laut.de-Kritik

70 Jahre, und er bereut rein gar nichts.

Review von

An runden Geburtstagen, insbesondere, wenn man derer bereits eine erkleckliche Anzahl im Rücken hat, drängt es sich geradezu auf, innezuhalten, zurück zu blicken und Bilanz zu ziehen. Jürgen Drews feiert am 2. April sein 70. Wiegenfest. Okay, mit dem Innehalten hat es der ungebremst amtierende König von Mallorca nicht so. Den eigenen Werdegang Revue passieren zu lassen, das scheint für ihn aber durchaus drin.

"Ihr kennt mich", wendet er sich gleich mit den ersten Worten an seine Fangemeinde. "Ich bleib' mir immer treu. Immer nur mein Ding gemacht. Ich hab' es nie bereut." Drews' ganz persönliches "Je Ne Regrette Rien" zieht ein Fazit, um das ihn mancher Altersgenosse beneiden dürfte: "Ich würde alles wieder tun." Er wäre ein exzellenter Schauspieler, sollte der Schein trügen: Dieser Mann mag seinen Job. Er ist mit ganzem Herzen, mit Haut und Haaren (vor allem mit Haaren!) dabei. "Ich seh' gern zurück und hab' noch lange nicht genug."

Wer das für eine veritable Drohung hält, darf sich ruhig mal den Titeltrack seines aktuellen Albums anhören: Jürgen Drews macht da seinem limitierten Gesangstalent zum Trotz gar keine schlechte Figur. Gitarre, Streicher und Klavier flankieren die Stimme und bauschen sich gegen Ende zur dramatischen Klimax auf: Das lässt sich, gerade auch wegen der vielleicht nicht wahnsinnig originellen, wohl aber authentischen, positiven Botschaft, gut aushalten. Schade nur, dass das bereits das Beste von "Es War Alles Am Besten" war.

Der passablen Eröffnungsnummer folgen hauptsächlich Gute-Laune-Liebesliedchen im Discofox-tauglichen Schnurgeradeaus-Rhythmus. "Millionen Meilen (Tu Es Für Dich)" versucht zwar, sich als "moderner Clubtune" aufzubrezeln. Am Ende steckt unter all dem Synthiegeballer doch auch nur wieder ein weiterer Großraumdisco-Hit, der so oder sehr ähnlich auch schon in den 90er Jahren durch die Zappelschuppen hätte schallen können.

Ah, da isser ja, der Lambada! Spätestens bei "Das Ist Der Moment" haben wir Autoscooter-Niveau erreicht. Drews wirkt hier wie der Kirmes-Ansager, der am "Musik Express" Dienst schieben muss: "Wer will noch mal? Wer hat noch nicht? Letzte Runde! Jaaaa, das macht Spaß! Und jetzt: rückwärts!" Folgerichtig bemüht gleich das nächste Stück, "Abenteuer", das rostige Motiv von der Achterbahn. Womit wir schon den halben Rummel beieinander hätten.

Die Anzahl der verwendeten Bilder lässt sich an einer Hand abzählen. Die andere genügt für die beackerten Themenfelder, und am Ende bleiben noch locker ein bis drei Finger übrig. Drews will noch, er kann noch, und wie, um das zu unterstreichen, singt er ansonsten vom Sich-Verlieben und der ewigen Liebe. Immerhin klingen die großen Worte aus dem Munde eines älteren Semesters, das zudem doch schon ganz schön lange die gleiche Frau an seiner Seite weiß, erheblich weniger lächerlich als, wenn einem 17-jährige Milchbubis das Gleiche auftischen wollen. Ach, lass' sie zwanzig sein: immer noch albern.

Zugute halten könnte man solchen Kindern, dass sie eine vergleichbare Sammlung ranziger Anmachsprüche überhaupt zusammen bekämen, wie sie "Hab Ich Dich Nicht Schon Mal Geseh'n (Boah Ey)" auffährt. "Hab' ich dich nicht schon mal geseh'n - im Lexikon, direkt neben geil?" Boah, ey, aber ehrlich! Daneben wirkt die "Abenteuer-zurück-Feuer-Glück"-Reimwort-Kombination aus "Abenteuer" geradezu frisch und unverbraucht. Da erscheinen die "Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir"-Plattitüden aus (Bingo!) "Wann Wenn Nicht Jetzt" schier weise. "Sto pensando a te", Eros. Jedenfalls so lange, bis der Part mit den Plastikhandclaps dem "Cose Della Vita"-Rip-Off in den Strophen ein Ende setzt.

Gelegentlich, etwa in "Abenteuer" oder "Ich Greif' Mir Ein Stück Vom Himmel" springt Jürgen Drews eine Sängerin zur Seite. Die bekommt aber nicht etwa eine zweite Stimme zugedacht, sondern darf lediglich mitträllern. Ansonsten: inflationär eingesetzte "Oh-oh!-Gesänge und die eine oder andere Mitgröl-Nummer. Die nächste Après-Ski-Saison kommt bestimmt, und "Von Null Auf Hundert" eignet sich dafür sicher prächtig. Vielleicht nicht schön, aber wenigstens schön laut sind sie, die "Partyastronauten".

"Heut Schlafen Wir In Meinem Cabrio". Wünschen wir das Beste, dass es nicht regnet und die Knochen aller Beteiligten solche Akrobatik noch mitmachen. Bisher läuft aber offenbar alles nach Plan, im Drews'schen Vergnügungskosmos. "Hab' alles ausprobiert, hab' mich manches Mal verirrt", betont dessen Alleinherrscher in "Ich Will Es Immer Noch Wissen" noch einmal. (Tatsache, dieser Beat geht wirklich als Verirrung erster Sahne durch.) "Aber ich ging meinen Weg." Er geht ihn noch, mit Begeisterung und Hingabe. Das macht einiges wieder wett, aber längst nicht alles. Am Geburtstag wollen wir trotzdem mal nicht so sein: Gratulation, ein Trullala und alles Gute!

