Trent Reznor und Igor Levit wenden sich ab, Jan Böhmermann ist noch unschlüssig. James Blunt fürchtet das Ende der Plattform.

San Francisco (dol) - Seitdem Elon Musk Twitter für 44 Milliarden US-Dollar gekauft hat, ist der Mikrobloggingdienst deutlich in Schieflache geraten. Werbekunden verabschieden sich seit dem reformierten Verifizierungsssystem. Mitarbeiter*innen kündigen, sofern der reichste Mensch der Welt sie nicht ohnehin feuert oder aussperrt. Und aus guten Gründen gesperrte Accounts erhalten im Namen der Redefreiheit eine zweite Chance. So ließ der Unternehmer darüber abstimmen, ob Donald Trumps seit dem Kapitol-Sturm dauerhaft gesperrte Seite wieder online gehen soll.

Über 15 Millionen Menschen beteiligten sich innerhalb von 24 Stunden an der Abstimmung. 52 % votierten für die Wiederherstellung. "Vox populi, vox dei" (Volkes Stimme ist Gottes Stimme), lautete Musks Reaktion und er stellte den Account Trumps wieder her, obwohl der nach eigenem Bekunden kein Interesse an einer Rückkehr verspürt. Am Sonntag folgte bereits der zweite Vertraute des Tesla-CEOs. Kanye West darf ebenfalls wieder twittern. Erst im Oktober hatte ihn die Plattform für seine antisemitischen Ausfälle verbannt. Zwinkernd meldete sich der Rechtsaußen-Rapper zurück.

Für weniger lustig hält Jack White die aktuelle Twitter-Politik. "Das ist ekelhaft, Elon, ein offizieller Arschloch-Move", rügt der Musiker auf Instagram die Wiederherstellung vom Account des ehemaligen US-Präsidenten, "Trump wurde damals von Twitter verbannt, weil er mehrfach zu Gewalt aufgerufen hatte. Menschen starben und wurden verletzt infolge seiner Lügen und seines Egos." Mit der Twitter-Übernahme müsse der Unternehmer Verantwortung übernehmen. "'Free Speech' ist nicht irgendein Regenschirm, der dich davor schützt", schließt der US-Amerikaner seinen Kommentar ab.

Am Sonntag hat bereits Trent Reznor seinen 1,6 Millionen Followern auf dem Mikrobloggingdienst den Rücken gekehrt. In einem Gespräch mit "The Hollywood Reporter" nannte er den Zustand der Plattform eine "Peinlichkeit". "Wir brauchen nicht die Arroganz von Milliardären, die glauben, sie können einfach irgendwo hereinplatzen und alle Probleme lösen", erklärte der Musiker von Nine Inch Nails, "Auch ohne Musk wurde Twitter zunehmend zu einer toxischen Umgebung. Für meine mentale Gesundheit muss ich da raus. Es fühlt sich nicht mehr gut an, dort zu sein."

Hierzulande zählte lange Igor Levit zu den bekannten Persönlichkeiten auf Twitter. Am 8. November löschte der Pianist seinen Account. "Ich war elf Jahre bei Twitter", schrieb er in seinem letzten Thread, "Es scheint unmöglich zu sein, alles aufzulisten, was ich hier gelernt und erfahren habe." Er habe sich "auf tiefste Weise mit der Plattform identifiziert". Schon vor der Übernahme des sozialen Netzwerks durch Musk sei die Entscheidung gereift. "Die Schleusentore für Hatespeech zu öffnen, getarnt als freie Meinungsäußerung, kommt für mich nicht überraschend, aber ist dennoch ein Schock."

Derart konsequent zeigt sich Jan Böhmermann bislang nicht. "Twitter muss sterben, damit Twitter leben kann", warb der Entertainer bereits im Juni für den Mastodon-Server des ZDF. In den letzten Wochen wiederholte er sein Angebot, ihm auf der alternativen Plattform zu folgen. Doch gänzlich loslassen von der reichweitenstarken App will der 2,7-Millionen-Follower-Mann wohl nicht. Das gilt ebenfalls für James Blunt, der am Wochenende in seiner unnachahmlichen Art befürchtete, in die Irrelevanz zu stürzen, falls das soziale Netzwerk demnächst dichtmachen sollte.

Schwartz glaubt indes an die Zukunft der Plattform. "Egal, wie Musk den Laden an die Wand fährt, Twitter hat unschlagbare USPs", schrieb er in einem Thread. Soziale Netzwerke wie MySpace oder StudiVZ seien "nicht nur deshalb 'gestorben', weil die Betreiber schlechte Entscheidungen trafen, sondern weil es attraktivere Alternativen" gegeben habe. Bei Mastodon handele es sich dagegen um eine Art "IT-Schulprojektversion von Twitter", eine Kopie "mit schlechterer Usability". Der aus der Not entstandene Hype um den Dienst erinnere ihn ein "bisschen an Panikverkäufe an der Börse".

