laut.de-Kritik

Die Gitarrenvirtuosin wächst über ihr Instrument hinaus.

Review von

Nach dem 11. September 2001 spielt Kaki King in der New Yorker U-Bahn Gitarre, um die Menschen aufzuheitern. Man spricht sie auf ihre Musik an, woraufhin sie beginnt, Demos aufzunehmen. Über Umwege gelangen die Aufnahmen in die Hände eines A&R von Velour Records. Die Grundsteinlegung für bis heute vier Soloalben.

Diese kurze Episode beschreibt a la bonne heure Kings Motivation: making people smile again. Dafür schreibt die Gitarrenvirtuosin aktuell schon mal Kopulationshymnen wie "So Much For So Little" ("a song I think people should make babies to"). Oder erstellt mit viel Liebe zum Detail einen aufwändigen Stop-Motion-Clip zur Single "Pull Me Out Alive". Oder gestaltet das CD-Artwork als DIY-Mobile.

Angefangen hat sie mit spärlicher Contemporary-Instrumental-Musik, doch bald wuchs der Kaki King-Sound erst in Indiefolk-Gefilde, dann in den Makrokosmos Pop hinein. Als mit der dritten Platte Drums, Bass und Geigen und schließlich auch Gesang das Soundbild auffüllten, gesellten sich viele neue Fans zur New-Acoustic-Anhängerschaft ersten Stunde.

Für ihre vierte LP hat die 28-Jährige - übrigens einzige Frau in der Rolling-Stone-Liste "New Gods Of Guitar" - nun nochmals aufgestockt. "Dreaming Of Revenge" besteht zur Hälfte aus wohlfeilen Sixstring-Instrumentals. Die changieren zwischen fingerpickendem Calexico-Wüstenprogfolk, dem der Wind durch die Dielen pfeift, und der Art Dreampop, wie ihn die frühen Doves praktizierten.

Der andere Albumteil wird neuerdings von Kings begrenzter, aber erstmals wirklich präsenter Stimme geprägt. Ihr Organ erinnert an ein berühmtes kanadisches Zwillingsduo und besetzt geschickt das Vakuum zwischen mädchenhafter Sehnsucht und fraulichem Beziehungs-Breakup. Mit absoluter Selbstverständlichkeit implementiert die New Yorkerin jetzt auch Klarinette, Keyboards und Streicherquartett in ihre Gitarrenscapes.

Das nach wie vor hochkomplexe Saitenspiel lässt genügend Raum für eine solche Pop-Ausstaffierung. Weshalb Kaki Kings unaufdringlicher Zauber erneut süchtig macht wie der Geruch abgeernteter Kornfelder im Sommersonnenabend. Egal ob mit oder ohne Stimme.

Trackliste

  1. 1. Bone Chaos In The Castle
  2. 2. Life Being What It Is
  3. 3. Sad American
  4. 4. Pull Me Out Alive
  5. 5. Montreal
  6. 6. Open Mouth
  7. 7. So Much For So Little
  8. 8. Saving Days In A Frozen Head
  9. 9. Air And Kilometers
  10. 10. Can Anyone Who Has Heard This Music Really Be A Bad Person?
  11. 11. 2 O'Clock
  12. 12. Zeitgeist (Bonus)

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