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Nura - "Weißt Du, Was Ich Meine?"

Worum geht's?

Eine junge Frau blickt auf ihr zwar noch recht kurzes, aber doch schon ungeheuer bewegtes Leben zurück. Das führte sie von Kuweit über Wuppertal nach Berlin und währenddessen - wieder einmal spoilert der Untertitel - "vom Asylheim in die Charts". Müsste man diese Geschichte, eigentlich das klassischste From-rags-to-riches-Motiv, mit einem Wort überschreiben, es lautete: "Trotzdem". Nura hat erreicht, was sie erreicht hat, obwohl ihre Ausgangsbedingungen alles andere als rosig waren. Das macht nicht nur die Story interessant, sondern erhebt auch die Hauptperson zu einem Rollenvorbild. Wie dringend nötig, hilfreich, geradezu lebensrettend solche Role Models gerade für unterprivilegierte, drangsalierte Maurblümchen sind, weiß wahrscheinlich niemand besser als Nura selbst. Sie kennt sich aus mit Ausgrenzung, gehörte von frühester Kindheit an nie irgendwo richtig dazu. Im Grunde sehr verständlich, dass sie irgendwann aus der Not eine Tugend machte und ihr Außenseitertum zu Rebellion ummünzte. Nura wurde Punk (geht nicht!), Rapperin (geht gar nicht!), trank und kiffte und outete sich obendrein als bisexuell (geht ganz und gar und überhaupt nicht, in den Augen derer, die sich für die Hüter von Anstand und Sitte halten): alles Schritte, die Eltern-Kind-Beziehungen schon auf die Probe stellen, ohne dass noch Gefühle von Entwurzelung und der ständige Spagat zwischen zwei Kulturen hinzukommen. Auch wenn sie über die wirklich interessanten Stellen oft etwas eilig hinweghudelt und viele Entwicklungen nur berichtet, statt sie nachvollziehbar zu erklären, ringt einem ihr Durchhaltevermögen Respekt ab. Ihre Geschichte selbst ist ohnehin spannend genug.

Wer hat's geschrieben?

Nura Habib Omer kam als eine Hälfte von SXTN zu Ruhm und Ehren und ist seit dem Split des Rap-Duos solo als Sängerin und Rapperin unterwegs. Die Süddeutsche Zeitung adelte sie (erheblich übertrieben) zur "Königin des deutschen Rap". Diese Einschätzung muss man nicht teilen, um die An- und Einsichten einer schwarzen, bisexuellen Frau mit starken Überzeugungen und Haltung interessant zu finden, die es aus einer finanziell klammen muslimischen Einwandererfamilie in der deutschen Provinz heraus auf die großen Bühnen der Republik geschafft hat. Beim Schreiben ließ sich Nura von Musikjournalist Jan Wehn unterstützen. Der offeriert seine Hilfe jedoch nur sehr dezent, sein Name findet sich lediglich im Kleingedruckten.

Wer soll's lesen?

Kleine arme, schwarze, queere Mädchen auf der Suche nach einem positiven Rollenvorbild. Außerdem alle anderen, um die Wichtigkeit solcher Rollenvorbilder zu begreifen.

Das beste Zitat:

"Einer der ersten Texte, die ich schrieb, war 'Ich Bin Schwarz'. Ein selbstbewusster Song, der mir superwichtig war. Ich wollte schon seit Jahren einen solchen Song schreiben. Einen, in dem ich nicht traurig darüber bin, dass adere die N-Bombe droppen oder die Leute ständig Vorurteile haben. Sondern einfach einen Song, in dem ich das verarsche. Was nicht heißt, dass ich cool damit bin, sondern dass ich anders damit umgehe. Das Thema Rassismus war beim Texte schreiben das erste, woran ich dachte."

Wertung: 4/5
Text von Dani Fromm

"Weißt Du, Was Ich Meine?"*

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