nicht korrekt", so Intendant Michael Becker. Man veranstalte in der Tonhalle auch keine "deutschen Symphoniekonzerte", wenn nur Brahms und Beethoven aufgeführt würden: "'Deutsch' ist prima. 'Deutsches Lied' ist sogar ein wissenschaftlich verbürgter Begriff, aber 'deutscher Liederabend' ist eben nicht richtig".

Heinos Manager dreht auf

In Heinos Camp reagierte man überrascht und beleidigt: "Welches absurde Gedankengut muss man haben, um sich am Wort 'deutsch' zu stören? Alleine eine Verbindung mit den Worten 'deutsch', Heino, und Hetze herzustellen, entbehrt jeglichen klaren Verstands", empörte sich Heinos Manager Helmut Werner, um sich anschließend doch wieder etwas aus dem Fenster zu lehnen: "Heino ist ein deutscher Sänger, der deutsche Lieder singt. Wenn das Wort 'deutsch' jetzt schon rechtspopulistisch ist, schafft Deutschland seine Identität ab. Es ist absurd, welche Dimension diese politische Korrektheit angenommen hat. Das Wort 'deutsch' gehört allen Deutschen".

Heino ist Chefsache

Heino wurde wiederholt unkritische Nähe zu rechtem Liedgut vorgeworfen. So überreichte er beispielsweie 2018 der Heimatministerin NRWs, Ina Scharrenbach, ein Doppelalbum namens "Die Schönsten Deutschen Heimat- und Vaterlandslieder", das auch Nazi- bzw. SS-Lieder enthielt. Andererseits habe sich Heino, so Manager Werner, 2019 für ein Verbot der AfD ausgesprochen.

Noch am selben Abend machte Düsseldorfs CDU-Oberbürgermeister Stephan Keller die Causa Heino dann zur Chefsache: "Ich sehe in dem Plakat von Heino keinerlei nationalistische oder ähnliche Tendenzen und teile die Kritik daran nicht". Er habe mit Intendant Becker vereinbart, dass das Konzert nun doch als "Deutscher Liederabend" beworben werde, teilte eine Stadtsprecherin mit. Der OB habe auch mit Heinos Manager telefoniert. "Wir sind sehr froh darüber und nicht nachtragend. Die Diskussion war sehr wichtig. Wir dürfen das Wort 'deutsch' nicht den Rechtspopulisten überlassen", sagte dieser mittlerweile der dpa. Ursprünglich hatte Heino überlegt, die Düsseldorfer Location zu wechseln.

Eigentlich sollte die Tournee "Heino goes Klassik – mit großem Orchester & Chor" heißen. Das geplante, große Aufgebot dürfte die Coronapandemie aber verhindern, deshalb habe man den Untertitel geändert, so Werner: "Keine der übrigen 17 Konzerthallen hat daran Anstoß genommen".

Fotos

Heino

Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Heino,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

Weiterlesen

laut.de-Porträt Heino

Nach einem halben Jahrhundert im Musikgeschäft, mehr als tausend aufgenommenen Liedern und über 50 Millionen verkauften Tonträgern wechselt der "VW …

12 Kommentare mit 93 Antworten

  • Vor 29 Tagen

    Lächerliche Auswüchse die die Political Correctness in diesem Land angenommen hat. Sobald ein Musiker sich zu seinem Land bekennt, werden mediale Hetzjagden eröffnet. Jede andere Nation würde über uns Deutsche - darf ich mich persönlich überhaupt noch als Deutscher bezeichnen oder klagt mich gleich ein Linker an - lachen, wenn sie hören, wie man hier mit unseren Land umgeht. Fahrt mal in die USA und guckt euch mal an, was da abgeht. Laut dem Zeigeist sind ja auch die Onkelz oder Freiwild rechts, obwohl sie jedes Mal die Charts anführen. Lächerlicher gehts nicht mehr. Die Gesellschaft verändert sich und das nicht zum Guten wie man sehen kann.

    • Vor 29 Tagen

      Klar, der Linksruck ist ja seit Jahren europaweit und in den Staaten zu spüren. Konsens natürlich.

    • Vor 29 Tagen

      1.000.000.000 € nur für den kampf gegen rechts von 2021-2024

    • Vor 29 Tagen

      "Laut dem Zeigeist sind ja auch die Onkelz oder Freiwild rechts, obwohl sie jedes Mal die Charts anführen."

      Gutes Argument!

    • Vor 29 Tagen

      @torqui: Das musst du dann aber auch mit den Gehältern aufwiegen, die Rechtsextreme in Polizei, Budeswehr, Verfassungsschutz etc bekommen, sonst zählt das nicht. ;-) :kiss:

    • Vor 29 Tagen

      Nee, super Argument. Kampf gegen Rassismus ist die Bekämpfung von Patriotismus, weiß man ja. Schon wieder Konsens. Rassismus ist ja eine legitime Geisteshaltung und seine Verbreitung durch die Bumsfreiheit gedeckt.

