laut.de-Kritik

Der 3. Türsteher kommt schneller, als dir lieb ist.

Review von

Vierhundertfünf Tage, also neuntausendsiebenhundertzwanzig Stunden, das sind fünfhundertdreiundachtzigtausendzweihundert Minuten, hat Mayjuran 'Majoe' Ragunathan aka Der Musterschwiegersohn aka Der Prototyp Banger aka der Mann mit utopischem Körperbau uns auf den Nachfolger seines Nummer eins-Senkrechtstarter-Charterfolgsalbum "Breiter Als Der Türsteher" warten lassen. Hat sich etwas geändert? Und wenn ja, was? Eine Bestandsaufnahme.

Körperumfang: Die breiteste Stelle des Durchschnittsmannes, im Normalfall also die Brust, misst 106,1 Zentimeter. Da es sich bei Türstehern üblicherweise um wohlgenährte und/oder gestählte Zeitgenossen handelt, dürfen gut und gerne zwölf Zentimeter dazu addiert werden, womit wir bei 118,1 wären. Stellt man zwei Türsteher nebeneinander, ergibt das 236,2 Zentimeter. Wenn Majoe also von sich behauptet, inzwischen "Breiter Als 2 Türsteher" zu sein, sollte ihm der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde sicher sein.

Cover: Um so erstaunlicher, dass er trotz des beachtlichen Körperumfangs in voller Pracht auf das Cover seines Zweitlings passt. Doch damit nicht genug: In Anspielung auf seinen Stiernacken schultert Majoe auch noch einen Büffel. Witz nicht verstanden? Macht nichts, denn so lange besagter Büffel gut sichtbar das eingebrannte Banger Musik-Logo auf der Flanke trägt, kauft die anvisierte Zielgruppe den Longplayer ohnehin. Dagegen kommt auch der grimmige Blick des Duisburgers nicht an.

Gimmicks: Autogrammkarte und T-Shirt war gestern, das kann ja jeder. Majoe aber macht sich wirklich Gedanken und schneidet den sich in der Deluxe-Box befindlichen Plunder auf seinen typischen Anhänger zu. Dieser kann den getunten Roller nicht nur mit einem Sticker verzieren, sondern wird bei der Fitness-Transformation optimal unterstützt. Neben dem Trainingsplan im Posterformat und einem Filmchen über "Meine Trainingswoche" gibt es eine praktische Fitness Bag für das beste Stück obendrauf. Das Smartphone, versteht sich. Fast genauso lustig stelle ich mir übrigens die DVD "Majoe macht die Tür" vor.

Flow: Klang "MA Muskelgigant" auf dem Vorgänger ausnahmslos recht gelangweilt und hölzern, so als würde er seine Zeit lieber am Rudergerät statt in der Booth verbringen, zwingt ihn die abwechslungsreiche und durch die Bank gut hörbare Instrumentalisierung von "Breiter Als 2 Türsteher" tatsächlich zur Variation. Die besten Beispiele hierfür sind "Mr. Majoe" und "Fresh". Dass er dabei wahlweise nach hyperventilierendem Kay One oder schnodderig-arrogantem Shindy klingt: irgendwie egal.

Vergleiche: Keine Frage, "Streetraps Vater" setzt immer noch Karrieren in den Sand wie Liegestühle, reißt den Schnabel ganz schön weit auf wie ein Pelikan, bringt die Sache ins Rollen so wie Kinderwagen, dreht am Rad wie ein Schiffskapitän und schneidet Feinde mit 'nem Messer wie das Butterbrot am Morgen. Ein echtes "Deutschrap-Schwergewicht" in Sachen Vergleiche eben. Es geht aber noch ausgeklügelter: "Denn schaust du auf die Statur von dem Majoe, siehst du angespannte Arme wie in Burkina Faso." Nicht von schlechten Ghostwr ... ähm, Eltern.

Selbsteinschätzung: Die Vergleiche haben es gezeigt, Bescheidenheit ist Majoes Sache nicht: "Das erste Mal meine CD im Laden, neben Eminem und Dre, neben Pac und Nas." Mit direkten Seitenhieben gegen verhasste Kollegen hält er sich allerdings zurück – abgesehen von Silla. Ein Kampf mit der Faust statt dem Mic erscheint hier zwar sinnvoller, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Insgesamt betrachtet stellt die "Eins Im Land" jedenfalls fest: "Rapper haben den IQ eines Höhlenmenschen." Eine denkwürdige Aussage, die der Hörer eine Weile auf sich wirken lassen sollte.

