laut.de-Kritik

Madame braucht definitiv mehr Zeit.

Review von

Knapp vier Jahre lang tüftelte Madeline Juno an ihrem Debütalbum. Zeit spielte damals noch keine große Rolle. Die aufblühende Sängerin aus dem Schwarzwald konnte reifen, sich viele Gedanken machen und letztlich genau das Paket zusammenstellen, das ihr in der deutschsprachigen Pop- und Singer/Songwriter-Branche so manche Tür öffnete.

Mit dem Erfolg kam aber auch der Druck. Für Madeline Juno bedeutete das: 365 Tage Arbeit. Mehr war nicht drin. Dieser Tage präsentiert sich nun das Ergebnis der ersten Produktion unter Wettkampfbedingungen. Es hört auf den Namen "Salvation" und macht seinem Titel phasenweise alle Ehre. Allerdings im negativen Sinne.

Schon der Einstieg stutzt die hohen Erwartungen auf Normalmaß zurück. Fast schon emotionslos säuselt sich Madeline durch ein monotones Soundgeflecht aus austauschbaren Pop- und Elektroklängen ("Into The Night"). "No Words" startet ähnlich einschläfernd, ehe der Song zum Refrain hin doch noch die Kurve kriegt und mit Elan und schwungvollem Gesang des Hörers Finger erstmals zum Mitschnippen animiert. Geht doch.

Scheinbar Blut geleckt, will Madeline mehr. Wummernde Beats und viel elektronisches Tamtam treibt die erste Single des Albums Richtung Dancefloor. Die Hüften kreisen, und der Schweiß fließt. Im Ohr bleibt aber nur wenig hängen ("Stupid Girl"). Irgendwie wollen die vielen Rädchen alle nicht so richtig ineinander greifen.

Auch das Experiment, Altes mit Neuem zu paaren, scheitert ("You Know What"). Schwungvolle Lagerfeuergitarren im Verbund mit zuckersüßen Zusätzen aus der Retorte klingen wie der verzweifelte Versuch einer Melange aus Gestern und Heute. Wobei sich das Hier und Jetzt wesentlich schwerer tut als das, was im März 2014 noch für Aufsehen in der hiesigen Pop-Branche sorgte.

Einzig Madelines elfenhafte Stimme, die weitere austauschbare Elektropop-Nummern wie "Cliché", "Hindsight" oder auch "Less Than A Heartbreak" vor dem Untergang bewahrt, hält den Hörer wach. Allerdings sollte man ihr für den nächsten Versuch vielleicht wieder etwas mehr Zeit geben. Wäre schade drum, wenn das Potential, das man hierzulande nicht gerade an jeder Ecke findet, einfach so verheizt wird. Am besten: Alle Verantwortlichen wieder ein bisschen runterkommen, und alles noch einmal auf Anfang.

Trackliste

  1. 1. Into The Night
  2. 2. No Words
  3. 3. Stupid Girl
  4. 4. You Know What
  5. 5. Yellow Car
  6. 6. Quicksand
  7. 7. Please Don't Have Somebody Else
  8. 8. Salvation
  9. 9. Cliché
  10. 10. Hindsight
  11. 11. On My Toes
  12. 12. Less Than A Heartbreak
  13. 13. Youth

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2 Kommentare mit 16 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    wie? was? kein Ellie Goulding Vergleich? :P Aber mit der Bewertung gehe ich mit.

  • Vor 2 Jahren

    Diese Rezension ist so dermaßen lächerlich. Dennoch ich kann für den "Kritiker" irgendwie auch ein wenig Verständnis aufbringen. Jedermann ist heutzutage bemüht aus der "grauen Masse" herauszustechen, jedermann möchte als etwas besonderes wahrgenommen werden. Und wie stellt man es als vermeintlicher "Experte" am geschicktesten an??? Na, eine Idee? Genau! In dem man entgegen der vielen anderen (positiven Kritiken) seine textliche Ergüsse möglichst setzt! Leider zeugt es nicht unbedingt von Fachkompetenz wenn man wunderbaren Pop Made in Germany schlechtredet. Die Texte wahrgenommen? Diese sogar verstanden? Ich fürchte eher nicht...
    Aber leider werden viele junge aufstrebende Künstler in Deutschland entweder nicht geschätzt, andere dagegen völlig zu unrecht gehypt.
    Im Vergleich zu den vielen Lenas und Namikas dieser Welt versteht Madeline etwas vom Songwriting UND sinnvollen Texten zu tollen Melodien

    • Vor 2 Jahren

      Wie erwartet wurde hier extra für dieses Posting ein Profil erstellt. Da kann ja jeder kommen, das zeugt auch nicht von Fachkompetenz. Lernen Sie erstmal ein paar Jahre laut.de, bevor Sie hier posten!!11

    • Vor 2 Jahren

      Stellen Sie sich vor, genau das habe ich tatsächlich getan! Ich lese laut.de regelmäßig, das geht durchaus auch ohne Anmeldung!
      Fühlt sich da jemand auf den Schlips getreten?

    • Vor 2 Jahren

      @Helly_OMelley:
      Öhm ... "sinnvolle Texte"? Vielleicht kenne ich die falschen Lieder von ihr, aber für mich ist das dieselbe ausgezutzelte Schmalzstulle Bauart "ich lieb dich (nicht) du liebst mich (nicht)" mit denselben ausgezutzelten Worthülsen, wie sie auch bei Lena oder Namika zu finden sind.
      Mag aber auch sein, daß andere Leute es wahnsinnig innovativ finden, wenn eine verflossene Liebe mit "gefallenen Blättern" verglichen wird, jemand als Trost auf den glorreichen Gedanken kommt "Sie hat dein Herz puttemacht, aber du kannst ja meines haben" oder den Verlust eines Menschen lyrisch umschreibt mit "ich kann immer noch deine Berührung auf meiner Haut fühlen".
      Gut, die Sachen sind deutlich weniger Streitaxt als bei Lena & Co., aber schlimm genug, um alte Wunden im ohnehin geschundenen Sprachempfinden aufzureißen, sind sie allemal. Ich red' hier bittschön nur von den Texten, im Augenblick nur von den Texten ihres Debüts mangels Kenntnis der Fortsetzung; gegen die Interpretation des Schlonzes will ich nix sagen, gegen den Inhalt schon.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      @Skywise
      Erstens geht es hierbei um das zweite Album der Künstlerin, die mittlerweile erwachsener geworden ist. Beim ersten Album waren Songs dabei, die sie meines Wissens im Alter von 14-16 Jahren geschrieben hat mit all den Themen, die ein Teenager dieses Alters bewegen und beschäftigen. Haben Sie sich in diesem Alter überwiegend mit weltpolitischen Themen befasst?
      Zweitens: Ist das bei einem Pop-Künstler denn überhaupt gewünscht und zu fordern?
      Dafür gibt es durchaus andrere Musik- und Stilrichtungen
      Also, mal schön fair bleiben!!!!

    • Vor 2 Jahren

      laut.de brav gelernt und dabei ganz auf den Besuch der Vorlesung "Einführung in die Ironie" vergessen?

    • Vor 2 Jahren

      @Helly_OMelley:
      Nun ja, erstens kenne ich auch wenigstens einen Text des zweiten Albums, und der kam mir keinen Deut erwachsener vor. "Ich lege immer wieder mein Herz in deine Hände, ich halte weiter durch, aber das ergibt keinen Sinn, Du schubst mich von der Spitze der Welt, von der Spitze der Welt, ich bin ein dummes Gör, so ein dummes Gör, Gör, oh, dummes Gör, dummes Gör, oh, ich bin so ein dummes Gör." Und dann kommt die Stelle, an der sie 'ne ganze Woche wegen eines Kerls durchgrinst ... ("Stupid Girl"). Habe ich mich im Alter von 14 bis 16 Jahren mit weltpolitischen Fragen beschäftigt - ja, nicht überwiegend, aber wenigstens überhaupt, wobei ich einschränkend sagen muß: natürlich, denn das waren die Jahre 1987 bis 1989, da kam man um Weltpolitik gar nicht rum, denn sie ereignete sich unmittelbar vor der eigenen Haustür. Und wenn es schon nicht Weltpolitik war, dann sind mir in dem Alter auch noch andere Themen über den Weg gelaufen als Beziehungsfreud und Beziehungsleid, weil - das Leben hatte damals wie heute mehr zu bieten als Politikergerede und das Sinnieren über die Kontamination fremder Körper mit den eigenen Körperflüssigkeiten nebst dazugehöriger Vorbereitung oder Folgen.
      Ich dachte nur, wenn der guten Frau Juno von jemandem "intelligente Texte" unterstellt werden, wäre eine entsprechende Referenz vielleicht angebracht, zumal mir persönlich wie gesagt keine bekannt ist ...
      Zweitens: ich darf daran erinnern, daß die Herabstufung von Lena und Namina aufgrund ihrer dargebotenen Texte in dieser Diskussion ihren Ursprung nicht bei mir hat, sondern bei Ihnen, insofern liegt anscheinend auf Ihrer Seite ein Anspruch oder eine Forderung nach Qualität in dieser Hinsicht vor. "Pop" ist für mich ein bunter Koffer, in dem vieles Platz hat. Ich wüßte nicht, daß sich Pop und kreative/anspruchsvolle Texte gegenseitig ausschließen.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      @Helly_OMelley:
      Die Fähigkeiten und die Erfahrung des geschätzten Harry Rowohlt, der einem Text in der Übersetzung mehr Anspruch verleihen konnte als im Original vorhanden, stehen mir nicht zur Verfügung. Man kann Google eine Menge vorwerfen, an dieser Übersetzung trägt der Konzern keine Schuld.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Ui…
      Da schein es ja einer mal mit dem Google Übersetzen etwas übertrieben zu haben.
      Sie haben offensichtlich die Ironie, vor allen Dingen die Selbstironie des Textes nicht verstanden zu haben.
      Es geht darum, dass man (oder in diesem Fall Frau) immer wieder die gleichen Fehler macht.
      Aber nun gut, wäre auch zu müßig es Ihnen erklären zu wollen.

      Da ist das folgende Zitat aus dem aktuellen Namika Song doch tatsächlich wesentlich tiefgründiger.
      ich steh' im Bad, du klopfst an die Tür
      "Lebst du noch, ist was passiert?
      Ich warte schon 'ne Ewigkeit hier
      Wie lange machst du dich fertig?"
      Nicht mehr lang, nur noch die Haare
      Bin gleich da, was soll das Gefrage?
      Ich mach das auch für dich, also warte
      Und dir gefällt's, also nerv nicht

      *Ironie-Modus aus

    • Vor 2 Jahren

      @Helly_OMelley:
      Die Ironie ist mir nicht entgangen, aber sie macht den Text weder origineller noch besser.
      Und es hilft Ihrer Unterstellung von "sinnvollen Texten" bei Madeline Juno nur bedingt weiter, wenn Sie sie mit Texten von Namika unterkellern. Warten Sie lieber mit entsprechenden Beispielen von Frau Juno auf.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Aber gerne doch
      (Ach, mach es Spaß mit euch, Jungs und Mädels) :-)

      When the bone breaks, such a sad sound
      When the undertow is pulling me down
      When the night falls with no end in sight
      And you're not here with me, the lonely doesn't lie
      The lonely doesn't lie

      So please break me, break me
      Please just break me now

      We get stronger in the places we're broken
      Like watching my life in slow motion
      My heart calls and there's a heart still open
      We get stronger in the places we're broken
      Broken, broken, broken

    • Vor 2 Jahren

      @Helly_OMelley:
      Du liebe Zeit ... ja, okay, ist ja schon gut.
      "Es gibt eben Menschen, die ihr ganzes Leben lang Rotkäppchen lesen."
      (Georg Kreisler)
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Ich lese Rotkäppchen jeden Abend vor dem Schlafengehen

    • Vor 2 Jahren

      "Es gibt eben Menschen, die ihr ganzes Leben lang Rotkäppchen lesen."
      (Georg Kreisler)

      soll so menschen geben,wobei ich persönlich halt lieber tauben im park vergifte.

    • Vor 2 Jahren

      ...Und wer eigentlich die Märchen studiert, der findet in den Märchen eine so bedeutende Physiologie zum Beispiel, dass es schon einen Weg gibt, um an die Märchen zu glauben, so dass durchaus der Grad von innerer Märchenstimmung, den ich gebrauche, um dem Kinde irgend etwas beizubringen vom ‚Schneewittchen' oder... so ist, dass durchaus das Gefühl entstehen kann, das in mir selbst eine Gläubigkeit hat. Ich muss nur innerlich durchdrungen sein von einer Sache...
      Rudolf Steiner