    • Vor 29 Tagen

      Aber viele Heino Fans hier, nice

    • Vor 29 Tagen

      wenn ich anhand eines bildes beschreiben müsste, wie argumentation aussieht... entweder hier:https://www.arcoflehighnorthampton.org/tem…
      oder hier https://img.huffingtonpost.com/asset/5bb1d…

      @gleepi: meines wissens werden die nur in munition und waffen bezahlt, die sie nach feierabend mit nach hause nehmen (dürfen) :confused:

    • Vor 29 Tagen

      Ich weiß nicht, ob Heino sich zu seinem Land bekennt. Ich glaub, der will einfach nur singen und irgendwie über die Runden kommen. Und je mehr Leute kommen, die gerne deutsch sind, desto voller wird Heinos Konto.

    • Vor 28 Tagen

      es ist schon ein linksruck in den vergangenen jahrzehnten zu spüren, zumindest in den meisten gesellschaften. ich würde das aber als zeichen des moralischen fortschritts werten.

    • Vor 28 Tagen

      Wenn du damit den Fortschritt eines moralischen Kompasses und von mehr sprachlichem Feingefühl meinst, dann vllt und natürlich ist das gut. Insgesamt ist doch aber seit Jahren eher zunehmender Rechtspopulismus spürbar, Skandinavien, Osteuropa, Amerika etc. Und der nicht so erfolglose Versuch, diesen als Stimme der Vernunft und der Mitte zu etablieren. Plus rassistische Strukturen in staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen etc. auch hier in Deutschland, die es ja weiterhin gibt, auch wenn das gerne negiert wird.

    • Vor 28 Tagen

      ja gut, kann auch an meiner linksliberalen filterbubble liegen. ich hoffe ja immernoch, dass der rechtspopulismus nur der aufschrei der minderheit gegen den linksruck der mehrheit ist. ich bin ein träumer, ich weiß. das mit den moralischen fortschritt, nicht nur was sprachliches feingefühl angeht und von der inhärenten heuchelei bei uns allen abgesehen, meine ich es absolut ernst. linksliberaler kompass = moralischer fortschritt.

    • Vor 28 Tagen

      Naja, für die Rechtspopulisten ist die Merkelkanzlerschaft ja aber auch schon Sozialismus in Reinkultur.
      Sehe das sehr gespalten. Das mit dem moralischen Kompass, sprachlichem Feingefühl, besserem Thematisieren von den Belangen von Minderheiten/Alltsgsdiskriminierung etc stimmt sicherlich.
      Aber rein auf Ebene von Arbeit, Wirtschaft und Sozialsystem kann von einem Linksruck mMn keine Rede sein, da sieht es eigentlich düster aus wie eh und je. Und in Sachen politischem Stimmenanteil sind die linken Parteien ja auch nicht gerade am abräumen/eher auf dem absteigenden Ast. Außer man zählt jetzt die Grünen dazu. Die haben natürlich auch ihren Anteil an Linken, aber den steigenden Stimmenanteil würde ich jetzt eher der stärkeren Orientierung in die "bürgerliche" Richtung zuschreiben.

    • Vor 28 Tagen

      Naja..... moralischer Fortschritt, was auch immer das ist, sollte nicht an politische Ausrichtungen geknüpft sein. Allein diese Annahme würde ich doch schon mal in Zweifel ziehen.

    • Vor 28 Tagen

      " Und in Sachen politischem Stimmenanteil sind die linken Parteien ja auch nicht gerade am abräumen/eher auf dem absteigenden Ast. Außer man zählt jetzt die Grünen dazu"

      Die Grünen also nicht wirklich Links genug.
      Welche Partei müßte dann deiner Meinung nach mehr Stimmanteil haben, um endlich einen merkbaren "Linksruck" verzeichnen zu können?

    • Vor 28 Tagen

      Und warum genau würdest du das in Zweifel ziehen? Kannst du das irgendwie begründen?

    • Vor 28 Tagen

      @Anatol:
      Von den Bundestagsparteien würde ich Linke und SPD als eindeutig links der Mitte bezeichnen. Die Grünen haben natürlich auch einen großen Anteil an Linken, aber da würde ich das an den jeweiligen Individualkandidaten festmachen, ob die eher links oder mittig sind. Über die ganze Partei hinweg kann man das mMn nicht (mehr) sagen.

    • Vor 28 Tagen

      Damit meinte ich, dass auch konservative Parteien in einem moralischen Konsens vertreten sein dürfen. Sonst bedeutet das nur erhöhte Gegenwehr. Im Ausschlussverfahren (so habe ich das auch nicht gemeint) ist das natürlich nicht der Fall, bspw. REP, NPD oder Teile der AfD. Hoffe, nun ist es klarer.

    • Vor 28 Tagen

      Ich kann jetzt natürlich nicht für nomanswrap sprechen, aber ich hatte das jetzt eigentlich nicht parteiengebunden im Sinne von "nur linke Parteien können moralisch im Recht sein" interpretiert sondern eher im Sinne von "das war wir (gerade) generell als linksliberal bezeichnen, ist moralisch richtig". Heißt natürlich nicht, dass konservative Parteien das nicht auch irgendwann übernehmen können oder z.T. schon tun, so wie sie halt schon immer zahlreiche Sachen, die wir heute für moralisch oder sozial selbstverständlich halten, nach anfänglich großem Widerstand übernommen haben.

