laut.de-Kritik

So viel Feuer wie ein Tischvulkan.

Review von

Ein kurzer Seufzer, dann der Kniefall vor dem perfekten Glück. Ja, Max Mutzke ist "Wunschlos Süchtig". Auf seinem neuen Album feiert die einstige Entdeckung von Stefan Raab die Liebe, die Hoffnung und die Zweisamkeit. "Ich wache auf mit dir, dein erster Blick gilt mir / Das Zweite, was ich mache, mache ich mit dir", jauchzt Mutzke ins Mikrofon. Begleitet wird er von einem Soundmix, der nicht wehtut, vorhersehbar in die lyrischen Karten spielt und wie gemacht ist für die große weite Mainstream-Welt.

Kollegen wie Mark Forster, Adel Tawil, Andreas Bourani und Co. schwören ebenfalls auf diese Klangwelt, in der sich Beats aus der Maschine mit blubbernden Synthiesounds zu einem beschwingten Etwas vereinen: Diese Melange versprüht im tanzbaren Modus in etwa so viel Feuer wie ein kleiner Silvester-Tischvulkan.

Den kratzigen Soul, zu dem er durchaus in der Lage ist, lässt der Sänger immer nur kurz im Refrain aufblitzen. Dann wenn der komplette Strom aus digitalem Geplänkel in ein kunterbuntes Dorffest-Feuerwerk mündet, zündet Mutzke die verbale Rakete: "Die beste Idee, die beste Idee, die wir je hatten", jubelt der gebürtige Baden-Württemberger. Leider drängen sich seine perfektionierten Phrasierungen und der rauchige Charme von Bar-Soul nur selten in den Vordergrund.

Denn immer dann, wenn Mutzke die Tanzfläche verlässt und seinen lieblichen Reimspielen einen dramatischeren und melancholischeren Sound zur Seite stellt, ertappt man sich dabei, wie man sanft mit den Füßen mitwippt.

"Giganten" ist so ein Song, der sich in der Strophe langsam aufbaut, um dann im Refrain in einer Art und Weise zu fesseln, wie es kein anderer Song auf dem Album vermag. Ein weiterer Ohrwurm trägt den Titel "Nimmst Du Mich In Den Arm". Ein leises Keyboard, ein paar Streicher aus der Retorte und ein Sänger, dem man sein Verlangen nach Geborgenheit und Vertrauen mit jeder Silbe abnimmt: Mehr ist nicht nötig, um sich vom Rest der hiesigen Deutschpop-Kultur abzugrenzen.

Die paar Highlights täuschen aber nicht darüber hinweg, dass auch Mutzke der Gier nach mehr Aufmerksamkeit verfallen scheint Wenn lauwarme Erinnerungen ("Immer Sommer"), gesellschaftliche Spaltungen (Dieselbe Sonne") und der Flair der Domstadt ("Ode Cologne") von austauschbarem Radiopop-Allerlei begleitet wird, zieht der Fan von Vielfalt, Mut und Experimentierfreude irgendwann nur noch enttäuscht die Augenbrauen zusammen.

Trackliste

  1. 1. Wunschlos Süchtig
  2. 2. Gute Geschichten
  3. 3. Beste Idee
  4. 4. Einfach Astronaut
  5. 5. Giganten
  6. 6. Nimmst Du Mich In Den Arm
  7. 7. Immer Sommer
  8. 8. Königreich
  9. 9. Dieselbe Sonne
  10. 10. Ode Cologne
  11. 11. Es Ist Alles Da
  12. 12. Lovers In Crime
  13. 13. Wenn Ich Mal Nicht Mehr Da Bin

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3 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 29 Tagen

    Nach "Hello" kann eh nichts mehr kommen.

    • Vor 29 Tagen

      Ja, da sollte man nicht so viele Erwartungen haben. Grundsätzlich sage ich immer: Loslassen! Wichtig ist ja auch, viel Yoga zu machen und die Natur zu genießen. Ich würde mich da gar nicht soooo sehr aus der Bahn werfen lassen. Kopf hoch!

  • Vor 28 Tagen

    ich gönne ihm jeden Hype oder Erfolg, aber die Platte ist belanglos in allen Belangen!

  • Vor 28 Tagen

    Ohne es gehört zu haben - in „Wunschlos süchtig“ besingt Mutzke wahrscheinlich zu scheppen Bässen seine nächtlichen Ausflüge zur Merkur Spielo im nächsten Gewerbegebiet. Right?
    Das ach so verliebt sein, was einen ähnliche Songtitel rechtfertigen würde, überlässt er den 0815-Schmusepoppern.

    • Vor 28 Tagen

      Book of Ra, du bist mir wichtig -
      Sind wir zusamm‘, dann drück ich richtig -
      Meine Probleme, alle nichtig -
      Denn du machst mich wunschlos süchtig

      Bevor jetzt jemand schreit, nein, ich hab die Lyrics nicht gegooglet.

    • Vor 28 Tagen

      @NervMichOk:
      Ich dachte eigentlich eher, er steht in dem Lied vor einer Tombola, wollte eigentlich nur den Riesen-Knuddelteddy oben links abstauben, das das gerät so außer Kontrolle, daß er jetzt ein ums andere Mal dem Tomboalbudenbesitzer den Zylinder leerkauft, um endlich dieses eine Los in der Hand zu halten, mit dem er den Bären ergatttert ... dann wäre er wunschlossüchtig ...
      Gruß
      Skywise