laut.de-Kritik

Der Schwede dieses Mal auf der Winner-Seite.

Review von

Der Schwede John Dahlbäck produziert, was das Zeug hält. Allein für 2007 hat er neun Releases in seiner Diskographie stehen. Ähnliche viele sind es in den beiden Jahren davor. Bei all der Flut von Maxis ist es dennoch bereits drei Jahre her, seit Dahlbäck zum letzten Mal mit einem guten Longplayer von sich Reden machte. "Man From The Fall" wurde 2005 vom Kollegen Britsch mit satten vier Punkten verarztet. Kurz darauf erschienen noch "Shades Of A Shadow" und "At The Gun Show". Beide konnten das Level von "Man From The Fall" nicht halten.

Gänzlich in die Nessel setzte sich Dahlbäck dann 2007 mit seiner Label-Compilation "Pickadoll's". Zuviel platte Rave-Attitüde, zu wenig musikalische Substanz war damals der Eindruck. Jetzt ist John Dahlbäck mit "Winners & Fools" einmal mehr auf seinem Label Pickadoll präsent und entwickelt seinen Sound in eine Richtung, die man so nicht von ihm erwarten durfte. Statt pfundigen Beats und schriller Peaktime-Ekstase prägen ein ausgeprägt poppiges Understatement und in zahlreichen Momenten sogar Songstrukturen das aktuelle Album des Schweden.

Offensichtlichster Beweis für die poppige Ader von Dahlbäck ist der große Raum, den er neuerdings Vocals einräumt. Eine gute Entscheidung, wie sich im Verlauf von "Winners & Fools" zeigt. Mit "Sidewalk" und "You And Me" warten gleich zwei der besten Nummern, die das Album zu bieten hat mit Vocals auf. Zudem geht es gleich mit dem zweiten Track des Albums "Gold And Fear" stärker in Richtung Trance als bislang. Statt die Rave-Hupe bis zum Überdruss zu betätigen, spricht nunmehr ein Understatement aus Dahlbäcks Produktionen, das nicht unbedingt den großen Knalleffekt benötig.

Die bewusst eingesetzten Lofi-Sounds wecken Erinnerungen an das Atari-Zeitalter und geben "Winners & Fools" einen ironisch kitschigen Charakter. Auch hier kommt Dahlbäck neuerdings ganz ohne Übertreibungen aus, was dem Gesamtkonzept des Albums spürbar gut tut. Das wirkt in sich stimmig und ausgewogen. Für den Produzenten John Dahlbäck bedeutet es zugleich einen Neustart seiner Karriere. Der Rave-Onkel scheint endgültig ausgedient zu haben. Stattdessen eröffnet sich der Schwede mit trancigem Electro-Pop eine neue Spielwiese.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Gold And Fear
  3. 3. Sidewalk Feat. Elodie
  4. 4. Honeywell
  5. 5. I Had A Feeling
  6. 6. Houses Of The Archipelago
  7. 7. We Are The Duo
  8. 8. Balcony Dance
  9. 9. Spitzer
  10. 10. July First
  11. 11. World Of Love
  12. 12. Down With All
  13. 13. You And Me Feat. Elodie
  14. 14. More Then I Wanted

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