Features: Erwartungsgemäß hat Majoe erneut alle Insassen des Banger Musik-Camps um sich gescharrt. Zusammen mit Farid und KC liefert er eine ironische, mehr oder weniger amüsante Sicht auf "Hip Hop", übertönt sowohl Summer Cem als auch den cruisenden Benz mit einer furchtbaren Autotune-Hook und macht mit Jasko einen auf "Jungs Von Der Straße". Der "Fallschirm"-Sprung mit Phillippe Heithier endet allerdings in einer Bruchlandung. Die darauf folgenden Schmerzensschreie können kaum nerviger klingen als dessen penetrantes Gewinsel.

"Und wieder geht ein Album zu Ende." stellt Mayjuran auf dem finalen Track fest. Die mitschwingende Wehmut kauft man ihm dennoch nur schwerlich ab. Obwohl er sich nicht nur in Sachen Körperbau, sondern auch – leider nicht im gleichen Umfang – flowtechnisch gesteigert hat, hinterlässt "Breiter Als 2 Türsteher" noch immer den miefigen Geruch eines profitorientierten, vorwiegend leidenschaftslosen Produktes. Und wer dem Skit aufmerksam gelauscht hat, weiß: "Breiter als 3 Türsteher" kommt bestimmt. Vermutlich schneller, als dir lieb ist.

Trackliste

  1. 1. Breiter Als Zwei Türsteher
  2. 2. Non Plus Ultra
  3. 3. Fallschirm
  4. 4. Utopischer Körperbau
  5. 5. Die Ich Immer Haben Wollte
  6. 6. Prototyp Banger 2
  7. 7. Mr. Majoe
  8. 8. Mondschein
  9. 9. Eins Im Land
  10. 10. Täglich Grüßt Das Murmeltier (Skit)
  11. 11. Fresh
  12. 12. Jungs Von Der Straße
  13. 13. Dreams
  14. 14. Hip Hop
  15. 15. Jedes Deiner Worte
  16. 16. Cruise Im Benz
  17. 17. Eine Bewegung

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14 Kommentare mit 17 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Manchmal wünschte ich mir, gewisse Rapper wären nur Figuren in Prousts "Suche nach den verlorenen Zeit", die schnell eingeführt werden, aber der seitenlangen Beschreibung von Sträuchern weichen. Majoe hat eine ähnliche Relevanz. War sein Erstling schon really BAD(T) gibts nun Nachschlag. Diesmal ist er breiter als 2 Türsteher. Na dann Pro(u)st..

    Nüchtern betrachtet ist der Beat des Titeltracks gar nicht übel. Relativ eingängig präsentiert sich der Track mit einem Major, der "auf der Tastatur das Wort unter 6,7,8" ist und andere "sterben vor Neid" lässt.
    "Schrei zwar keinen Fraun hinterher denn ich hasse es zu schleimen. Doch sie ist wie Handspiel beim ergreifen da kann man schonmal pfeifen "
    Da kann man aber auch schonmal skippen, denn bei derart gezwungenen Lines vergeht mir gleich die Lust auf Track 2..

    Der ist schon mal gleich das "Non Plus Ultra", zumindest für Majoran..doch in seinem Rap "ist der Wurm drin wie in nem faulen Apfel"..Der Beat kommt frisch von der Banger/Selfmade-Resterampe. Textlich und auch beim Vortrag quillt Kollegah immer wieder durch den raptechnischen Magerquark und es wird nichtmal versucht dies zu vertuschen.
    "Ey yo der König ist zurück, sag mir wer hat mich vermisst (das ist hier die Frage..)
    Mit meinem letzten Album hinterließ ich Scherben in dem Biz ( wie wahr...)"

    Wenigstens ist Mojo ehrlich. Das bringt ihm auf dem nachfolgenden Track aber auch nichts mehr ein. Mit an Körperverletzung grenzenden Hook von Phillippe Heithier gleicht der "Fallschirm" eher dem Todessprung Möllemanns. Ganz schnell in die unterste Bangerschublade und mehrere Hanteln darüber legen..

