Casper fragt sich, wie er einmal auf die Dinge zurücksehen wird. Sein Fazit: "Alles War Schön Und Nichts Tat Weh".

Eine Insel (ynk) - Casper hat es eben doch drauf, ein bisschen Event aus einem neuen Album zu generieren. In der Szene, in der Album nach Album eher Pflichtschuld als Freude ist, muss man dem Mann doch lassen, dass er zu den wenigen Leuten gehört, die wirklich jedes Projekt neu einkleiden und mit eigener Ästhetik versehen. "Alles Ist Schön Und Nichts Tat Weh" also heißen seine neue Single und das dazugehörige Album. Einmal mehr bekommen wir nicht weniger als das allergrößte Pathos:

Großspurig erheben sich orchestrale Piano-Hits und Streicher über Casper-typische "Eh-eh"-Vocal-Samples. Es klingt opulent und detailverliebt, was er da an Produktion auffährt. "Ich wurd's leid, meine Zukunft zu diskutieren / fing an, meine Freunde zu ignorieren", baut er in einem großen Refrain auf. "Ich explodier', renn' zu dir", sagt er dann. Es erinnert daran, dass Casper zum Release von "Lang Lebe Der Tod" verriet, sehr viel Post Rock zu hören: definitiv einer der prägenden Einflüsse auf das neue Sounddesign, die Instrumentierung, das große Anschwellen zum Chorus, die sehr melancholischen Melodien.

Das funktioniert musikalisch dahingehend sehr gut, dass der Song sehr viel ambitionierter wirkt, als was man sonst so im handelsüblichen Deutschrap dargeboten bekommt. Trotzdem nimmt Casper auch ein paar der negativen Klischees des Genres mit, die in ihren schönen, aber etwas abgestandenen Soundideen die Bedeutungsschwere per Geburtsrecht beanspruchen. Der Text erscheint ein bisschen wirr, man weiß nicht so recht, worauf er jetzt ästhetisch oder thematisch hinaus will. Für einen Song über Abgrenzung und Depression klingt das alles ein bisschen zu euphorisch. Aber wer weiß? Vielleicht gibt das Album da noch Kontext.

Auch das Video erklärt wenig. Ein vielsagend in den Raum gehauchtes "Me-ta-phern", aber neben dem opulenten Look wird jetzt auch nicht viel neue Bedeutungsebene aufgemacht. Mit einem "Midsommar"-Referenz-Shot zu Beginn sehen wir Casper im Blumenmeer, gefesselt, auf einer einsamen Insel im Meer, die ein Tsunami wegfegt - dann aber doch nicht - und am Ende wird Casper von Gewürm und schwarzen Ranken verschlungen.

Sicherlich stehen ein paar Oberstufen-Deutsch-Referate über den Tiefgang dieses Moments zu erwarten. Aber, naja, man sollte ja auch nicht zynisch sein. "Alles War Schön Und Nichts Tat Weh" ist am Ende ein sehr wohlklingender und ehrgeiziger Comeback-Song, der zeigt, dass man zumindest jemanden mit Caspers kreativer Ambition im Deutschrap-Mainstream ein bisschen vermisst hat. Das Album erscheint am 25. Februar. Bis dahin gibt es auch bestimmt schon einen Interpretations-Kanon, was hier passiert.

Fotos

Casper

Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Casper,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger)

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laut.de-Porträt Casper

"Sieh die vergessenen Kids, eine betrogene Jugend, Interesse für nichts / Wieder Sechs in Physik / scheiß drauf, lässiger Blick, Messer gezückt / …

12 Kommentare mit 34 Antworten

  • Vor 5 Tagen

    Erster part geht schön ins herz, hach

  • Vor 5 Tagen

    Eines der größten verschwendeten Talente im Deutschrap setzt konsequent seinen Weg fort. Nach dem Song freue ich mich sehr auf's kommende Glasperlenspiel Feature, meine Wandtattoo braucht 'ne Auffrischung.

    • Vor 4 Tagen

      Naja, er hatte seinen Hype. Ich hab diesen eher nie verstanden, trotz Sympathie aufgrund der gleichen Provenienz. Als Rapper ist der mir zu gekünstelt und anstrengend. Und das Indierap Ding war auch nur was für Feuilleton und Teenies.

