laut.de-Kritik

Es werde fucking HELL!

Review von

Unter Prog versteht man häufig die Reminiszenz an die Hochphase in den Siebzigern. Dabei besteht der Hintergedanke darin, Grenzen zu verschieben. So wie sich die Meister der metrisch und harmonisch vertrackten Unterhaltung ihrer Zeit voraus wussten, verschreibt sich das australische Querkopf-Kommando diesem Anything-goes-Gedanken.

Die Band heißt King Gizzard & The Lizard Wizard, ein Name, der auf Hirnflimmern im Endstadium schließen lässt. Bei aller stilistischen Vielfalt der siebenköpfigen Formation mangelt es den Könnern selten an Qualität. Nach einer Schaffenpause 2018 - nach wohlgemerkt fünf Alben im Jahr 2017 - erscheint 2019 bereits Platte Nummer zwei. Die erste Veröffentlichung "Fishing For Fishies" fügte dem angestaubten Boogie-Rock mit Integration verschwurbelter Synthie-Sounds neue Elemente hinzu. Thematisch im Kontext des Klimawandels angesiedelt, klang dies wie ein Versuch, dem drohenden Untergang noch etwas Augenzwinkern abzugewinnen.

Die musikalischen Brainstorm-Experten bringen ihre Message auf dem Nacholger "Infest The Rats' Nest" deutlich garstiger unters Volk. Mit Weichzeichnerei ist nun Schluss, jetzt fliegen die Fetzen. Mastermind Stu Mackenzie schrumpft seine Rasselbande auf Trio-Format. Das Klima-Konzept behält er bei. Kurz vor zwölf gibts nun auch gehörig was auf die Zwölf.

"Planet B" startet wie ein räudiger Bastard aus Lemmy Kilmister, Kerry King und Dave Mustaine. Mackenzie singt wie ein tobsüchtig geifernder James Hetfield-Klon, der seinen Unmut über die Welt in eine Badewanne kreischt. Die Drums scheppern, der Bass knarzt und die Gitarren rollen mit ihren hochfrequenten Rasereien die Därme des Hörers auf rostigen Stacheldraht auf.

Willkommen in der Hölle oder, in Anlehnung an das Buch der Bücher: Es werde fucking HELL! Die Aussies begegnen dem drohenden Exodus der Menschheit aus dem Reich der Lebendigen mit Good Friendly Violent Fun. Mit "Hell", "Organ Farmer" oder dem "Venusian"-Duo gelingen dem Trio-Infernale Lehrstücke in Sachen Bay Area-Thrash. Die Menschheit kann schon einmal ihr Testament machen.

Das penetrante E-Saiten-Geschrubbe erhält einzig Abwechslung mit dem melodischen "Perihelion" und dem Megakracher schlechthin: "Superbug" kriecht in bester Sabbath-Manier in den Gehörgang, als habe Tony Iommi mit seinen magisch-schwarzen Klängen den schrottigen Sci-Fi-Splatter "Starship Troopers" vertont.

Zurück bleibt verbrannte Erde, auf der nichts mehr gedeiht. So kurzweilig die zotige Hommage an "Reign In Blood" und Co. auch wirkt, so mahnend droht der Zeigefinger mit den Folgen des Klimawandels, in trauter Zwietracht von Konzept und Musik: Wie Greta Thunberg in evil und mit 'ner Metal-Streitaxt um. Oder wie ein Hörspiel aus der Schweine-Schlächterei von Klimaexperte Clemens Tönnies. Hell Yeah!

Trackliste

  1. 1. Planet B
  2. 2. Mars For The Rich
  3. 3. Organ Farmer
  4. 4. Superbug
  5. 5. Venusian 1
  6. 6. Perihelion
  7. 7. Venusian 2
  8. 8. Self-immolate
  9. 9. Hell

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