Lisa und Simone rücken nach. Nach einer Motto-Show ohne Motto, dafür mit Homoerotik und getanzten Blowjobs, scheidet Nora Ferjani aus.

Köln (dani) - Die Live-Shows der zehnten Runde von "Deutschland sucht den Superstar" begann mit einem Stimmungskiller. Wer auch immer die schwachsinnige Idee ausgebrütet hat, mit einer Runde Rausschmisse in die diesjährige Endrunde zu starten, möge sich bitte gediegen ins Knie schießen. Deutlicher kann man kaum zur Schau stellen, was RTL auf die Anstrengungen hoffnungsfroher junger Menschen gibt: einen feuchten Scheiß.

Statt, wie in den Vorjahren die Kandidaten auszuwählen, die dann versuchen durften, das Publikum von ihrem Können zu überzeugen, schickte die Jury in dieser Staffel lediglich acht Teilnehmer direkt in die Live-Shows. Sechs weitere bekamen zwar das zweifelhafte Privileg zugesprochen, sich auf einen Auftritt vorzubereiten. Dazu, diesen tatsächlich zu absolvieren, sollten aber nur zwei kommen. Noch ehe sie einen einzigen Ton gesungen hatten, flogen vier ambitionierte Nachwuchssänger schon wieder aus der Show. Etwa 30 Sekunden lang durften Sarah Joelle Jahnel, Björn Bussler (um dessen Stimme es mir besonders leid tut), Talina Domeyer und Fairuz Fussi den ach so angesagten "Harlem Shake" hampeln, dann waren sie DSDS-Geschichte.

Gebt uns Marco Schreyl zurück!

Immerhin lag spätestens jetzt die komplette Unfähigkeit des neuen Moderatoren-Gespanns offen auf der Hand. Gedanken darüber, wie man ein heulend zusammengeklapptes Mädchen von der Bühne schafft, um reibungslos in spaßigen Unterhaltungsbetrieb zu wechseln, hatte sich offensichtlich niemand gemacht. So glänzte Nazan Eckes mit Geseiere des Kalibers "Hier geht keiner als Verlierer nach Hause", während Soap-Darsteller Raul Richter – übrigens erstmals ein Moderator, der in seinem grellroten Anzügle schlimmer angezogen erschien als das Teilnehmerfeld – ungeschickt die vierzehnten, dreizehnten, zwölften Sieger und die schluchzende Elfte aus dem Weg komplimentierte. Ja, man konnte deutlich sehen, dass sich Fairuz als Gewinnerin fühlte. "Es ist alles in Ordnung." Einfühlungsvermögen, dein Name lautet Nazan Eckes. Im Team mit Improvisations-Legastheniker Richter: Das kann ja heiter werden. Spätestens nach dem dritten mühselig vom Blatt abgelesenen Witzchen wünsche ich mir verzweifelt Marco Schreyl zurück.

Tränen zum Auftakt

Ein tränenreicher Zusammenbruch zum Auftakt. Heißa, da kommt Freude auf. Immerhin: Danach musste es aufwärts gehen. Tat es schlagartig auch: Susan Albers, ohne jeden Zweifel die stärkste Sängerin in der diesjährigen Konkurrenz, brillierte mit "All By Myself". Die Dame kann Klavierspielen, und sie kann singen, dass es einem die Socken auszieht. Zwar geriet der Einstieg für meinen Geschmack eine Spur zu gehaucht. Dann drehte Susan jedoch auf und intonierte diese Riesennummer, als handle es sich um das Leichteste der Welt. Reife Leistung, wie auch die Jury anerkennend bemerkte.

Die stärksten Auftritte neben Susan legten Ricardo Bielecki, Tim David Weller und der glücklich nach-nominierte Simone Mangiapane hin. Ricardo Bielecki bekam zwar nicht, wie Susan einen Flügel, sondern nur Schröders Spielzeugklavier bereit gestellt. Er spielte und sang sich allerdings trotzdem prächtig durch Elton Johns "Your Song". "Ein eisenharter Favorit", befand Dieter Bohlen. Hoffentlich behält er Recht.