      Außer natürlich du meinst das jetzt moralisch relativistisch im Sinne von "Moral ist sowieso nur das, auf was sich eine Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt einigen kann". Dann hättest du aber noch Erklärungsarbeit zu leisten, warum AFD etc. nicht mitzählen dürfen.

    • Vor 28 Tagen

      Die SPD hat sich doch eher selbst abgeschafft durch die Adaption an den konservativen, mittelständischen CDU Wähler. Dabei wäre gelebte Sozialdemokratie heute so wichtig wie selten zuvor. Sind leider längst unwählbar geworden.

    • Vor 28 Tagen

      Klar muss ein demokratisches Spektrum auch konservativ und gemäßigt-rechts erfassen. Nur werden da halt die Grenzen aufzuweichen versucht.

      Aber pscht, sonst kommt wieder die "Antifa und Sozialismus!" Keule ;)

    • Vor 28 Tagen

      Bin da bei Chris und insbesondere bei Gleep.

      Das, was vorwiegend in unseren eigenen Bubbles die letzten Jahre an linksliberalem Ruck stattgefunden hat, das konnte sich institutionell und in den althergebrachten Berufshierarchien, Unternehmungsführungen (abgesehen vom Green Image als Fassade) und Staatsstrukturen noch lange keine merkliche und lobenswerte Bande schlagen.

    • Vor 28 Tagen

      Zu dieser Diskussion möchte ich das Stichwort Preference Falsification droppen. Basically, das was Gleepy sagt. Öffentliche kommunikation etc. hui, (innerer) Systemwandel pfui.

    • Vor 28 Tagen

      Damn, Krypta schleudert den Fachterminus aus dem Schäfer*innenstab der Akademie so lässig, dass ich wünschte, bloß für 1 Tag der Hypothalamus zu ihrer Hypophyse sein zu dürfen!

    • Vor 28 Tagen

      Noch so'n Spruch und es gibt einen auf die Hypotenase!

    • Vor 28 Tagen

      Bei Hypothalamus hab ich leider immer direkt die enervierende Stimme von Käpt'n Peng im Kopf :/ Gibt's da was von Ratiopharm?

    • Vor 28 Tagen

      @Gleep
      Verdient, ich kriech schon reumütig zurück ins karge Scheckenhaus alltäglich-patientenfreundlicher Praxis-Sprache... :( :whiz:

    • Vor 27 Tagen

      Bin da voll bei euch, meine BrüderZ

    • Vor 27 Tagen

      "Gibt's da was von Ratiopharm?"
      Gute Besserung Bro! Wenn ich was für dich tun kann, lass es mich wissen. Gibt dann ein Küsschen aufs Nüsschen

  • Vor 28 Tagen

    Naja, in einem Land mit etablierter Cancelculture hätte es diese Konzerte nicht gegeben. :damn:

  • Vor 26 Tagen

    Würde man ein Konzert als "türkischen Liederabend" betiteln, käme niemand auf die Idee, daran Anstoß zu nehmen, am wenigsten die Verantwortlichen, die sonst einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt wären! Ausländer sind offensichtlich besser geschützt in unserem Land als Deutsche, denen sogar verübelt wird, das Wort 'deutsch' in einer kulturellen Veranstaltung zu verwenden. Wie zu hören ist, will die Schokoladenindustrie zum nächsten Osterfest einen Schokohasen mit einer schwarz-rot-goldenen Banderole, die die Aufschrift trägt "Echt deutscher Schoko-Angsthase", herausbringen. Wird bestimmt ein Renner!

    • Vor 26 Tagen

      Extra dafür angemeldet um diesen Blödsinn zu posten und dich als Idioten zu outen. Peinlich, einfach nur peinlich.

    • Vor 26 Tagen

      Ist ja mega verrückt, ey! Über Schwulenbars oder Bars für die Queer-Szene regt sich niemand auf, aber wenn dann jemand eine Bar nur für Heterosexuelle eröffnen möchte, gibt's plötzlich Geschrei! Wie kommt das bloß?

    • Vor 26 Tagen

      Watn Horsti, der Kurti.

    • Vor 26 Tagen

      Horst71 muss jetzt erstmal mit vor wut zitternden händen 8 cola-korn trinken und hässig die frühen onkelz hören, um darüber hinwegzukommen

    • Vor 26 Tagen

      Das mit dem "türkischen Liederabend" müsste man jedoch, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, eher einen Armenier fragen. Beim "deutschen Liederabend" hingegen ist es ja flexibel, da ist die Nation egal, die sich bedroht fühlen könnte.

      :rolleyes:

    • Vor 26 Tagen

      Hab nur drauf gewartet, dass irgendjemand sich erblödet, genau das zu posten. Die Schmauchspur der Aluhut-Hirnfürze hier scheint weitere anzuziehen...