"Redux Grunge" feiert die 90er mit Riemensandalen und Nirvana-Shirts. Die Kultband findet das Verhalten des US-Designers "hinterhältig".

Kalifornien (mis) - Die Rechteverwalter der nicht mehr existierenden Band Nirvana verklagen das Mode-Unternehmen Marc Jacobs International wegen Urheberrechtsverletzung. Dies berichtete die US-Seite TMZ am Wochenende.

Konkret handelt es sich um das von Designer Marc Jacobs in seine neue Kollektion namens "Redux Grunge" integrierte Smiley-Motiv, das vor allem auf Nirvana-Shirts Berühmtheit erlangte.

"Betrügerisch und hinterhältig"

Die Band argumentiert laut einer bereits im November eingereichten Klageschrift, dass Sänger Kurt Cobain die ikonische Illustration 1991 für eine Release-Party des Albums "Nevermind" kreiert habe und dass Nirvana "dieses urheberrechtgeschützte Design seit 1992 kontinuierlich zur Identifikation ihrer Musik" nutzen.

Jacobs' Verhalten wird als "betrügerisch und hinterhältig" bezeichnet, das der Band "irreparablen Schaden" zufüge und den Wert ihrer Lizenzvereinbarungen mit Textilpartnern mindere. Das Motiv sei als Marke geschützt und "ein erheblicher Teil der Konsumenten geht davon aus, dass jegliche mit diesem Logo verknüpften Artikel und Dienstleistungen von Nirvana befürwortet werden".

Nirvana-Shirt kostet 125 US-Dollar

Die Kollektion "Redux Grunge" will die kulturelle Bedeutung der mit dem 90s-Rockgenre assoziierten Textilien feiern. Im Falle Nirvanas ist die Ähnlichkeit offensichtlich: Jacobs' Shirtmotiv nutzt für den Schriftzug "Heaven" die legendäre Typografie des Bandnamens und tauscht im Smiley-Design lediglich die Kreuze gegen die Initialen des Modeschöpfers. Das Shirt kostet 125 US-Dollar und ist im Onlineshop bestellbar. Auch Motive des provokanten Comiczeichners Robert Crumb, Wollmützen und Riemensandalen subsumiert Jacobs unter sein Grunge-Etikett.

Eine Verbindung zwischen Nirvana und Jacobs fand bisher nur in der Zusammenarbeit von Cobains Tochter Frances Bean mit dem Mode-Mogul für dessen Frühjahrskollektion 2017 statt. Für Aufsehen sorgte damals vor allem die spätere Verunstaltung einer Billboard-Werbetafel in Los Angeles, auf der Frances Bean über ihr Antlitz die Worte "Witch! Witch! She's a Witch!" sprayen ließ. Auf die Klage von Nirvana antwortete das Unternehmen bisher nicht.

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Nirvana,  | © Motor (Fotograf: ) Nirvana,  | © Motor (Fotograf: ) Nirvana,  | © Motor (Fotograf: ) Nirvana,  | © Motor (Fotograf: )

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1 Kommentar mit 3 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Bisschen spät, sich über die Ausbeute der Marke Nirvana zu beklagen, oder? Für die Modelabels muss das Ausschlachten von alten Bands (Nirvana, Joy Division, Ramones etc.) und Nostalgie äußerst lukrativ sein, schließlich gibt's genug zahlungswillige Hipster da draußen.

    • Vor 3 Monaten

      Ersetze Hipster durch Teenager.

    • Vor 3 Monaten

      Joy Division und The Smiths sind schon die Hipster-Favoriten schlechthin, wohingegen die H&M-Kunden, die ein Ramones-T-Shirt kaufen, wahrscheinlich keinen einzigen Song der Band kennen.
      Nirvana war eine Mainstream-Band, die das hinter den Allüren des Frontmanns verstecken konnte, aber es ist nicht cool, dass Marc Jacobs das Vermächtnis Cobains zu Wucherpreisen an eine Käuferschaft von Spätgeborenen vertickt.

    • Vor 3 Monaten

      Wäre ich Marc Jacobs, hätte ich ein Parfüm namens "Teen Spirit" rausgebracht. Habe jetzt nicht gegooglet, ob es das tatsächlich gibt.