    • Vor 4 Tagen

      Ich fand den bis einschließlich XOXO wirklich sehr, sehr gut. Die Stimme, die Flows, die Sprachbilder - das war in D schon ziemlich einzigartig. Hin zur Sonne war ein wirklich gutes BoomBap Album, und auch XOXO hat mir sehr gut gefallen. Der Style is halt durch heute, aber damals hat mich das schon gekickt. Und Songs wie Michael X kriegen mich heute auch noch.
      Aber Hinterland ging´s dann halt leider rapide bergab...

    • Vor 4 Tagen

      Er ist einfach ein ziemliches Unikat, was die Klangfarbe seiner Stimme angeht (auf eine gute Weise, anders als etwa Lunafrow) und kann unheimlich kreative Texte schreiben. Allerdings kam ihm dann wie Jay Z sein "moment of clarity" und "I've dumbed down my lyrics, yet they all scream 'holla'"

    • Vor 4 Tagen

      Tahaha, geil, danke für die Erinnerung an Lunafrow! Muss mal wieder meine alten Frankfurt-Tapes rauskramen.
      Und ja, das Jigga Zitat bringts ziemlich auf den Punkt, wobei ich es nicht nur lyric-wise, sondern auch musikalisch bei Cas inzwischen wack finde.

    • Vor 4 Tagen

      XOXO hätte ich feiern müssen, als alte Rocknudel. Plus der Ex Schlagzeuger meiner Gütersloher Lieblingsband hat produziert. Aber ich fand es einfach anstrengend as fuck und total konstruiert. Handwerklich war das allerdings gut und neu, das stimmt.

    • Vor 4 Tagen

      Lunafrow kenn ich nur vom Roey Marquis Tape, glaub ich

    • Vor 4 Tagen

      Den Jay Z Moment haben ja fast alle ehemals guten Deutschrapper gehabt. hat nur irgendwie kommerziell seltenst funktioniert. Wieder besser geworden sind se allerdings auch nicht.

  • Vor 5 Tagen

    Wieder mega gefühlvoll der Ben, spricht einem echt krass aus der Seele.

  • Vor 5 Tagen

    Der einzige deutsche Hiphoper der Hallentouren voll bekommt, wo die Halle auch mal mehr als 5.000 beseelte Sesselpuppser, auf ein wirkliches Konzert freuen können und dementsprechend ihren Hintern hoch bekommen. 2022 Livemuckern kann los gehen..........

    • Vor 4 Tagen

      Du wirst in Stadien bejubelt -
      Mir egal, macht mir nichts -
      Ich krieg die kleinen Läden voll
      Und alle dort hassen dich!

    • Vor 4 Tagen

      Meuri ist halt auch der Typ Mensch, der Geilheit an Radiorotation festmacht. Sieht man ja auch daran, dass er Queen und Abba feiert.

    • Vor 4 Tagen

      hai, warst du nicht immer der, der auf der relevanz rumgeritten ist? mh?

    • Vor 4 Tagen

      Ganz dünnes Eis, wrapi. Craze mit den Unzulänglichkeiten zu konfrontieren, die er anderen vorwirft ist das oberste Verbot auf laut.de. Nicht, dass du am Ende noch isoliert wirst.

    • Vor 4 Tagen

      Naja, aber RELEVANZ ist halt was Anderes, als nur Schrottacts abzupersern die Stadien füllen, oder siehst Du das anders?

    • Vor 4 Tagen

      na was ist denn relevanz? beliebheitheit bei kirtikern, download-zahlen, vorkommen in spotify playlists,...?

    • Vor 4 Tagen

      Eine gewichtete Mischung aus diesen Sachen und weiteren wie etwa Einfluss auf andere Künstler oder sogar auf die gesamte Kunstrichtung

    • Vor 4 Tagen

      Natürlich ist Relevanz auch immer irgendwie kommerziell begründet, also halt dahingehend, dass zumindest IRGENDWER deinen Mist hören wollen sollte, aber sobald man Stadien füllt, schlägt das doch meistens in die Richtung um, dass es halt konturlose Konsensmucke ist, gleichermaßen für Bärbel am Bügelbrett und Stephan im Sessel mit dem PET in der Flosse geeignet. ;)

    • Vor 4 Tagen

      Denke genauso wie Verkaufszahlen oder Chart-Platzierungen kein Indiz für Qualität sind, sind dies auch stadienfüllende Bands / Künstler nicht zwingend.

      Oft ist es ja auch so, dass wahnsinnig tolle Bands (z.B. die frühen Coldplay) erst später - nach bekanntwerden und Apple-Werbetracks - Stadien füllen. Was die ersten beiden Alben ja keinen Deut schlechter macht.

