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Black Eyed Peas-Revival, Pt. 1

Okay, hier machen wir einen harten Cut ins internationale Segment, weil ich diese Themen unmöglich ineinander überleiten kann. Aber ich habe am Anfang der Kolumne angekündigt, dass ich sehr viel über die Black Eyed Peas nachgedacht habe. Die gängige Geschichtserzählung besagt ja: Sie waren eine solide, alternative Hip Hop-Gruppe, dann kam Fergie, es gab noch ein Album und vielleicht ein paar brauchbare Songs, dann kam der Sellout aller Sellouts, und schließlich hatten sie alle so satt, dass sie die letzten zehn Jahre im Zombie-Modus als lebende Punchline wandelten.

Ich stimme damit nicht überein. Es gibt in meinen Augen genau zwei interessante und gute Black Eyed Peas-Alben, und das sind die vom absoluten Tiefpunkt. "The E.N.D." und "The Beginning". Davor? Die Black Eyed Peas als Trueschooler oder als Funk-Pop-Rap-Gruppe? Sie hatten ein, zwei okaye Songs, aber haben der Szene weniger als nichts hinzugefügt. Streicht sie aus den Geschichtsbüchern, nichts hätte sich geändert. Danach? Nur furchtbar. Ihre Flirtationen mit spanischer Musik wirken verzweifelt und schlecht, und ihr Versuch eines Comebacks mit realem Rap ist die albernste Scheiße, die ich je gesehen habe.

Ich interessiere mich ganz besonders für diesen schwarzen Tinenfleck in der Rap-Geschichte, dieser Staffelwechsel zwischen Crunk und Trap. Wenn wir heute über 2008 bis 2012 denken, denken wir an "808s & Heartbreak" und "My Beautiful Dark Twisted Fantasy", wir denken an die ersten Schritte der neuen Generation, an Drake, Kendrick und Cole. Aber wenn ich ehrlich daran zurückdenke, gibt es drei Rap-Acts, die alles dominiert haben. Pitbull, Flo Rida und die Black Eyed Peas. Es war die Obama-Ära, die Wirtschaftskrise brauchte Eskapismus oder wurde in ihrem Abflauen gefeiert, und jeder zweite Song in den Charts wollte dich in den Club nehmen.

Das färbte in den Pop ab, auf Kesha oder Gaga, es färbte in den R'n'B, auf Akon, Ne-Yo oder Usher, auf Latin, auf Jennifer Lopez, man vergesse aber auch nicht den furchtbaren "Tonight I'm Fucking You"-Song von Enrique Iglesias. Sogar in Deutschland hatten wir einen Moment mit den Atzen.

Bis 2012 wirklich jeder Trottel einmal einen Clubhit hatte, man denke an LMFAO oder das Far East Movement, hatte man den Scheiß so satt, dass es wahrscheinlich ein großer Faktor für das Aufbegehren von Rucksackrap war. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Kontext auch sehr viel von Macklemores Beliebtheit erklärt, der mit "Thrift Shop" genau daran angeknüpft hat.

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