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Das gibts noch?

Der Fall Pablo Hasél bewegt derzeit nicht nur die Hip Hop-affinen Nachrichtenseiten. Nachdem in verschiedenen spanischen Städten Tausende auf die Straßen gingen, um für die Freilassung des katalanischen Rappers zu demonstrieren, berichten über das Thema auch die großen Zeitungen und Nachrichtenmagazine, etwa die Tagesschau. Allein in Barcelona versammelten sich um die 2.000 Demonstrant*innen, in Girona waren es sogar 5.000 Protestierende, die Rede-, Kunst- und Pressefreiheit in Spanien gefährdet sehen.

Mit Recht: Pablo Hazél wurde Anfang des Monats seiner Songtexte wegen zu neun Monaten Haft verurteilt. Er soll nicht nur zu Gewalt gegen die Polizei aufgerufen und Terrorismus verherrlicht, sondern außerdem die spanische Krone verunglimpft haben. Unter anderem nannte er den spanischen Alt-König Juan Carlos (aus guten Gründen!) einen "Mafioso", einen "Dieb" und "Parasiten".

Dass Majestätsbeleidigung, auch wenn die Majestät sich vor Korruptionsvorwürfen nach Abu-Dhabi abgesetzt hat, im 21. Jahrhundert im angeblich aufgeklärten Westeuropa noch immer unter Strafe steht, hat uns vor ziemlich genau drei Jahren schon der ähnlich gelagerte Fall von Valtrónyc vor Augen geführt.

Um seiner Inhaftierung zu entgehen, verbarrikadierte sich Hazél mit Hilfe einiger Unterstützer*innen über Tage hinweg in der Universität von Lleida. Es nützte ihm nichts: Am Dienstag wurde er dort bei einem überdimensionierten Polizeieinsatz festgenommen und ins Gefängnis gebracht.

Auf den Straßen Spaniens entlädt sich nun der Unmut über derlei mittelalterliche Gesetzgebung. Zugleich haben bisher über 200 Künstler*innen und Kulturschaffende, darunter Regisseur Pedro Almodóvar, eine Petition unterzeichnet, die eine Änderung fordert. Angeblich hat die spanische Regierung Entsprechendes schon in Aussicht gestellt - für Pablo Hazél allerdings zu spät.

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