laut.de-Kritik

Über den Hass und Misstrauen in der Gesellschaft.

Review von

Kramt die Golfsocken raus und quetscht euch wieder ins nicht mehr ganz so locker sitzende Fat Wreck-Shirt: Lagwagon kehren zurück! Fünf Jahre darbte die Fangemeinde, bevor die Skatepunk-Veteranen den Nachfolger ihres gelobten Spätwerks "Hang" in die Läden stellen.

"I borrowed a lot from early records", verlautete Frontmann Joey Cape vor dem Release - und genau so klingt "Railer" auch: eine Zeitreise in die Neunziger, zurück zu den Anfängen der Band. Der Opener "Stealing Light" legt mit Gitarren-Geschreddere los, die Punk-Grooves lassen nicht lange auf sich warten. Nach den experimentelleren Tönen des Vorgängers verschreiben sich die Kalifornier komplett ihren Wurzeln - kurzum: alles beim Alten.

Dass man hechelnde Punkrock-Songs, die nahezu alle an der Drei-Minuten-Marke kratzen, 2019 dennoch hervorragend anhören kann, liegt besonders an Joey Capes Texten. Gleichgültig, ob er soziale Randgruppen ("Spotlight"), Gentrifizierung im sonnigen Kalifornien ("Surviving California") oder gezielte Indoktrination ("Parable") thematisiert: Lagwagon haben den Anschluss ans Zeitgeschehen nicht verloren.

Sie liefern im Gegenteil eine Platte ab, die den wachsenden Hass und Misstrauen in der Gesellschaft ziemlich gut auf den Punkt bringt. Hört man genauer hin, schwingen all jene Themen mit, die die USA spalten: Donald Trump, Rassismus, Fake News oder Waffengewalt. "We deeply care, but we are powerless from here", heißt es in "Pray For Them". Man denkt an die vielen Beleidsbekundungen und Gebete nach Amokläufen - politische Konsequenzen folgten keine.

Die Kalifornier nehmen sich aber auch selbst ironisch aufs Korn. "Fan Fiction" handelt von Fans, die die Geschichte einer Band mitschreiben und so Druck auf die Musiker ausüben: "Whether the bar was set too high or low / You best pave your Abbey Road". In "Bubble" geben Lagwagon zu: "We're not breaking ground / Brain-trust re-sharing a rusty sound".

Das trifft es eigentlich ganz gut: Lagwagon liefern auch nach 30 Jahren Karriere noch Alben ab, zu denen sich bestens das ein oder andere Bier knacken und durch die Menge moshen lässt. "Railer" endet mit Journeys "Faithfully", das standesgemäß Mitgröl-Chorus, Zappel-Groove und Gitarren-Solo auffährt. Eine weitere Reminiszenz: Zumindest die ersten Lagwagon-Alben enthielten oft Coversongs.

Trackliste

  1. 1. Stealing Light
  2. 2. Surviving California
  3. 3. Jini
  4. 4. Parable
  5. 5. Dangerous Animal
  6. 6. Bubble
  7. 7. The Suffering
  8. 8. Dark Matter
  9. 9. Fan Fiction
  10. 10. Pray For Them
  11. 11. Auf Wiedersehen
  12. 12. Faithfully

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2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 18 Tagen

    Schade dass sie die bei "Hang" angefangene Weiterentwicklung nicht fortgeführt haben; das Album war sehr stark. Die vorab von "Railer" gehörten Songs lassen leider auf ein 08/15 Punk-Album-mit-Lagwagon-Einschlag schliessen, und da gibt der Backkatalog der Band sicher Besseres her...

    • Vor 14 Tagen

      Bubble als erste Single ist seeehr irreführend, da der Song noch am meisten nach typischem 90s-Skate-Punk klingt. Railer geht eher wieder in die ganz frühen Tage von Lagwagon à la Duh und Trashed als man ihre Metalwurzeln noch raushören konnte. Und klingt damit im Grund wie eine Fortführung von Hang, dass diese Wurzeln auch shcon gezeigt hat - allerdings mit deutlich gedrosselterem Tempo.

  • Vor 17 Tagen

    ungefähr 2 von 5 mal lese ich "rainer" :frapp: