laut.de-Kritik

Zwei verschiedene Seiten des Dänen separat auf einer Doppel-EP vereint.

Review von

Der dänische Produzent Kasper Bjørke veröffentlichte im letzten Jahr mit "The Fifty Eleven Project" ein geradezu erdrückendes, aber auch tröstendes Ambient-Doppelalbum, mit dem er die verschiedenen Stadien seiner Krebserkrankung verarbeitete. Für das erweiterte er sein Soloprojekt zum Kasper Bjørke Quartet. Nun besinnt er sich mit der Doppel-EP "Nothing Gold Can Stay" wieder auf seine Fähigkeiten und kehrt somit zu seinen Elektro- und Disco-Tugenden zurück.

Seite A entstand gemeinsam mit vier Freunden aus Los Angeles, New York und Kopenhagen, deren Stimmen man in den Stücken hört, während der Skandinavier sowohl seine analoge als auch seine organische Seite betont. Seite B wartet dann mit drei langen, instrumentalen Tracks auf, die er gerne selbst in einem seiner Nachtclub-DJ-Sets auflegen würde.

Den Beginn macht "Water" mit Toby Ernest von The Late Great Fitzcarraldos. Der fällt mit nächtlichen, entschleunigten Beats, sphärischen Synthieflächen und dem verträumten, poppigen Gesang recht entspannt aus. Dabei kommt mit luftigen Funk-Riffs sommerliches Flair nicht zu kurz. Letzten Endes ein gelungener melancholischer Einstieg, der aber auch eine gewisse Leichtigkeit nicht vermissen lässt, die mit der düsteren Schwere von "The Fifty Eleven Project" rein gar nichts mehr zu tun hat.

Insgesamt fügen sich die Stimmen so ein, als wenn es nichts Selbstverständlicheres geben würde, bis auf Christian d'Or von Disco Dick, an dessen tiefes, an Matthew Dear erinnerndes Organ man sich im anschließenden "Seabird" erst einmal gewöhnen muss. Dafür weiß jedoch das rhythmische und farbenfrohe Krautrock-Fundament umso mehr zu begeistern.

Eine bessere Figur als der Sänger macht danach Tomas Høffding von WhoMadeWho in "Du Du Du". Das bildet mit straighten Elektro-Beats, saftigen Handclaps und funkelnden Disco- und Funk-Einschüben, hier und da um unterkühlte New Wave-Synthies ergänzt, das tanzbarste Stück der A-Seite. Der unaufdringliche Gesang fügt dem Ganzen noch eine Prise skandinavische Lässigkeit hinzu.

Der Titeltrack rundet die A-Seite schließlich mit ätherisch jazzigen Tönen, retrofuturistischen Blade Runner-Keyboards und nachdenklichen Spoken Words von Justin Strauss von a/jus/ted gegen Ende ruhig ab. Die Messlatte für die B-Seite liegt also schon mal ziemlich hoch.

Die schwächelt dann tatsächlich ein wenig auf den ersten Metern. "Venetian Blinds" bietet zwar ein groovendes und solides Elektro-Fundament, unterlegt mit flächigen Synthies, gerät aber im Großen und Ganzen zu monoton, um bei Laune zu halten. Dem Stück hätte eine steil noch oben gehende Spannungskurve oder sogar ein Peak letzten Endes nicht geschadet.

Dafür entschädigt das folgende "Dreamers (A Tribute To Laurie)" für diesen kurzen Anflug von Einförmigkeit. Das weckt mit analogen Dance-Beats, unterschwellig düsteren Klang-Flächen und kreisender Elektronik Erinnerungen an den Electroclash der späten Neunziger- und frühen Nullerjahre. Dabei nimmt Bjørke gegen Mitte das Tempo ein wenig raus, nur damit im Anschluss die einzelnen klanglichen Komponenten in einem umso kraftvolleren Licht erstrahlen. So ungezwungen hat man diese mittlerweile längst vergessene Stilrichtung wahrscheinlich schon lange nicht mehr gehört, weswegen sich der Track locker zum euphorischen Höhepunkt des Doppelformats aufschwingt.

Auch das abschließende "Oceans Of Time" hält das sehr gute Niveau Aufrecht, klingt es mit pumpenden Synthies und zupackenden House-Beats noch um Einiges straighter. Außerdem kommt mit kühlen New Wave-Flächen wieder einmal ein Schuss Achtziger-Flair dazu. Ein ebenso treibender wie eleganter Schlusspunkt der Doppel-EP. Die bildet im Großen und Ganzen ein äußerst lebhaftes Zeugnis, wie sehr Kasper Bjørke seine Fähigkeiten als Produzent elektronischer Tanz- und Pop-Musik im Laufe seiner Karriere perfektioniert hat.

Trackliste

  1. 1. Water
  2. 2. Seabird
  3. 3. Du Du Du
  4. 4. Nothing Gold Can Stay
  5. 5. Venetian Blinds
  6. 6. Dreamers (A Tribute To Laurie)
  7. 7. Oceans Of Time

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