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Udo Dirkschneider

Auch 2021 wird es eventuell noch keine Konzerte geben - hast du noch Durchhaltewillen oder denkst du schon über einen Berufswechsel nach?

Udo Dirkschneider: Über einen Berufswechsel denke ich mit Sicherheit nicht nach. Ich bin in der glücklichen Lage, genug zu tun zu haben. Wir arbeiten fleißig an neuen Songs, das hält einen wach. Im Sommer soll das neue Album rauskommen. Außerdem habe ich jetzt auch die Muße und die Zeit, weiter an meinem Buch zu arbeiten. Richtig langweilig wird mir nicht. Unsere Tour 2021 durch Europa, Russland und die Ukraine ist gebucht. Ich hoffe, dass sie stattfindet.

CTS Eventim brachte jüngst ins Spiel, den Konzertbesuch an eine Impfung zu knüpfen. Der Ethikrat erteilte jeglichen Privilegien für Geimpfte eine Absage. Wie stehst du dieser Thematik gegenüber?

Einen Impfnachweis halte ich für grenzwertig. Das geht in Richtung Privilegien und Zweiklassen-Gesellschaft. Das wird ja auch fürs Fliegen überlegt. Das halte ich nicht für gut. Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Mal schauen, wie lange es noch dauern wird.

Verschwörungstheorien haben Konjunktur. Obwohl Umfragen zufolge eine Mehrheit der Bevölkerung die Maßnahmen der Politik stützt, bröckelt die Zustimmung zu Maskenpflicht, Impfnotwendigkeit und harten Lockdownregeln. Gehen auch in deinem Freundeskreis die Meinungen auseinander?

Eigentlich überhaupt nicht. Wir diskutieren natürlich manche Dinge. Einige Entscheidungen leuchten mir nicht ein. Wenn zum Beispiel die Frisöre öffnen, müssten doch auch die Restaurants öffnen dürfen. Die haben doch gute Hygienemaßnahmen entwickelt. Natürlich möchte die Regierung die Kontakte der Menschen unterbinden, damit die Zahlen runtergehen. Wirtschaftlich gesehen, ist der Lockdown aber eine Katastrophe. Im Musikbusiness ist das eine Katastrophe hoch 18. Warum muss der Lockdown ganz Deutschland betreffen? Es gibt mittlerweile Regionen, da könnte man wieder aufmachen. Die Impf-Geschichte haben sie auch verpennt. In Deutschland hapert es auch an der Digitalisierung. Es sind nicht alle Gesundheitsämter miteinander vernetzt. Und für die Auszahlung der Überbrückungsgelder musste erst eine neue Software installiert werden. Da fragt man sich: 'Leben wir in Deutschland im Mittelalter?'

Welche Lehren ziehst du für dich aus dieser historischen Zäsur? Hast du dich als Person verändert?

Dirkschneider: Ich glaube, ja. Ich habe gelernt, den menschlichen Kontakt wieder zu schätzen. Ich nehme ihn bewusster wahr. Ich habe auch gemerkt, wie wichtig Freiheit ist. Derzeit fühle ich mich in meiner Freiheit schon eingeschränkt.

Der Sänger gründete 1968 die Band X, die 1971 in Accept umbenannt wurde. Accept feierten als Speerspitze des deutschen Heavy Metals in den 80ern weltweite Erfolge. 1987 gründete Udo Dirkschneider seine eigene Band U.D.O. und kehrte später bis 2005 auch wieder zu Accept zurück. Im vergangenen September spielten U.D.O. in Bulgarien ein Konzert, das am 19. März unter dem Titel "Live In Bulgaria 2020 - Pandemic Survival Show" auf CD etc. veröffentlicht wird.

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