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Jack White, James Blunt und Co

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7 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 13 Tagen

    ganz klar team jack white...
    elon hat sich zum geschwür entwickelt!!!
    der gute hätte besser mal weniger gekifft...
    aber janu, irgendwie muss ja die welt zugrunde gehen... :-)

    traurigs ist, dass ich persönlich den typen mal gut fand, aber was er jetzt abzieht und wie er mit menschen und seinen angestellten umgeht ist einfach nur pure schwäche!!!

    lieber elon, teste doch eine deiner raketten beim nächsten mal selbst...
    und bleib dann bitte auch gleich im weltall...

  • Vor 13 Tagen

    "Über 15 Millionen Menschen beteiligten sich innerhalb von 24 Stunden an der Abstimmung."

    Sicher, dass das alles Menschen waren?

  • Vor 13 Tagen

    Was heulen die Linken jetzt rum, dass auf Twitter wieder das Meinungsgleichgewicht hergestellt wird? Wahrscheinlich haben sie nur Angst davor, dass sie jetzt mit Argumenten kommen müssen und nicht einfach blocken können. Was Musk dort macht, ist Demokratie pur. Eine Gesellschaft muss alle Meinungen aushalten können. Dass Linke damit ein Problem haben, weiß man ja.

    • Vor 13 Tagen

      Du bist so ein trauriger Lappen.

    • Vor 13 Tagen

      Ein durch Erbschaft mit Goldlöffel im Mund geborener Flegel kauft eine Social Media Plattform und diktiert die Regeln ist für dich also "Demokratie pur"... In diesem Fall kann ich verstehen, warum du dich auf die Seite der Gegner der "Demokratie" stellst, aber Demokratie ist eigentlich was anderes (^:

    • Vor 13 Tagen

      Demokratie ist was anderes als was Musk da macht, aber ja, die Anarchie auf Twitter wieder herzustellen ist n guter Move.
      Im Internet kontextlos "hitler did nothing wrong" zu sagen und dafür Scheisse fliegen zu sehen, soll genauso erlaubt sein, wie "bomber harris flächenbrand" - tweets mit "gehts noch" und ähnlichem zu kommentieren, ohne dass man dafür gleich seinen account verliert, was in letzter zeit in diese richtung (und zwar nur in diese) viel zu häufig vorgekommen ist.

    • Vor 12 Tagen

      twitter war vorher ein shithole, jetzt ist es ein größeres shithole. social media in privatbesitz ist einer der größten Fehler des 21. Jahrhunderts. Fuck Twitter, Fuck Insta, Fuck Facebook.

    • Vor 12 Tagen

      Und nein, das hat auch mit Anarchie nichts zu tun, Anarchie bedeutet NICHT keine Regeln, Anarchie bedeutet keine Hierarchien. Wenn die unangenehmen Meinungen dann einfach geblockt werden, das führt zur Spaltung

    • Vor 9 Tagen

      "Im Internet kontextlos 'hitler did nothing wrong' zu sagen und dafür Scheisse fliegen zu sehen, soll genauso erlaubt sein, wie 'bomber harris flächenbrand' - tweets mit 'gehts noch' und ähnlichem zu kommentieren, ohne dass man dafür gleich seinen account verliert, was in letzter zeit in diese richtung (und zwar nur in diese) viel zu häufig vorgekommen ist."

      Das Problem daran ist aber, dass solche Dinge eben nicht von einer Mehrheit der Personen angeprangert wird, zumindest nicht in der Form, dass dadurch ein wirksamer Gegenprotest daraus entsteht. Darüber sollte es Kanon sein, dass Hitler so ziemlich alles falsch gemacht hat und es nicht zu einer Debatte stehen, ob ein Genozid oder gar ein Weltkrieg gerechtfertigt war. Die Falschheit dessen haben schon etliche Forscher aus so ziemlich allen Bereichen breit erforscht und erklärt. Nazis auf Twitter kann man durchaus das Recht zu sprechen entziehen.

    • Vor 9 Tagen

      Jetzt holt Musk auch noch andere Faschos zurück und gleichzeitig fahren Alt-Right-Accounts Diffamierungskampagnen gegen antifaschistische und linke Accounts, um die Linken von der Plattform zu vertreiben. Alles unter den Augen des Fascho-Ermöglichers Musk.

    • Vor 9 Tagen

      Im Übrigen hat Elon Musks Vater ein Kind mit seiner Stieftochter gezeugt. Stand zumindest im „Goldenen Blatt“.