    Erholung gibts paradoxerweise auf "Utopischer Körperbau". Ein angenehmer Beat begleitet Mahoney, der das "Schönling-Lächeln", sowie ein "goldenes Händchen wie C-3P0" besitzt. Na ja..der Track ist vor Allem eines: grunzlangweilig und spannend wie Beamtenmikado auf der Wachkomastation.

    Diese CD ist sicher nicht die "Die ich immer haben wollte". Eine Liebeshymne an die Hantel. Wirres Geklimper begleitet den Banger mit dem Bubiface, der nur durch die Hantel "übertrieben einen auf Kante" machen kann. Ich gebe mir selbige gleich, wenns nicht mal in Bälde besser wird.

    Viel Hoffnung setze ich in den "Prototype Banger 2" aber nicht. Beatmäßig ists grundsätzlich mit düsteren Chören und treibenden Bässen nicht verkehrt,ist jedoch auch nach spätestens 37 Sekunden langweilig.
    "Du kannst mir Kimbo Slice bringen. Sieh wie ich ihn mit 'nem Schlag zerschmetter, bis er auf dem Strassenrand liegt so wie Ahornblätter"
    Irgendwo dort muss aber auch sein Flow liegen, unterhaltsam ist das bisher gezeigte wenig und die Hooks verführen zum Abschalten.

    Vielleicht schafft "Mr. Majoe" Abhilfe. Nervöser Synthiebeat mit ordentlichem Bass auf dem Muppet relativ unbeholfen "Trainingstipps an The Rock" gibt. Irgendwelche Leute "schieben nur Filme, wie 'ne Videotheken-Hilfe" und ich schalte gekonnt weiter.

    "Mondschein" ist pure Selbstdarstellung auf einem einschläfernden Beat. Doch nicht mit Mango, denn "Erdplatten verschieben sich, mach' ich Liegestütze Bitch, bis sich das Magma aus dem Kern erhitzt und Lava aus der Erde spritzt, so dass man nur noch Asche sieht wenn man in die Stratosphäre blickt"

    und ich sehe Rot, das klingt alles zu sehr nach Selfmade anno 2007, aufgezwungen und seelenlos und ist derart langweilig inszeniert, dass es mir auch nichts mehr nützt dass er "ein strahlendes Lächeln was dem Mondschein gleicht" dem nichtsahnenden Käufer entgegenhält.

    "Eins im Land" machts zumindest soundtechnisch besser und präsentiert eine schöne Straßenmelancholie als Untermalung, die aber von einem müden Mahjong versaut wird.
    "Ich bin der Beste in dem was ich mache, der Freshte in dem was ich manche, Nutte meine Texte sind einsame Klasse wie die Räumlichkeiten wenn Schulferien sind, ich chill mit Groupies im String auf ner Poolparty" uswusf. Was arrogant wirken soll wirkt schnarchig, was Überlegenheit darstellen soll, funktioniert bei solch einer Vortragsart schlichtweg nicht.

    "Täglich grüßt das Murmeltier" ist der erste Track auf dem Malta zum ersten Mal Ansätze von Flow zeigt. Minimalitischer Kopfnickerbeat trifft auf textlich unwichtiges Gymgepose. Wie sollte es anders sein ist ausgerechnet dieser Track ein Skit.

    "Fresh" ist der nächste Song sicher nicht. Über den ausgelutschten Beat sind schon ganz andere drübergerutscht wie bei ner Dorfmatratze. Eintönig, monoton, sehr langweilig und obendrein sehr hölzern, obwohl die ladies kreischen und "bei denen ne Schraube locker [ist] wie für'n Breakdance Verein". Bei Mayo wohl auch, denn das ist nicht fresh, sondern schon lange abgelaufen.

    Bei "Jungs von der Straße" mit Jasko wirds melodischer. Typische Hymne von verlorenen Straßenjungs, die es nach oben schaffen. "Was ich heute rappe, entscheidet was ich morgen ess".
    Nach bisherigen Eindruck wohl nichts.

