laut.de-Kritik

Late-Night-Jazz mit Till Brönner.

Review von

Jeff Goldblum kennt man als Haupt- oder Nebendarsteller in "Die Fliege", "Jurassic Park" und "Independence Day". Nur wenige wissen, dass er als Pianist seit mehr als zwanzig Jahren regelmäßig im Rockwell Table & Stage in Los Feliz bei Los Angeles durch eine Jazz-Varieté-Show führt. Dort gibt er, der im Juni einen Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame bekam, zusammen mit seiner Formation The Mildred Snitzer Orchestra Jazz- und Blues-Standards zum Besten und verbindet diese mit improvisierter Comedy. Nun erscheint mit "The Capitol Studios Sessions" sein Debüt als Bandleader.

Für die Aufnahmen funktionierte er die Capitol Studios in Los Angeles in einen Jazz-Club um, der dem Rockwell ähnelt. Als Gast-Vokalistinnen wirken Imelda May, Haley Reinhart und Sarah Silverman mit. Dem Mildred Snitzer Orchestra schließt sich außerdem Till Brönner als Trompeter an. Darüber hinaus lud Goldblum Rockwell-Stammgäste, Freunde und Familienmitglieder zu den Sessions ein, damit das Live-Feeling nicht zu kurz kommt. Produzent Larry Klein (unter anderem Joni Mitchell, Herbie Hancock und Melody Gardot) fing sie schließlich auf Platte ein. Dem Album mangelt es somit keineswegs an Spontaneität.

Dies verdeutlicht schon zu Beginn "Cantaloupe Island", ein von Herbie Hancock komponierter modaler Jazz-Klassiker aus dem Jahre 1964, der 1992 von Us3 unter dem Namen "Cantaloop (Flip Fantasia)" ein modernes Hip Hop-Update verpasst bekam und sich so alleine in den USA bis heute mehr als eine halbe Millionen Mal verkaufte. Sicherlich keine sonderlich originelle Vorlage. Jedoch haucht die Band mit ausgelassenen Orgel-, Saxofon- und Gitarren-Soli der Nummer neues Leben ein. Dabei überzeugt Jeff immer wieder mit verspielten Piano-Einschüben.

Im weiteren Verlauf verlässt er sich allerdings zu sehr auf seine Rolle als akzentuierender Begleiter. In einem CBS-Porträt hieß es vor Kurzem: "Er hat es zur Kunstform erhoben, unkonventionell zu sein." Davon merkt man hier aber nur wenig. Die Neu-Interpretationen diverser Jazz-, Blues- und Soul-Klassiker aus mehreren Jahrzehnten fallen im Grunde genommen so innovativ aus wie der Nachfolger von "Independence Day". Anachronismus bis zum Abwinken. Dazu braucht es nicht noch eine weitere Scheibe. Mehr als sauber gespielten Late-Night-Jazz für die Showbühne hat die Platte ohnehin kaum aufzuweisen.

Dafür demonstriert der 1,94 m große US-Amerikaner oftmals seine Qualitäten als Entertainer. In "Me And My Shadow" legt er mit Sarah Silverman ein beschwingtes Duett vor, das mit ironischen Selbstreferenzen nicht geizt, in "My Baby Just Cares For Me" Haley Reinhart verleitet er sie zu einer gemeinsamen Slapstick-Einlage. Da kann man sich letzten Endes ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Unter den Gast-Sängerinnen hinterlässt trotzdem Imelda May aufgrund ihrer bemerkenswerten stimmlichen Bandbreite den überzeugendsten Eindruck. So zeigt sie sich in "Come On-A-My House" von ihrer betont kühlen und lässigen Seite. Demgegenüber präsentiert sie sich in "This Bitter Earth" um Einiges emotionaler, während Till Brönner ein paar feinfühlige Soli aus seiner Trompete beisteuert.

Gerade der Deutsche erweist sich als eigentlicher Star der Platte. Wenn in "It Never Entered My Mind" sein romantisches Spiel ganz alleine im Zentrum steht, scheint tatsächlich so etwas wie Magie in der Luft zu liegen. Sonst stellt er zwischen kraftvollen Tönen ("Caravan") und coolem Dämpfereinsatz ("Straighten Up And Fly Right") sein Können eindrucksvoll unter Beweis. Mit so viele klangliche Facetten bereichert er oftmals nicht mal seine eigenen Soloalben.

Dessen ungeachtet bleibt "The Capitol Studios Sessions" nicht mehr als ein grundsolides Jazz-Werk, das zwar ein paar kurzweilige Momente besitzt, sich aber weder positiv noch negativ aus der Masse an Veröffentlichungen in dem Genre hervor hebt.

Trackliste

  1. 1. Cantaloupe Island
  2. 2. Don't Mess With Mister T
  3. 3. My Baby Just Cares For Me
  4. 4. Straighten Up And Fly Right
  5. 5. Jeff Introduces Sarah Silverman
  6. 6. Me And My Shadow
  7. 7. Nostalgia In Times Square
  8. 8. It Never Entered My Mind
  9. 9. Gee Baby (Ain't I Good To You)
  10. 10. I Wish I Knew (How It Would Feel To Be Free)
  11. 11. This Bitter Earth
  12. 12. Come On-A-My House
  13. 13. Caravan
  14. 14. Good Nights

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