laut.de-Kritik

Zusammengewürfelte Hommage an Duke Ellington.

Review von

Liebhaberei kann, wie bei Joe Jackson, grenzenlos ausufern. Der Gevatter des ständigen Wechselspiels zwischen Punk, New Wave, Jazz, Pop und klassischer Musik nahm sich nun auch den Großmeister Duke Ellington vor. 15 Ellington-Kompositionen deutete Jackson um, erschuf spitzbübische Neuinterpretationen und komprimierte manche davon in Medley-Mehrteiler.

"Caravan" ließ er von Sussan Deyhim ins Persische übersetzen und singen, Lilian Vieira verantwortete die portugiesische Version von "Perdido". "So awful" seien die Originaltexte gewesen, dass es Jackson vor ihnen gegraust habe. Dass er bei diesem Angriff die eigene Deckung vergessen hatte, muss an Joe Jackson unbemerkt vorbeigegangen sein.

Ins rhythmische Dickicht von "Caravan", zusammengehalten von Afro- und Latin-Beats, verflechten sich nicht nur persische Sprachchiffren. Die Harmonik schwappt in den Nahen Osten über, gegen dessen klangliche Dominanz Christian McBride stoisch am Bass anspielt. Es ist ein Schmelztiegel, der Weltmusik undefiniert nach dem Warenkorb-Prinzip zusammenstellt.

So entgrenzt wie Joe Jacksons Interpretationen des Bigband-Leaders, Komponisten und Pianisten Ellington ausfallen, so uneingeschränkt stellt sich Jackson seinen Klangapparat zusammen. The Roots-Schlagzeuger Amir '?uestlove' Thompson, Gitarrist Steve Vai, Geigerin Regina Carter und Sharon Jones sowie der seit "Après" zum Schwerenöter gewordene Iggy Pop sind neben dem globalen Orchester Teil der Entelechie.

Den Duke modernistisch aufputzen, ihn salonfähig fürs 21. Jahrhundert machen: Ob Ellington und seine schrappenden Schellacks sich gegen den Hochglanz sträuben würden? "The Duke" ist akkurat aufgenommen und einwandfrei eingespielt. Gerade das entzieht ihm seinen Zauber. Die mechanische Wirkung von "Isfahan" liegt nicht weit entfernt von den schematischen Darbietungen des griechischen Keyboard-Künstlers Yanni.

"The Mooche / Black And Tan Fantasy" ist ebenso fein säuberlich herausgeputzt, gebaut ohne Ecken und Kanten. In dem Halb-Reggae schlittert Steve Vai auf seinem glatten Griffbrett schmierig die Chromatik nach unten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn er hier Andrew Lloyd Webbers "The Phantom Of The Opera" heraushört. Dazu schallen Hall-beladene Geigen, deren Korpus mehr künstliches Plastik als Naturholz vermuten lässt.

Jackson hantiert mit den Anverwandlungen aber auch anders. "Mood Indigo", vorgetragen vom Strippenzieher des Projekts selbst, beweist, wie genialisch-schmerzlich eine Interpretation sein kann: "You ain't been blue till you've had that mood indigo." Für das Chamäleon Joe Jackson wird "The Duke" ohnehin keine schmerzhafte Erfahrung. Für die Liebhaber des britischen Wandervogels muss diese zusammengewürfelte Hommage trotzdem keinen Kaufanreiz auslösen.

Trackliste

  1. 1. Isfahan
  2. 2. Caravan
  3. 3. I'm Beginning To See The Light / Take The 'A' Train / Cotton Tail
  4. 4. Mood Indigo
  5. 5. Rockin' In Rhythm
  6. 6. I Ain't Got Nothin' But The Blues / Do Nothin' 'Til You Hear From Me
  7. 7. I Got It Bad (And That Ain't Good)
  8. 8. Perdido / Satin Doll
  9. 9. The Mooche / Black And Tan Fantasy
  10. 10. It Don't Mean A Thing (If It Ain't Got That Swing)

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