Trackliste

  1. 1. Es War Alles Am Besten
  2. 2. Wie Im Himmel So Auf Erden
  3. 3. Millionen Meilen (Ich Tu' Es Für Dich Und Sonst Für Niemand)
  4. 4. Das Ist Der Moment
  5. 5. Abenteuer
  6. 6. Der Schwerste Tag War Gestern
  7. 7. Von Null Auf Hundert
  8. 8. Wann Wenn Nicht Jetzt
  9. 9. Ich Greif Mir Ein Stück Vom Himmel
  10. 10. Ich Flieg Zu Dir
  11. 11. Ich Will Es Immer Noch Wissen
  12. 12. Kneif Mich
  13. 13. Hab Ich Dich Nicht Schonmal Geseh'n (Boah Ey)
  14. 14. Heut Schlafen Wir In Meinem Cabrio
  15. 15. Lied Für Meine Nacht
  16. 16. Olé, Ich Freu Mich Drauf (Version 2014)
  17. 17. Wie Im Himmel So Auf Erden (Xtreme Rmx)

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LAUT.DE-PORTRÄT Jürgen Drews

Jürgen Ludwig Drews (geboren 1945 im brandenburgischen Nauen) liebt die Aufmerksamkeit. Über viele Jahrzehnte hält sich der ewig berufsjugendliche …

4 Kommentare mit 16 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Schade eigentlich. Wäre reizvoll gewesen, wenn er zusätzlich mal ein bißchen in seinem eigenen Katalog geblättert und vielleicht ein paar Sachen aus seinem Frühwerk mit den Anderen/Apocalypse ausgebuddelt hätte - ich glaube, rein musikalisch steht er hinter den Sachen mehr als hinter vielem, was seitdem geschah ...
    Gruß
    Skywise

  • Vor 3 Jahren

    Ich habe Drews vor 2 Jahren in nem Bierzelt in nem kleinen Dorf gesehen. Seitdem respektiere ich den Mann. Vor ihm torkelte die Dorfjugend haltsuchend über das Parkett, den Masskrug oder die Wampe des Tanzpartners fest im Griff. Aus den Boxen kam infernalischer Lärm, da die Anlage nicht einmal ansatzweise mit den manowaresken Dezibelwerten der Drews'schen Ballerbeats Schritt halten konnte. Auf der Bühne der Maestro, top frisiert und nur kurze Zeit etwas missgelaunt. Als nämlich nach dem dritten Song der wahrscheinlich sturzbesoffene Mischer / Chef der freiwilligen Feuerwehr immer noch nicht auf Drews Bitten nach mehr Stimme auf den Monitoren reagiert hatte, bracht Uns-Jürgen kurzerhand das Konzert ab, huschte von der Bühne und legte selbst Hand an. Nachdem der Schaden repariert war, kündigte er sich selbst als "der König von Mallorca" an, kehrte auf die Bühne zurück und fing das Konzert noch einmal von vorne an. Richtig gelesen, von vorne - mit dem unvermeidlichen "Bett im Kornfeld". Der Rest bestand aus sich übergebenden Dorfschönheiten, entfesselt tanzenden Massen und einem Jürgen Drews, der einfach über den Dingen zu schweben schien. Selbst die alkoholbedingte Ohnmacht eines auf der Bühne tanzenden Mädchens brachte den Onkel überhaupt nicht aus der Ruhe.

    Ein Erlebnis, das mich tief beeindruckt hat.

  • Vor 3 Jahren

    ich habe den mal in einer les humphries doku gesehen. da hat er eine ungewohnt tadellose figur abgegeben und sehr natürlich über die wilden frühen jahre, den wahnsinnigen les und "kunst vs. disziplin" gesprochen. schade, dass ein eigentlich talentierter typ immer nur den clown f d deppenplaneten gibt.

  • Vor 3 Jahren

    die kritiken von dani fromm über leute wie wolfgang petry, heino, carpendale oder drews sind kein bisschen lustig und nerven nur wie sau.

    es ist nicht lustig und nen ziemlich billiger versuch sympathien zu erHASCHen, weil jeder weiß dass die leute die die alben kaufen und die musik hören sich nicht auf laut.de rumtreiben

    • Vor 3 Jahren

      Also Heino ist schon cooler Moshkram.

    • Vor 3 Jahren

      Wenn man die letzte Platte natürlich nicht so bierernst nimmt. Ist mir immer noch lieber als irgendwelche Pseudo-BM-Kapellen, die krampfhaft einen auf true machen wollen.

    • Vor 3 Jahren

      ja ich hab ja auch gar nix zur musik selber gesagt. die musiker kritisier ich nicht, ich hör die oben genannten nicht.. bis auf heino, das mit freundlichen grüßen war schon ein ganz nicer einfall #sheesh
      aber auf dem neuen albung ist nur die metalversion von blau blüht der e dope

    • Vor 3 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Jahren

      Und wer kann schon als Volksmusikvertreter von sich behaupten, auf den Wacken spielen zu dürfen? Da müsste Andreas Gabalier ja einen Geniestreich raushauen, wie ihn Leviathan (bringt endlich mal ne Rezi für das großartige Projekt von Wreth) gerade praktiziert haben. Gabalier ist mir 20x sympathischer als Heino mit seiner überdrehten Masche und Großkotzigkeit, wobei das Konzept Heino's an sich schon verdammt fett war.