    • Vor 4 Tagen

      Danke für diesen nichtssagenden Allgemeinplatz, lieber lautuser. ;)

    • Vor 4 Tagen

      Ein Popakt der nur Kritiker erreicht, ist nicht relevant!

      Ein Popakt der nur sein Publikum erreicht, hat zwar Reichweiten Relevanz, aber ohne positive Kritiken verläuft es sich (meist).

      Ein Popakt der beides in gesunder Mischung hat, nämlich ein Publikum und die Kritiker, dessen Karriere hat Relevanz.

      Caspar war und ist meine Behauptung hat das, nämlich eine Karriere wie kein zweiter im deutschen Hiphop. Klar es gibt noch andere, aber es gibt nur einen Casper. Viel vergleichen tu und kann ich da auch nicht, da ich das an ihm selbst festmache, einmal gesehen bisher in der Festhalle in Frankfurt, nicht ganz voll.

      Casper hat Ausstrahlung über den üblichen eingeübten Standart hinaus. Seine Show lebt vorallem von ihm selbst, nix groß Tänzer, nix Bühnenaufbau, relativ überschaubare Lichteffekte.

    • Vor 4 Tagen

      Dieser Kommentar wurde entfernt.

    • Vor 4 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Tagen

      Haha, nice, Speedi löscht Fakes, Props! :)

    • Vor 4 Tagen

      Lauti bleib bei deinem Nick, Mongo hat sich schuldig gemacht und zwar dem Nickhopping. Bei Weinbau weiß man wenigstens was dir das Brain wegbretzelt.

    • Vor 4 Tagen

      Muss Speedi in sofern beipflichten, als dass Casper tatsächlich einer der besten Live-Acts war, die ich bisher erleben durfte. Das letzte mal war allerdings ganz kurz vor XOXO, so 2010 oder 2011, wie es heute ist, kann ich nicht sagen. Aber damals war Killer. Nocht mit Kraftklub im Vorprogramm, bevor deren erstes Album rauskam. Selbst die haben abgerissen, obwohl ich mit denen sonst gar nicht kann...

    • Vor 4 Tagen

      Bin da auch beim Captain, möchte aber CAPSis Einwurf der "gewichteten Mischung" nochmal betonen... Ob jemand live außerordentlich gut war/ist, hat schon einen Einfluss auf die aktuelle Relevanz, aber keinesfalls in alles entscheidender Weise.

      Gueldis Einwurf Kraftklub sind da ein gutes Beispiel. Bei denen zeichnete sich imo schnell ab, dass die als Band sehr viel Wert auf ihre Live-Darbietungen legen würden, an denen sind sie gewachsen und mit denen sind sie immerhin überhaupt erst ins kollektive Bewusstsein gedrungen. Wenn du aber andere Bereiche eher schleifen lässt und nicht jedes halbe Jahrzehnt oder so bissl brauchbare neue Musik veröffentlichst... Na ja. Der Kraftklub-Weg sollte ja anscheinend so ein bisschen der nachgelaufene Beatsteaks-Weg werden, den auch die Donots gehen wollten. Die haben beim Aufstieg der Beatsteaks sehr genau hingeschaut und sind so nur kurz nach den Beatsteaks zeitweise zur "ZWEITbesten deutschsprachigen Live- und Festivalband" erklärt worden... Auf diesen Ruf kam dann erst mal nichts nennenswertes außer ca. 500 Liveshows in den Folgejahren und heute halten sich die Donots dadurch im Gespräch, dass sie behaupten, deutlich relevanteren und zukunftssichereren Bands wie Turnstile ins Moshpit zu scheißen, aber in Zusammenhang mit (neuer) Musik hab ich den Namen Donots jetzt schon knapp länger nicht mehr von irgendwem genannt bekommen als die von gueldi vorhin benannten Kraftklub.

      Weswegen meine Prognose lautet, dass es am Ende nicht der Weg der Beatsteaks sondern der der Donuts ist, den Kraftklub gegangen sein werden.

  • Vor 4 Tagen

    Frage mich immer wieder was ich auf dieser Seite verloren habe????

  • Vor 4 Tagen

    löschi löschi, hm? :) Dann eben hier nochmal für alle: WeinbauMC ist ein unlustiger und extrem erwachsener und souveräner Suchti-Fake. Bitte bei Sicht melden/ignorieren/löschen etc, hm? Danke.