laut.de-Kritik

Die positive Seite des Bolt Thrower-Abschieds.

Review von

So ziemlich allen Beteiligten an Memoriam – egal ob Musiker oder Fans – wäre es wohl lieber gewesen, die Band wäre nie gegründet worden. Denn Memoriam existiert einzig und allein wegen des plötzlichen Todes von Bolt Thrower-Drummer Kiddy Kearns. Das Ende der einen Death Metal-Kombo ist der Anfang der anderen. Bolt Throwers Karl Willets schnappt sich Ex-Trommler Andy Whale sowie die beiden Benediction-Kumpels Frank Healy und Scott Fairfax und stampft die "Supergroup" Memoriam aus dem Boden.

Die Widmung ist klar, der Opener "Memoriam" entpuppt sich lyrisch als trauernder Nachruf: "How constantly we think of you / With hearts and eyes that fill / The love in life we had for you / In death grows stronger still". Death Metal-Klischee geht ganz anders, allein dafür haben Memoriam den ersten Stein im Brett. Musikalisch herrscht natürlich Death Metal in Reinform. Das was auf dem Papier steht – eine Kombination aus Bolt Thrower und Benediction – kredenzt das Quartett auch auf Platte: Death Metal-Ikone + Death Metal-Ikone = Death Metal-Ikone.

Um es kurz zu machen: Von vorn bis hinten ist "For The Fallen" ein hochqualitatives Genrewerk geworden. Hier waren Veteranen am Werk, denen das Handwerk ins Blut übergegangen ist, die den Meisterbrief längst in der Tasche haben, die bestimmt keine Revolution mehr anzetteln, aber noch immer mit spürbarer Leidenschaft dabei sind. Wenn die erste Riffbank einschlägt, kann man es schon kaum mehr erwarten, dazu live Haupthaar und Faust zu schütteln.

Willets und Co. haben sämtliche Kniffe des Death-Songwritings verinnerlicht und wenden es entsprechend an. Einen Song wie "Flatline" über knapp acht Minuten spannend zu halten, stellt so kein Problem dar. Memoriam können magenwühlende Doublebass- und Tremolo-Lead-Passagen ebenso gut wie sie in den richtigen Momenten zurückschalten und mit simpel gehaltenen Gitarrenriffs langsame Heaviness ausstrahlen. "Last Words" demonstriert letzteres. Zwar ruht sich das Stück in der ersten Hälfte etwas zu lange auf demselben Riff auf, das Doom-Outro entschädigt allerdings. Selbst die eingebauten Kriegslärm- und Vocal-Samples kommen dabei nicht prätentiös rüber.

Langstrecken-Tod auf der einen, pragmatische Dreiminüter auf der anderen: Oldschool-Knüppler dürften ihre helle Freunde an "Surrounded (By Death)" haben. "Reduced To Zero" geht melodischer zu Werke, stellt aber gleichsam mit seinen Tremolo-Salven die Nackenmuskulatur auf die Probe. Drummer Andy Whale verleiht dem Song dabei einen schweren Low-Tempo-Groove – ohne behäbig zu klingen. Auch soundmäßig kriegen Memoriam den Spagat hin: Während die schweren Walzen nicht an Epik missen lassen, tönen die Knüppel-Parts angenehm roh.

Kiddy wäre wohl mächtig stolz darauf, was seine Hinterbliebenen ihm zu Ehren vollbracht haben. Zwar gibts keinen Bolt Thrower-Schriftzug auf dem Cover und "For The Fallen" ist auch kein reinrassiges Bolt Thrower-Album geworden. Ein solches vermissen dürfte man dank Memoriam aber vorerst nicht. Für Death Metal-Anhänger bleiben hier quasi keine Wünsche offen.

Trackliste

  1. 1. Memoriam
  2. 2. War Rages On
  3. 3. Reduced To Zero
  4. 4. Corrupted System
  5. 5. Flatline
  6. 6. Surrounded (By Death)
  7. 7. Resistance
  8. 8. Last Words

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