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Punching Up

Auf den größeren Bühnen des Landes spielen sich derweil skurrile Szenen ab. Gunna, der für mich trotz vieler Lorbeeren nie mehr war als der langweiligste aller Young Thug-Klone, hat doch tatsächlich mit seinem Schnarchfest von einem Album The Weeknd in den Billboard-Charts abgehängt. "DS4EVER" chartete auf der Eins, "Dawn FM" musste sich mit der Silbermedaille zufrieden geben.

Das alleine lieferte schon Grund genug zur Entrüstung, aber Gunna hatte außerdem die Nerven, einhergehend mit seinem Albumrelease einen halbgaren Beef mit Freddie Gibbs anzuzetteln. Als Warnschuss schickt er seinem Album einen provokanten Tweet voraus. Auf dem Song "Poochie Gown" rappt er dann die Zeile: "I can't fuck with Freddie Gibbs / N*ggas tellin' fibs."

Der Ursprung dieses Zwists liegt bereits zwei Jahre zurück. Damals tauchte ein Video auf, das einen jungen Gunna zeigt, wie er mit einem Reporter über einen ungeklärten Mord redet, für den sein Cousin verdächtigt wurde. Der Rapper Tec, der das Video damals leakte, behauptete, es stamme aus der CNN-Polizei-Show "Crime Stoppers" und Gunna habe seinen Cousin verpfiffen. 2020 klärte Gunna das Missverständnis in einem "Breakfast Club"-Interview auf: "Yes, that's me, but that wasn't on no Crime Stoppers [...] My cousin was in a jail, a little girl got killed, and another n*gga went to court and said my cousin did it, but my cousin didn't do it. My cousin still got life for that shit, til this day." Vertretbare Reaktion.

Gibbs hatte allerdings wohl nicht richtig zugehört und kommentierte diesen Auftritt mit den Worten: "If u was on crime stoppers TV u a snitch. Ain't no way around it." Eine Aussage, die ihm Gunna, so scheint es, bis heute nicht verziehen hat. In einem weiteren kürzlich erschienen Interview mit dem "Breakfast Club" erklärt Gunna: "It came out the blue, I was rapping and his name came up and I had to let him know before it came out."

Es grenzt an Harakiri, wenn ein lyrisch so beschränkter Rapper wie Gunna einen Rapper der alten Schule wie Gibbs frontet. Gunna kam froh sein, dass er nur mit ein paar Lachern auf seine Kosten aus der Sache davonkam und Gibbs ihn nicht wirklich dafür in die Mangel nahm. So gerne ich das gehört hätte, so richtig auf Gibbs' Seite stellen kann ich mich allerdings auch nicht, weil der Ursprung des Beefs so dermaßen lächerlich und bekloppt ist. Wenn jetzt schon jemand als 'snitch' abgestempelt wird, weil er mit den Behörden spricht, um seinen mutmaßlich unschuldigen Cousin vor einer jahrelangen Haftstrafe zu bewahren, dann darf man wohl bald nicht einmal mehr die Feuerwehr rufen, wenn das eigene Haus brennt.

Das beste an dieser ganzen Geschichte bleibt Freddie Gibbs' Reaktion:

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