    Aber auch jeder Hörer hat "Dreams", dass es besser wird. Treibender, mit Klavier unterstützter Beat, eine nachdenkliche Grundstimmung und ein halbwegs wacher Magoo könnten sogar für einen guten Track sorgen..KÖNNTEN...wenn nicht wieder irgendwelche Jungs schreien würden "dass sie keinen breiteren kennen"
    auch gut: "Und wenn ich Fans heut' auf Gehwegen seh', Schreien sie in meine Richtung: "Du bist BADT!"
    liest sich, wie von mir Eingangs erwähnt, durchaus realistisch.

    Genug gescherzt, jetzt gehts endlich mal um "Hip Hop". Mit Giganten wie KC Rebell und Farid auf einem durchaus tauglichen Straßenbeat mit schönen Drums darf der geplagte Hörer dann solchen Lines lauschen: "Vor wem machst du Welle mit deinen Silberketten & Uhren? Ulan ich habe eine Shisha-Kette du Huan" Respekt Rebell, das nenne ich gewitzt.
    Malaga fällt kaum auf, Farid passt erstaunlich gut auf den Beat und "Hätte man damals nach One-Night Stands mehr abgetrieben, wär uns einiges an Deutschrap erspart geblieben"
    Vielleicht ja auch diese drei Pappnasen.

    Phillippe Heithier sucht den Hörer noch einmal heim und drückt im obligatorischen Schmalzbrocken "Jedes deiner Worte" schön auf die Tränendrüse. Der Beat geht mit eingängigen Geklimper in Ordnung. "Würd auf die Karrierre scheissen, wär es dein letztes Wort, doch wenn du mich respektierst, hast du auch Respekt davor". Na dann..Mal sehen, ob die gute Frau Überredungsarbeit leistet. Oder ist hier wieder die Hantel gemeint?

    Bei "Cruise im Benz" mit Summer Cem gibt das Album dann endgültig auf. Unglaublich träge, mit Autotune verunglimpfte Melange an Ödnis. "M-A-J ist ein Gangster" und ein großer Langeweiler. Mehr Filler geht nicht.

    Doch wir sind schon am Ende und "eine Bewegung" mache ich noch und zwar das Betätigen des Ausschaltknopfes. Outro in dem Mario seine Freunde preist. Der Beat ist unspektakulär bis schlapp und der Hörer nach diesem Erlebnis auch.

    Immer mal wieder blitzt der ein oder andere interessante Aspekt auf. Mal ist es ein Beat, mal ein Feature, mal eine Textzeile, doch genauso oft wird dieser Eindruck durch so viele Störfaktoren gnadenlos zerstampft.
    Das Album ist langweilig, Majoe hat außer seinem Pumpernickelhantelkram nichts, aber auch gar nichts zu erzählen, er wirkt seelen- gar kraftlos, musikalisch bewegt es sich im mittleren Bereich mit zu vielen Ausfällen und so gar keinen eigenen Ideen.

    Zahnlose Musik eines Rappers, der überflüssiger nicht sein könnte.

    1/5

    • Vor 3 Jahren

      Danke, sehr gut! Klingt ja wirklich übel. Und was sind das für Wack MC-Punchlines?! Gabs da echt keine besseren? :D

    • Vor 3 Jahren

      Sehr schöne Formulierungen dabei! Allein der Einstieg ist top! :D

      Was steht denn als nächstes an? Mir fehlt da momentan ein wenig der Wille zur Selbstkasteiung. Bis "CLA$$IC" werde ich wohl erstmal aussetzen und stattdessen ein wenig US-Rap nachholen, sofern ich dazu komme.

      Bei dieser Schwemme an mittelmäßigen und unzumutbaren Releases bleibt eigentlich die spannendste Frage, wie lange das so weitergehen kann. Da es mir eh schwerfällt nachzuvollziehen, wie jemand ernsthaft Geld für eine Majoe-, KC-Rebell- oder PA-Sports-CD ausgeben und sich das dann auch noch über einen gewissen Zeitraum anhören kann, habe ich diesbezüglich überhaupt keine Idee. Man wird alt.

  • Vor 3 Jahren

    Das ist zwar keine Musik die ich mir anhören würde, aber ich finde Majoes Vortrag inzwischen gar nicht so schlecht.

  • Vor 2 Jahren

    http://b-stadt.com/item/majoe-trainingsvid…

    :lol: :lol: :lol: süß 80kg bankdrücken und dann nicht mal bis zum lockout... ♥ ja so wird man breiter als x hoch n türsteher :kiss: