laut.de-Kritik

Vom Älterwerden, von Lügen, Angst und Mutlosigkeit.

Review von

Drei Sänger, drei Songwriter, drei Perfektionisten – üblichen Popnormen zufolge hätte die Geschichte von Menomena längst enden müssen. Tut sie zum Glück nicht, im Gegenteil: Sie schreibt immer neue Kapitel.

"Mines" ist bereits das vierte Album der Portlander Brent Knopf, Justin Harris und Danny Seim. Und es ist zugleich der offensive Beweis, dass Gleichberechtigung und Kompromissbereitschaft keineswegs in die middle of the road führen müssen. Dass Ausdauer und Geduld - im vorliegenden Fall zwei Jahre unterbrechungsfreie Produktion – oft jede Mühe wert sind.

"Es scheint, je älter, desto polarisierter werden wir", reflektiert Harris. Paradoxerweise offenbart sich "Mines" dennoch als Menomenas bislang homogenstes Werk. Trotz unterschiedlicher Popsozialisationen von Reggae über Rock bis hin zu avantgardistischem Noise gelingt es, die vereinheitlichende Patina der Sentimentalität über die Songs zu legen. Resultat ist ein emotional überraschend erwachsener Langspieler.

Das eigene Vokabular behält die Band generell bei. Neben verstärktem Horn- und Klaviereinsatz vertraut sie wieder auf Danny Seims schief bis offbeat getrommelten Versmaße. Dem Hörer gibt man sich hingegen unzugänglicher als auf dem Weird-Pop-hittigen "Friend And Foe", weil dessen akustischer Kontrastreichtum fehlt. Und ohne Hang zum Überschwänglichen brauchen die Melodien länger zum Haften.

Dabei führte eine neue lyrische Tiefe die drei Songschreiberfedern. Menomena singen nun vom Älterwerden, von Lügen, Angst und Mutlosigkeit, wirken autobiografischer und unchiffrierter denn je. Kurz: Sie sind inhaltlich nahbarer, vom Leuchtturm Pop aus betrachtet aber fordernder.

"Mines" verlangt, vertrauensvoll in Vorkasse zu gehen, wenn der Albumeinstieg nicht gleich überwältigt wie der seinerzeitige Indieschlager "Muscle'n Flo". Auch "TAOS" könnte dem ein oder anderen Anhänger trotz Catchyness in seiner Kings Of Leon-Bluesigkeit aufstoßen. Hier braucht es definitiv Zeit zur Entfaltung. Viele Stücke bilden erst im Gesamtzusammenhang das große Ganze, das auch die Nr. 4 wieder geworden ist.

Aufgelöst wird die abgedunkelte Rätselhaftigkeit nämlich erst gen Ende, in der epischen Hymne "Sleeping Beauty", dem rührenden "Intil" und der grandiosen Paper Chase-Piano-Ode "Five Little Rooms", wenn Danny Seim singt: "All this could be yours, someday". Die Zeile wirkt im Weitwinkel wie ein Appell an den Zuhörer, doch bitte nicht vorzeitig aufzulegen. Das hier will Stück für Stück erobert und darüber ernst genommen werden.

Trackliste

  1. 1. Queen Black Acid
  2. 2. TAOS
  3. 3. Killemall
  4. 4. Dirty Cartoons
  5. 5. Tithe
  6. 6. BOTE
  7. 7. Lunchmeat
  8. 8. Oh Pretty Boy, You're Such A Big Boy
  9. 9. Five Little Rooms
  10. 10. Sleeping Beauty
  11. 11. Intil

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