laut.de-Kritik

"Volltanken bitte! Geld spielt keine Rolle!"

Review von

Am Anfang steht ein Minihörspiel über die "Tankstelle Am Rande Unseres Planeten". Im Jahr 2073 betreibt DJ Pattex eben jene Tankstelle, die Raumgleiter mit Musik, dem Treibstoff für die interstellare Raumfahrt, versorgt. Einen gewissen King Fehler will Pattex zuerst noch mit solch minderwertigem Sprit wie Jack Johnson oder James Blunt abspeisen, doch dieser Kunde erweist sich als unerwartet anspruchsvoll. Erst bei Knarf Rellöm werden sie sich handelseinig. "Volltanken bitte! Geld spielt keine Rolle!" - Willkommen in der durchgedrehten Welt von Knarf Rellöm Trinity.

Knarf Rellöm selbst, DJ Pattex und Viktor Marek a.k.a. Vittorio Marese haben mit "Move Your Ass & Your Mind Will Follow" wiederum ein Album zusammen gezimmert, das in Sachen 'verquere Gedanken zu vorzüglicher Tanzbarkeit' seinesgleichen sucht. Nach dem eröffnenden Sprechstück folgt mit dem Titeltrack eine Indie-Dance-Granate, und KRT stellen klar: "Ihr meint wir sind aus Hamburg, nein das sind wir nicht. Wir sind auch nicht aus Deutschland, nein wir sind vorm Mars." Das ist also der "heavy heavy No-Deutschland sound", den Knarf Rellöm erstmals in "Arme Kleine Deutsche", erschienen im Sommer 2005 auf dem "I Can't Relax In Deutschland"-Sampler, proklamierte.

Eben dieser Track ist in einer discokompatibleren auch auf "Move Your Ass ..." enthalten, inklusive lustigem Telefoninterlude. Keine Frage, Knarf Rellöm politisiert auch auf diesem Album vor sich hin. Auf "Talkin' Techno" referiert er über ehemals linke Insignien, die von Rechten missbraucht werden und den Zustand der Sozialdemokratie in Deutschland. Mit seinen Aussagen schafft Knarf Rellöm etwas Seltenes. Er "diskutiert" auf intellektuell hohem Niveau, aber ohne erhobenem Zeigefinger, und unterhält mit seiner Musik großartig.

Abgesehen davon strotzt "Move Your Ass ..." nur so vor abwegigen Ideen. Knarf Rellöm trifft "Hanfhunde mit Kerrchen", findet in seinem Haus eine Biene ("Knarf Rellöm Trinity") und kauft vor dem Saufhaus. Achilles muss sich postmortem fragen lassen, warum er denn bitte an einer Verletzung der Achillesferse gestorben ist. Die Musik pumpt ebenso bekloppt genial vor sich hin, wie die Texte klingen. Knarf Rellöm macht Tanzmusik für fortgeschrittene Querdenker.

In "Ausserplanetarische Opposition" erfährt er, dass seine Musik sogar auf dem Mars populär ist und er als Begründer für die moderne Raumfahrt benötigt wird. "This is a hit on Mars!" - kein Zweifel - "Space is the place ...". Und wenn sie dann noch The Prodigy zitieren, elevieren sie tatsächlich mein Gehirn in eine höhere Dimension. Wahnsinn! Nachdem man zur ersten Single "LCD Is Playing At My House" noch einmal gut die Beinmuskeln gelockert hat, erfährt man, was Knarf Rellöm unter einer Coverversion versteht.

Zusammen mit Bernadette La Hengst spricht er eine eingängige Version von Bob Dylans "Like A Rolling Stone" ein. Dass DJ Pattex am Ende fast noch einen Nervenzusammenbruch erleidet, wird da fast zur Nebensache. Was für ein Spaß! Da kann man nur beherzigen, was Knarf Rellöm selbst empfiehlt: "Macht die Musik so laut, dass die Leute schon tanzen, ohne sich zu bewegen".

Trackliste

  1. 1. Die Tankstelle Am Rande Unseres Planeten
  2. 2. Move Your Ass And Your Mind Will Follow (Mit Plemo)
  3. 3. Den Kopf Verlieren (What I Do No Forget)
  4. 4. Knarf Rellöm Trinity
  5. 5. Kaufen Vor Dem Saufhaus (Mit Big Zis)
  6. 6. AKD
  7. 7. Hey! Achilles (Mit DJ MT Dancefloor / Saalschutz)
  8. 8. Talkin' Techno
  9. 9. What's That Music? (Mit Guz)
  10. 10. Ausser- planetarische Opposition (Mit Elmar)
  11. 11. LCD Is Playing On My Stereo (Mit Ronnie Alien)
  12. 12. Like A Rolling Stone (Mit Bernadette La Hengst)
  13. 13. Die Tankstelle Am Rande Des Nervenzu- sammenbruchs

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