Tim David Weller gab "Here Without You" - eine scheißlangweilige Nummer, zwar, die Tim dennoch seinen großen Trumpf ausspielen ließ: Wie passt nur diese Stimme in einen so schmächtigen Bengel? Tim sang, dass es einen sein schauderhaftes Englisch vergessen ließ. Bleibt zu hoffen, dass der Junge seine Nervosität weiterhin einigermaßen im Griff behält. "Jeder muss einen Weg finden, damit fertig zu werden", kam Schützenhilfe von Tom Kaulitz, und auch Papa Bohlen bot väterlichen Rat an. Weiter so!

Simone Mangiapane nicht nach Hause zu schicken: eine offensichtlich gute Idee. Er beschloss den Abend mit einer Präsentation von "End Of The Road", gut gesungen, ohne jeden Firlefanz, dafür mit beachtlicher Präsenz. "Ich muss bei dir immer strahlen", befand Juror Bill Kaulitz.

Kompliment an die Jury

Ein Kompliment, dass man dreifach zurück geben möchte: Auch, wenn er diesmal das Kostüm aufzutragen schien, dass David Bowie als Koboldkönig in "Die Reise ins Labyrinth" trug und man jeden Moment damit rechnete, Bill würde anfangen, mit Glaskugeln zu jonglieren: Der Junge und sein Zwilling zeigen sich derart bodenständig, aufgeschlossen und den Kandidaten freundlich zugewandt, dass es eine einzige Freude ist. Hier wird niemand niedergemacht. Kritische Worte: Ja, doch stets in Verbindung mit guten Ratschlägen und Tipps zur Verbesserung. So sollte es immer sein. Auch Culcha Candelas Mateo äußert sich unverblümt, aber fair. Sieht schwer danach aus, als stehe Dieter Bohlen in diesem Jahr alleine da, wenn es darum geht, unter Gürtellinien zu zielen. Das macht gar nichts.

Willkommen bei Carmen Nebel

Beatrice Egli gab "Ich Liebe Das Leben" zum Besten. An ihrer Gesangsleistung blieb wirklich überhaupt nichts auszusetzen. Allerdings ist das – wie nicht nur Mateo sauer aufstieß – diesmal wirklich beinharter, völlig ironiebefreiter Schlager ohne jedes Augenzwinkern. "Eine Inszenierung wie bei Carmen Nebel, 1985", krittelte der Culcha Candela-Mann mit Recht – nur, dass dort niemand live singt. Insofern: Punkt für Beatrice. "Richtig schön kitschig", lobt Bill Kaulitz die Konsequenz der Kandidatin, ihre Liebe zu ihrem Genre und ihre Authentizität darin.

Getanzter Blowjob

Maurice Glover setzte sich mit "Whistle" als bester Tänzer im Feld in Szene. Wie ein Großer tanzte er mit den knapp bekleideten Tänzerinnen und kassierte entsprechend Lob für die professionelle Performance. Allerdings lieferte ihm Flo Ridas Instruktionen zum Blowjob wenig Gelegenheit, seine gesanglichen Fähigkeiten zu zeigen. Da geht bestimmt noch mehr.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!

Die ebenfalls glücklich nachgerückte Lisa Wohlgemuth gab zu Protokoll, "den Leuten im Westen" zeigen zu wollen, dass es auch "die aus dem Osten" draufhaben. Hurra. Die Mauer steht also sogar in den Köpfen derer, die nach ihrem Fall geboren wurden, noch bombenfest. Egal, mit "I'm Like A Bird" gab Lisa dennoch zwar keine beeindruckende, wohl aber eine grundsolide Vorstellung. "Wir haben bei dir einen Fehler gemacht. Du gehörst definitiv in die Top acht", stellte Dieter Bohlen seine zuvor getroffene Entscheidung in Frage.

Wie Amy - in stockbesoffen

Ja, vielleicht hätte er sich mal nicht von der Optik blenden und stattdessen lieber Nora Ferjani außen vor lassen sollen: Sie versuchte sich an Amy Winehouse' "Back To Black" - und klang, obgleich sie besser aussah, original wie diese. Bei einem ihrer komplett besoffenen Auftritte. Kein Hochgenuss, wahrlich nicht. "Amys Schuhe sind zu groß für dich", stellte Mateo richtig fest. "Geht gar nicht", so Bohlen.

Dreiecke und Homoerotik

Ebenfalls ziemlich daneben: Timo Tiggeler. Er wollte sich mit "Viva La Vida" als Rampensau profilieren. Die Nummer passte allerdings gar nicht zu ihm. Besonders im direkten Vergleich mit Susan Albers, der er nachfolgte, wirkte Timo extrem bemüht. Immerhin: Er bekam hippe Dreicke für sein Bühnenbild.

Welches Schwulenmagazin allerdings die Kulisse für den Auftritt von Erwin Kintop ersonnen und gesponsort hat, wüsste ich wirklich gerne. Nix gegen gepflegte Homoerotik, aber was hatte das denn bitte mit Erwin oder seinem Titel "Next To You" zu tun? "Ich glaube, das kannst du viel besser", tröstete Bill den sichtlich von sich selbst enttäuschten Schüler. "Zur Abwechslung muss ich Mateo Recht geben", stichelte auch Zwillingsbruder Tom. Einigkeit am Jurytisch: "Die Black Music-Abteilung passt nicht zu dir."

Aus dem Dschungel zu DSDS

Die Kandidaten sitzen mittlerweile zwischen ihren Auftritten nicht mehr auf einem Sofa im Hintergrund, sondern werden hinter den Kulissen in einer "Lounge" aufgeräumt. Dort schmierte Olivia Jones Schnittchen, diente als Perückenständer für eine aus einem orangenen Schaumstoff-Block geschnitzte Frise und lieferte einen interessanten Hinweis darauf, wie sich die Zeiten geändert haben: Landeten früher abgehalfterte DSDS-Kandidaten im Dschungelcamp, darf die Casting-Show nun die Zweitplatzierte von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" auftragen. Welche Show sich da auf dem auf- und welche sich auf dem absteigenden Ast befindet, möge sich jeder selbst ausrechnen.

Zügige Urteilsverkündung. Danke.

Schlimm, schlimm, schlimm: das neue Moderatoren-Doppel. Eine wohltuende Änderung erfuhr dagegen die Verkündung der Entscheidung, wer am Ende gehen muss. Zum einen erfolgt sie nicht erst im Rahmen einer extra "Entscheidungs-Show" mitten in der Nacht. Man muss sich also nicht erst noch eine Stunde lang durch ein miserables Comedy-Programm quälen. Danke dafür. Zum anderen verkündeten Nazan Eckes und Raul Richter die Urteile geradezu rasant: "Du, du und du: Ihr seid alle weiter." So geht’s also auch: Ruckzuck winkten sie Erwin, Lisa, Beatrice, Susan, Timo, Ricardo, Simone und Tim David in die nächste Runde. Am Ende zitterten noch Maurice und Nora, aber das auch nicht lange. Für Nora Ferjani geht die Reise in der ersten Motto-Show zu Ende.

Moment mal: Motto-Show?

Motto-Show, da war doch noch was: Das Motto zu erwähnen, hielt übrigens niemand für nötig. Es lautete "Mein Star", behauptet zumindest der RTL-Teletext. Aber da sich seit Jahren niemand um das gewählte Banner zu scheren scheint: im Grunde nur konsequent, es gleich unter den Tisch fallen zu lassen.

Fotos

Culcha Candela und Tokio Hotel

Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Culcha Candela und Tokio Hotel,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

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28 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Cafi
    Habe ich auch mal 3 Jahre so gemacht - war ne schöne Zeit. Aber ich sehe halt auch gerne Nachrichten, Kultur- und Natursendungen, auch gerne mal Sport - und mit der heutigen Sendervielfalt kriegt man auch häufig was ordentliches geboten - natürlich sollte man sich dabei von Opfer-Sendern wie RTLII, Pro 7 und Co fernhalten.

  • Vor 6 Jahren

    Diese Showkonzepte wird es auch noch geben, wenn wir alle alt und grau sind. Nur dann wird aus DSDS halt irgendein anderer Ranz, aber das Niveau bleibt gleich.
    Bin diese Woche krank und zappe aus lauter Langeweile durch alle Kanäle. Es wird einem angst und bange, wenn man sich diese Pseudo-Reality und diesen Koch-Kack reinzieht. Ich würde mich gern immer wieder blitzdingsen, wenn ich da mal 3 Sekunden reingeschaut habe! Aah! ein 3-Stunden-Bericht über den Rhein, zurücklehnen und genießen...

  • Vor 6 Jahren

    Hoshi
    Aight, wähle Dein Programm sorgfältig aus, halte dich an öffentliche Sender und hochwertige Formate und lass das ekelhafte Massenhypnose-Verdummungs-Programm weg.