laut.de-Kritik

Das Flaggschiff des Melodic Rock bleibt auf Kurs.

Review von

"Ich gehe ins Studio, probiere Ideen auf der Gitarre oder am Keyboard aus und versuche, daraus den bestmöglichen Magnum-Song aller Zeiten zu schreiben." So unspektakulär beschreibt Tony Clarkin seine Art, die Musik für Magnum zu komponieren. Was auch immer sein Geheimnis sein mag: Mit dem Doppelschlag "Escape From The Shadow Garden"/"Sacred Blood Divine Lies" läuteten sie bereits eine Art zweiten Frühling ein. Das dienstälteste Flaggschiff des Melodic Rock bleibt auch auf Studioalbum Nr. 20 auf Kurs. "Lost On The Road To Eternity" läd jeden Genre-Fan zum Schwelgen und Rocken.

Für Mitmusiker wie den neuen Drummer Lee Morris ist es sicher nicht leicht, eigene Akzente zu setzen. Zum einen dominieren seit jeher Clarkin/Catley den Stil der Band. Zudem hat sich alle mögliche Individualität dem angestammten Klangbild unter zu ordnen. Der Wiedererkennungswert ist das A und O dieser Marke. Und es funktioniert: Morris Leistung besteht darin, den rhythmischen Geist des Magnum-Sounds wach zu halten, ohne altbacken oder modernistisch zu wirken. Entsprechendes gilt für den ebenfalls erst seit 2017 hinzu gestoßenen Keyboarder Rick Benton.

Clarkin und Catley steuern die AOR-Fregatte zielsicher durch weitgehend eskapistische Rock-Gewässer. Romantik, Liebeskummer, Selbstfindung sowie zwischendurch ein leichter Hauch von Abenteuer und Fantasy sorgen dafür, dass rein atmosphärisch kein hörbarer Unterschied zu 80er Großtaten wie "On A Storyteller's Night" oder den obig genannten Spätwerken existiert. Dass diese durch und durch anachronistische Rockshow gleichwohl frei von jeglicher Patina bleibt, liegt besonders den beiden Ü70-Veteranen.

Catleys charismatische Stimme klingt zwar ein wenig rauher und in mancher Passage ein wenig grober als ehedem. Echte Alterserscheinungen können seinem Gesang jedoch – auch live nachhörbar - nichts anhaben. Clarkins Songwriting trumpft ebenfalls elf Songs lang mit gewohnten Stärken auf. So gut wie jedes Lied taugt zur Genre-Blaupause.

Freunde ihrer mustergültigen Refrains kommen bereits im Verlauf des Openers "Peaches And Cream" auf ihre Kosten. Von hier ab bietet jeder Track mindestens eine individuelle Stärke. "Show Me Your Hands" etwa überzeugt mit gelungenem Kontrast zwischen seinem energischen Charakter und dem lieblich perlenden Piano-Keyboard. Im Titelsong taucht mit Tobias Sammet erstmals ein alter Verbündeter des Magnumiversums auf. Der bekenende Fan coverte mit Edguy bereits ihren 1982er Klassiker "The Spirit" (von "Chase The Dragon") und setzte Catleys Stimme mehrfach als Joker auf Avantasia-Platten ein.

Als absolute Königsdisziplin schält sich die Fähigkeit Magnums heraus, ihre eingängigen Melodien ebenso dramatisch wie spannend zu inszenieren; teils mit orchestralen Elementen. Man beachte nur den Aufbau von "Storm Baby", das sich im Verlauf mustergültig von der Ballade zum Riffmonster entwickelt, oder das charismatische "Welcome To The Cosmic Cabaret" mit hervorragendem instrumentalen Mittelpart. So gelingt ihnen mit diesem Album ein weiterer Höhepunkt ihres Katalogs.

Trackliste

  1. 1. Peaches And Cream
  2. 2. Show Me Your Hands
  3. 3. Storm Baby
  4. 4. Welcome To The Cosmic Cabaret
  5. 5. Lost On The Road To Eternity
  6. 6. Without Love
  7. 7. Tell Me What You've Got To Say
  8. 8. Ya Wanna Be Someone
  9. 9. Forbidden Masquerade
  10. 10. Glory To Ashes
  11. 11. King Of The World

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3 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    Musikalisch ist das nicht unbedingt meine Welt, aber das Cover ist ja einfach mal grandios :D

  • Vor 3 Monaten

    Schönes Album, kommt zwar nicht an "On the 13th Day" heran, das Beste was sie in diesem Jahrzehnt geliefert haben, aber deutlich besser als der Vorgänger.

  • Vor 3 Monaten

    Hab schon letzte Woche rein gehört, nun komplett und ich stimme mit der Retzi insoweit nicht überein, das die "alten Säcke" zwar es immer noch drauf haben, aber irgendwo auch verdammt still stehen. Werde das Hörgefühl nicht los, alles schonmal gehört zu haben und das langweilt mich dann schnell. :(

    Ausserdem kommt es mir auch so vor, das es bei dem rezitierenden Altpersonal, es keine schlechte Idee wäre gelegentlich die Munddusche in den Gehörgängen Anwendung finden zu lassen. ;)

    Gerade letztes Jahr haben einige "alte Säcke" (u.a. Deep Purple, Black Sabbat) gezeigt, das es noch frisch geht, trotzt Rollator für das eine oder andere Instrument. Hier kommt es mir eher wie eine verpasste Rentenansparung vor und ein letztes mal noch dafür was tun. Leichentuch weht im Takt der Melodie! Gönne es ihnen dann doch! 3/5, kommen sie gut mit klar. :)