laut.de-Kritik

Spacige Hommage an Cohen, Kraftwerk und viele mehr.

Review von

2020 führten Laibach die posthume Theaterproduktion "Wir Sind Das Volk", basierend auf den Texten Heiner Müllers, im Berliner Hebbel am Ufer (HAU) zum ersten Mal auf. Musik aus dieser Produktion bündelte das slowenische Künstlerkollektiv unter dem Zusatz "Ein Musical aus Deutschland" letztes Jahr zu einem Album. Zeitgleich zum Release fanden die Shows am HAU ihre Fortsetzung. Nur musste man Aushängeschild Milan Fras zum Teil durch ein Hologramm ersetzen, da der Sänger an Corona erkrankt war.

Erst Anfang 2023 erschien mit "Sketches Of The Red Districts" eine neue Platte, die die konfliktreiche Entstehungsgeschichte des Kollektivs in der Industriestadt Trbovlje im Jahr 1980 zum Thema hat. Nun widmen sich die Slowenen auf "Love Is Still Alive" wieder leicht verdaulicheren Klängen. Die dazugehörige "The Coming Race"-Tour läuft noch bis Anfang nächsten Monats.

Für die EP hat das Künstlerkollektiv den gleichnamigen Song aus dem Film "Iron Sky: The Coming Race" gleich achtmal bearbeitet. Das Stück handelt von der Reise der letzten Überlebenden unseres Planeten durch das Sonnensytem zum Mars, der als roter Punkt in der Ferne wie ein Silberstreif am Horizont erscheint. Dabei ist auch noch die Liebe lebendig, die sämtliche Pandemien, Kriege und Zerstörungen überlebt hat. Klanglich führt die Reise durch sämtliche "Weltraum"-Musikgenres der letzten Jahrzehnte. Die Musik, die Laibach für den Film selbst eingespielt haben, soll im Laufe diesen Jahres zusammen mit einen eigens entwickelten Videospiel veröffentlicht werden.

Dass sich die Slowenen auf dieser EP nicht all zu ernst nehmen, bewies schon der Vorbote "Love Is Still Alive I (Moon, Euphoria)". Der ließ sich mit tuckernden Country-Rhythmen, einer einprägsamen Melodie und weiblichen Bachgroundchören irgendwo an der Schnittmenge zwischen Tom Astor und Leonard Cohen, vor dem sich das Kollektiv mit einer Coverversion von "The Future" Ende letzten Jahres verneigte, verorten. "Love Is Still Alive II (Venus, Libidine)" macht dort weiter, wo der Vorbote endete, kommt aber ohne den Gesang von Milan Fras aus.

Das war es dann aber schon mit Country. Pluckernde, minimalistische Rhythmen in Anlehnung an Kraftwerks "Autobahn" und Vocodergesang stehen in "Love Is Still Alive III (Mercury, Dopamine)" auf dem Programm. Danach findet man sich in "Love Is Still Alive IV (Neptune, Oxytocin)" in rasanten Surf-, Psychedelic- und Garage Rock-Sphären wieder, wenn man tanzbare Orgelklänge, rockige Wah-Wah-Effekte an der Gitarre und eine Stimme aus der Ferne vernimmt.

In "Love Is Still Alive V (Uranus, Prolactin)" schalten Laibach mit melancholischen Synthwave-Tönen einen Gang zurück. In "Love Is Still Alive VI (Saturn, Insomnia)" geht es schließlich mit verrauschten Sounds à la Suicide und verspielter Elektronik in ganz deepe Sphären. "Love Is Still Alive VII (Jupiter, Tristitia)" bereitet anschließend mit opulenten, an Vangelis erinnernden Keyboards und schweren Saitenklängen auf das große Finale "Love Is Still Alive VIII (Mars, Dysphoria)" vor. Das strahlt mit dezenten Marschrhythmen, schwelgerischen, an Leonard Cohen angelehnten Vocals Milan Fras' und verzaubernden Backgroundgesängen etwas Ruhiges und Versöhnliches aus.

Letzten Endes vergeht die Reise durch sämtliche "Weltraum"-Musikgenres der letzten Jahrzehnte wie im Flug.

Trackliste

  1. 1. Love Is Still Alive I (Moon, Euphoria)
  2. 2. Love Is Still Alive II (Venus, Libidine)
  3. 3. Love Is Still Alive III (Mercury, Dopamine)
  4. 4. Love Is Still Alive IV (Neptune, Oxytocin)
  5. 5. Love Is Still Alive V (Uranus, Prolactin)
  6. 6. Love Is Still Alive VI (Saturn, Insomnia)
  7. 7. Love Is Still Alive VII (Jupiter, Tristitia)
  8. 8. Love Is Still Alive VIII (Mars, Dysphoria)

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